Demonstration in Erfurt (Thüringen) Am Sonnabend, dem 18. Oktober, fand in Erfurt eine Demonstration des Nationalen Widerstandes statt. Ja, der nationale Widerstand, der sich mangels entsprechender Auflage in Erfurt auch als solcher in Sprechchören bezeichnen durfte. Haben Polizeibehörden inzwischen vielleicht mitbekommen, daß diese Auflage vor den Gerichten nicht mehr so lange halten wird?!
Auch andere positive Aspekte sind zu erwähnen. So war es die dritte Demonstration in Erfurt seit ungefähr zwei Jahren, und die Teilnehmerzahlen sind im Wachsen begriffen. Waren es beim ersten Mal noch etwa 60 bis 80, dann beim zweiten Mal schon 100, und gestern konnte ich 171 Personen zählen. Zweifellos auch ein Erfolg der umfangreichen Werbung, die örtliche bzw. regionale Kräfte betrieben haben.
Es gab allerdings auch durchaus negative Aspekte, die nicht verschwiegen werden sollen.
Nach anfänglich relativ ruhigem Verlauf kam dann dem Ende zu die Behörde (oder einzelne Behördenmitarbeiter) auf den Gedanken, ein wenig Streß machen zu müssen. Möglicherweise hatte man von vornherein die Absicht, einen Redeauftritt von Gerd Ittner auf jeden Fall und um jeden Preis verhindern zu wollen. Es gab Andeutungen aus dem Kooperationsgespräch, die darauf hindeuten. Außerdem scheint es im Lande Thüringen Mode zu werden, den beim Publikum beliebten Ittner am Reden hindern zu wollen. Vielleicht liegt ganz Thüringen ein wenig hinter dem Mond, so daß die zuständigen Beamten dort versäumt haben, Verfassungsgerichtsbeschlüsse zu lesen?! Oder geschweige denn das Grundgesetz selber?!
Jedenfalls zerrte man den Franken Ittner in Thüringen grundlos vom Mikrophon weg und nahm ihn fest.
Die thüringische Versammlungsleitung erklärte sich prompt solidarisch und verkündete, die Versammlung nicht zu beenden, bis Ittner nicht wieder zurück sei. Sprechchöre der Teilnehmer bestärkten sie: "Ohne Ittner - fahren wir hier nicht weg!"
In Fortsetzung ihres Rechtsbruchs löste daraufhin die Polizei die Versammlung auf. Glückwunsch, meine Herrschaften; sie haben sich eine Feststellungsklage und einen Karriereknick verdient! Wohl bekomms!
Nun besteht eine Versammlung aber aus Menschen, nämlich den Teilnehmern oder vormaligen Teilnehmern der Versammlung. Und die lösen sich nicht so ohne weiteres auf. Das ist ja auch rein technisch schwerlich möglich. Viele - sogar die meisten - nutzten das zwar kühle, aber trocken-schöne Herbstwetter, um sich ein wenig auf dem Pflaster hinzusetzen. Ein anwesender Liedermacher - Manuel - holte die Gitarre heraus und spielte auf. Besonders ist mir in Erinnerung, auf welche Resonanz das schöne alte Lied stieß: "Jetzt kommen die lustigen Tage....." Ein wenig Humor gehört auch dazu.
Besonders humorvoll war eine Durchsage der - nunmehr ehemaligen - Versammlungsleitung des Inhaltes, die Polizei habe angekündigt, die vormalige Versammlung, weil nun keine Versammlung mehr, nicht weiter schützen zu wollen. Tosendes Gelächter und lautstarker Beifall waren die Reaktion darauf. Es hatte sich schließlich beobachten lassen, daß die aufmarschierte Kommune nebst Punks und Anarchos und wie all diese merkwürdigen Menschen nun heißen es an Zahl vielleicht gerade eben mir uns aufnehmen konnten; eher dürfte man davon ausgehen, daß sie ein paar weniger waren. (Gut hundert bis knapp hundertfünfzig, würde ich schätzen.)
Allerdings sind linke Gewalttäter es nun mal gewöhnt, daß ihnen vielerorts die Polizei förmlich in die Hände spielt. Nämlich sie uns gegenüber gewähren läßt, dann aber einschreitet, wenn wir uns gegen solche Angriffe wehren.
