Mißglückte Sowjet-Siegesfeier in Grozny

Bei einem Bombenanschlag in der tschetschenischen Hauptstadt Grozny ist der Präsident der moskauhörigen Marionettenregierung in Tschetschenien, Achmad Kadyrow, getötet worden. Mindestens 31 weitere Menschen starben nach Angaben des tschetschenischen Innenministeriums, als der Sprengsatz während einer Feier zum Sieg Russlands über das Deutsche Reich in einem voll besetzten Stadion hochging. 

Im Dynamo-Stadion in Grozny hatten sich am Morgen des 9. 5. 2004 Tausende Menschen versammelt, um auf Befehl Moskaus den 59. Jahrestag der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht als "Tag des Sieges 1945" zu feiern. (übrigens soll laut EU - Verfassungsentwurf künftig der 9. Mai auch in der EU der höchste Feiertag sein). Um 10.35 Uhr Ortszeit explodierte der Sprengsatz vor der Haupttribüne. In der obersten Reihe saßen dort der Kommandeur der russischen Besatzungstruppen  Waleri Baranow und der tschetschenische Innenminister Alu Alchanow. Bei der Explosion wurden indestens 45 Menschen verletzt.

Der blutende Kadyrow sei auf dem Weg ins Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen, sagte sein Sprecher. Kadyrow war vor seiner Wahl zum Präsidenten, die international als Farce kritisiert wurde, bereits mehr als drei Jahre Chef der pro-russischen Verwaltung Tschetscheniens. Im ersten Tschetschenien-Krieg von 1994 bis 1996 hatte Kadyrow noch gegen die russische Besatzung gekämpft. Als Verwalter überlebte er mehrere Attentate.

Nach dem Anschlag nahm die Polizei fünf Verdächtige fest. Es werde überprüft, ob die Festgenommenen in den Anschlag verwickelt seien, sagte ein Spredcher des tschetschenischen Innenministeriums. In Grozny laufe ein "Spezialeinsatz" auf der Suche nach den Attentätern, zahlreiche Autos würden durchsucht.

Das Innenministerium teilte weiter mit, das kürzlich erbaute Stadion sei mehrmals gründlich auf Sprengstoff durchsucht worden. Die Bombe sei während der Bauarbeiten in einer Betonplatte genau unter dem Bereich der Haupttribüne versteckt worden, der für ranghohe Persönlichkeiten reserviert ist. Nach der Explosion seien zwei weitere Sprengsätze in dem Stadion gefunden worden.

Putin sagte laut der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti nach dem Anschlag, die Strafe für die Täter werde "unausweichlich" sein. Moskau bezeichnet die für die Unabhängigkeit kämpfenden tschetschenischen Rebellen als "Terroristen". Die Rebellen verübten bereits mehrfach an russischen oder tschetschenischen Feiertagen Anschläge. Putin weigert sich, mit ihren Vertretern zu verhandeln.

[9. Mai 2004]

 Russische Siegesparade 2003 in Grosny abgesagt...>> 


 
60 Jahrestag der Deportation der Tschetschenen

Anläßlich des 60. Jahrestages der Deportation der Tschetschenen fanden in Brüssel und Moskau Demonstrationen statt. Die Demonstranten forderten eine Beendigung der russischen Besetzung Tschetscheniens und warfen der russischen Regierung vor, ähnlich wie Stalin wieder einen Völkermord an den Tschetschenen zu begehen.

Brüssel
Demonstration in Brüssel am 23. 2. 2004

Vor 60 Jahren, am 23. Februar 1944, wurden 450 000 Tschetschenen wegen angeblicher Kollaboration mit der Deutschen Wehrmacht nach Zentralasien deportiert. Die Maßnahme erfolgte auf Geheiß Stalins, des Verbündeten der westlichen Demokratien, der die Gelegenheit wahrnahm, im Kaukasusgebiet die Kolonisation durch Russen voranzutreiben. 

Die Menschen wurden in Viehwaggons nach Kasachstan transportiert, wo sie auf Plantagen und in Bergwerken Zwangsarbeit verrichten mußten.

Unter N. Chrustchew kehrten die etwa 200 000 Überlebenden zwischen 1957 und 1959 nach Tschetschenien zurück. Dort fanden sie in ihren Häusern und Wohnungen zumeist Russen vor, die von Russland nach Tschetschenien deportiert worden waren.

Leider versucht Rußland immer wieder, solche Randgebiete, wie z. B. auch die baltischen Länder oder Ostpreußen zu annektieren, anstatt sich auf seine Kerngebiete zu beschränken und anderen Völkern das Selbstbestimmungsrecht zuzugestehen.

Die jüngsten Kriege gegen das Volk von Tschetschenien sind ein Musterbeispiel einer rücksichtslosen Kolonialisierungs- und Vernichtungspolitik die an die Vernichtung der Buren durch die Engländer oder die Ausrottung der Indianer in den USA erinnert.

Die Vertreter dieser Länder bekunden auch großes Verständnis für das Vorgehen Rußlands. So erklärte z. B. der derzeitige NATO Generalsekretär und vormalige englische Kriegsminister Robertson, bekannt von zahlreicher Pressekonferenzen zur Rechtfertigung des NATO - Überfalls auf Serbien, daß er volles Verständnis für Rußlands "Kampf gegen den Terrorismus" habe.
Ähnliches erklärten Präsident Clinton und Außenminister Fischer.

Ebenso wurde von der EU erklärt, daß man nicht daran denke, Sanktionen gegen Rußland zu verhängen, während gleichzeitig die Sanktionen gegen Serbien, das ja die NATO - Bedingungen 
(Abzug aus dem Kosovo) erfüllt hat, aufrecht beiben.

Man denkt natürlich auch nicht daran, etwa die diplomatischen 
Beziehungen herunterzustufen, wie das gegen Österreich gemacht wird.

[23. Februar 2000]
 

Grozny
Grozny im Februar 2000. Die Russische Soldateska hat hier
das Vorbild der NATO bezüglich Serbien noch übertroffen.

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