Nicht viel anders war es auch diesmal. Da gab es beispielsweise einen Punk, der seiner Heiterkeit damit Ausdruck verleihen wollte, daß er uns mit Bier zu bespritzen versuchte. Leider hatte der Mann von Physik keine Ahnung. Er kam bei jedem seiner Spitzer näher, aber die braune Brühe flog trotzdem nicht weit genug, weil die Flasche eben bei jedem Spritzer leerer wurde.... Der arme Kerl muß sich gefühlt haben wie die, die Trainer Trappatoni meinte mit "Spielen wie Flasche leer".... Aber auch eine leere Flasche kann noch von - negativem - Nutzen sein, wie einer seiner Genossen bewies. Der versuchte nämlich, eine solche in unsere Richtung zu werfe. Leider war ihm der Kopf eines anderen Genossen im Wege. Pech gehabt! - Glück im Unglück für den Punk-Kollegen war, daß eine Flasche nur in den seltensten Fällen eine tödliche Waffe ist. Ihm ist nicht viel passiert. Wäre es schlimmer gekommen, hätten die Genossen wohl auf seinen Grabstein schreiben müssen, was so vielen US-Amerikanern und Briten passiert ist: "He died in friendly fire" (Er starb im Feuer eigenen Kräfte.)
Diese beginnenden und sich langsam eskalierenden Rechtsbrüche der Punks honorierte die Polizei dann lustigerweise damit, daß sie UNS einen Platzverweis erteilten.
Auch damit haben die Herrschaften sich eine Feststellungsklage verdient.
Es scheint, daß die Herstellung rechtmäßiger Verhältnisse bei Demonstrationen und nach Demonstrationen im Lande Thüringen noch ein klein wenig Mühe bekommen wird.
Allerdings war es mir persönlich eine Genugtuung, einem Polizeioffizier zurufen zu können: "Wir kriegen das schon hin. Denken Sie bitte daran, daß ich letztes Jahr in Thüringen eine Demonstration ausgerechnet am 20. April gerichtlich durchgesetzt habe." - Da wurde das Gesicht des Mannes dann doch erkennbar länger. Vielleicht ahnte er schon, welche Unannehmlichkeiten auf seine Behörde zukommen!
Ein wenig negativ aufgefallen ist mir, daß einige Kameraden aus der Region es sowohl an Solidarität als auch an taktischem Verständnis mangeln ließen. Man sollte eigentlich wissen, daß man sich in solchen Situationen nicht von der Masse absetzt. Einerseits aus Gründen der Solidarität, natürlich, denn SOLIDARITÄT IST EINE WAFFE! (Und zwar eine wirksamere als leere Bierflaschen oder polizeiliche Schlagstöcke, wenn tatsächlich alle solidarisch sind!!!) Und außerdem kann so etwas gefährlich werden. Bei einem offenen Angriff auf uns hätten die Linken bei mir eher Mitleid erweckt als Ärger oder gar Haß - es wäre für sie ein Fiasko geworden! Sich allerdings in starker Überzahl eine kleine Gruppe oder einzelne Leute zu greifen, sind sie immer imstande. Und wenn das Kameraden oder Kameradinnen in einer solchen Situation passiert, weil ihnen das schnelle nach-hause-kommen wichtiger ist als Solidarität mit einem grundlos weggehafteten Kameraden oder mit den vor Ort verbleibenden Kameraden, dann haben sie sich das auf eine gewisse Weise sogar verdient.
An diesen Erkenntnissen sollte man noch ein klein wenig arbeiten! Ob nur im Lande Thüringen oder auch anderswo, sei dahingestellt; gestern ist es mir nun zufälligerweise das erste Mal seit einiger Zeit gerade in Thüringen aufgefallen. Ich hoffe, daß jeder daraus seine Lehre zieht. Die, die geblieben sind, haben es offenbar verstanden, und die anderen werden es noch lernen müssen, wenn sie weiter einen politischen Anspruch haben wollen.
Hamburg, 29. Oktober 2003
Christian Worch
Tag der Deutschen Einheit in Leipzig und Schkeuditz Am sog. Tag der deutschen Einheit demonstrierten ca. 400 Patrioten in Leipzig (Sachsen) unter dem Motto "Wir sind das Volk !" Die Leipziger Stadtverwaltung versuchte, den Gebrauch der Parole "Wir sind das Volk" zu verbieten, durch ein Gerichtsurteil wurde jedoch den Demonstranten ausdrücklich erlaubt, diesen Spruch zu verwenden. Bekanntlich entblödete sich der Oberbürgermeister von Leipzig nicht zu versuchen, diese Parole beim europäischen Patentamt in München patentieren zu lassen.
[3. Oktober 2003]
____________________ Liebe Kameradinnen und Kameraden!
Beide Demonstrationen verliefen sehr erfolgreich.
L E I P Z I G :
Teilnehmer nach erster eigener Zählung 315, wahrscheinlich ein wenig mehr; schätzungsweise bei 330. Medien berichten, gestützt auf Polizeiangaben, von 350. Das ist sehr erfreulich, denn nachdem im letzten Jahr die Teilnehmerzahlen bei den Leipzig-Demonstrationen vorwiegend nach unten gingen, ist nun wieder ein Aufwärtstrend erkennbar.
Gegner nach Medienangaben 1.000 (tausend). Ich persönlich habe sicherlich nicht mehr als vielleicht hundertfünfzig gesehen, aber zu den Gegnern sollen auch die Teilnehmer eines "Familienfestes" am Völkerschlachtdenkmal gehört haben.
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Linke Gegendemonstranten am 3. 10. 2003 in LeipzigSeltsam... Klar falsch ist die Behauptung, in der Innenstadt hätten vierhundert Menschen eine Menschenkette mit den Worten "Stoppt Nazis" gebildet. Dankenswerterweise hat die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG in ihrer Ausgabe von Sonanbend das Bild aus der Vogelperspektive gedruckt, so daß man jeden einzelnen zählen kann. Wenn ich mich nicht verzählt habe, komme ich auf 242. Ja, ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte! Ähnliche Abstriche müssen wir dann wohl auch von der Gesamtzahl der gegnerischen Teilnehmer machen. Was interessant war, ist, daß die "Kuhle Wampe" mit (angeblich) 100 Motorradfahrern und Motorradfahrerinnen gegen uns auftrat. Seitdem die DKP nicht mehr mit 40 bis 50 Millionen DM jährlich von der DDR-SED gesponsort wird, geht es auch mit der DKP-nahen "Kuhlen Wampe" immer weiter bergab. Aber immerhin, es gibt sie noch! Und wenn sie wirklich mit hundert Leuten da war, muß man ihnen beinahe den Respekt für diese Hartnäckigkeit aussprechen.
Der Ablauf war wie üblich. Die Behörde bemühte sich um sehr seltsame Rechtauslegung. So soll die Forderung nach Wiedereingliederung der deutschen Ostgebiete gegen den Auflagenbescheid verstoßen (???) und ebenso, dem deutschen Reich Heil zu wünschen (???????????). - Ansonsten können auch Behördenmitarbeiter mal darüber nachsinnen, mit wem sie sich mit ihrer bemüht "antifaschistischen Linie" gemein machen. Eine Rathaus-Sprecherin namens Kerstin Kirmes wurde vom Steinwurf eines unbekannt gebliebenen Antifaschisten getroffen und leicht am Fuß verletzt. Hätte die Dame Springerstiefel oder DocMartens-Stiefel getragen, hätte sie diesen Wurf wohl unveletzt überstanden. So kann sie also mal darüber nachdenken, wie sinnvoll die ständigen Auflagen genau des Rathauses sind, für das sie die Sprecherin macht... Und ansonsten wünschen wir gute Genesung, was bei einer nur leichten Verletzung und dann auch noch am Fuß ja eigentlich kein Problem sein sollte.
Als Redner auf der Zwischenkundgebung traten auf: Axel Reitz, Ivonne Mädel, Hartmut Wostupatsch, Michael Burkert, und Gerd Ittner.
Alle Reden mußten ein wenig kurz gehalten werden, weil wir anschließend noch etwas vorhatten und es einen engen Zeitplan gab.
Deshalb kam leider auch ein Antifaschist mit Rasta-Locken nicht wirklich zum Zuge, der uns von hinter der Polizeikette zuschrie, wir könnten ja nicht einmal diskutieren. Fraglich, wie der Mann darauf kommt. Deshalb lud ich ihn auch ein, auf unsere nächste Veranstaltung zu kommen und sagte ihm Rederecht für zehn Minuten zu. Ich hätte ihn auch für den gleichen Tag zur Abschlußkundgebung eingeladen, aber das war eben des Zeitrahmens wegen nicht möglich. Aber auch diese Einladung für März nächsten Jahres erstaunte den Mann sehr; so sehr, daß er von mir Besiegelung per Handschlag verlangte. Wir reichten uns also durch die Polizeikette hindurch die Hände, was irgendwie einen fast symbolhaften Charakter hat. - Ich hoffe, diese unbekannte Antifaschist ist nächstes Mal wirklich da; wir sind gern auch bereit, Andersdenken zu Wort kommen zu lassen. Vielleicht läßt sich so die Mauer in den Köpfen überwinden. Und vielleicht stellt zumindest dieser junge Antifaschist dann fest, daß es in seinem und seiner Genossen Kopf ein wenig mehr Mauer gibt als in unseren Köpfen.
Diesmal aber ging es nicht, der Anschlußdemonstration wegen, und damit kommen wir zu
S C H K E U D I T Z :
Angemeldet von einem Leipziger Kameraden und geleitet von Sven Liebich aus Halle, wurde die Versammlung vom Landrat Delitzsch zunächst verboten. Das Verbot hielt vor dem Verwaltungsgericht nicht lange.... - Offenbar hatte die verbietende Behörde schon damit gerechnet, daß ihr Verbot nicht wirksam sein würde. Knapp fünf Minuten, nachdem das Verwaltungsgericht Leipzig mir die Außervollzugsetzung des Schkeuditz-Verbotes gefaxt hatte, kam das nächste Fax, diesmal vom Landratsamt Delitzsch - ein Auflagenbescheid.... Entweder haben die das Wunder vollbracht, binnen fünf Minuten sechs Seiten Auflagenbescheid zu schreiben, oder sie hatten ihn schon vorbereitet, in dem Wissen, daß sie mit dem Verbot scheitern würden. Kann so etwas überhaupt noch rechtsstaatlich sein?!
Da wir unsererseits aus Zeitgründen die Auflage, daß die Versammlung bis 18.30 Uhr zuende sein mußte, nicht mehr anfechten konnten, waren wir also ein klein wenig in Zeitdruck.
Obwohl der Lautsprecherwagen noch in einer polizeilichen Kontrolle völlig sinnlos fast eine halbe Stunde aufgehalten wurde, gelang es uns, gegen 16.40 Uhr anzufangen. Die Teilnehmerzahl in Schkeuditz lag erfreulicherweise sogar noch ein klein wenig höher als in Leipzig; vielleicht zwanzig mehr. Dies lag nicht nur daran, daß alle, die in Leipzig demonstriert hatten, gern auch vom Angebot einer Anschlußdemonstration Gebrauch gemacht haben, sondern auch ein paar vor allem jüngere Schkeuditzer schlossen sich dem Zug an.
Überhaupt war die Stimmung Schkeuditz eine völlig andere als in Leipzig.
In Leipzig wurde das Bild bestimmt von den vielleicht hundert bis hundertfünfzig Antifaschisten, die unseren Zug begleiteten, teilweise pöbelnd, in wenigen Einzelfällen sogar Eier oder gar Steine werfend. In Schkeuditz konnte ich gerade einmal einen pöbelnden Antifaschisten bemerken. Was ansonsten die Straßen säumte, waren normale Bürger, sehr viel örtliche Jugend, die sich den Demonstrationszug teilweise mit Neugier, teilweise mit wohlwollender Neutralität und teilweise auch mit offener Sympathie anschauten und sich in Einzelfällen dann sogar einreihten.
Die Antifa weiß schon genau, warum sie gegen uns immer wieder auftritt. Auch wenn es ihr schon lange nicht mehr gelingt, unsere Demonstrationen zu verhindern oder auch nur ernstlich zu behindern, so schrecken sie doch eben durch ihr seltsames Äußeres normale Bürger ab. Wir haben auf diese normalen Bürger offenbar keine so abschreckende Wirkung! - Es wäre an der Zeit, daß die Behörden sich einmal überlegten, Auflagen nicht an unsere Adresse zu erteilen, sondern an die von Antifaschisten! Denn diese Auflagen werden regelmäßig damit begründet, daß wir angeblich sonst die Öffentlichkeit in Angst und Schrecken versetzen. Wenn ich aber als Otto Normalverbraucher Teil dieser etwas fiktiven Öffentlichkeit wäre, würden mich biertrinkende, pöbelnde und mit Springerstiefeln (!) bekleidete Punks viel mehr in Angst und Schrecken versetzen! Von den Steinewerfern, die gelegentlich ja auch mal eine Rathaus-Sprecherin erwischen, mal ganz zu schweigen!
Obwohl Schkeuditz eher ein sehr kleiner und beschaulicher Ort ist, führte die Wegstrecke (wegen eines Freundschaftsfestes mit Schkeuditzs französischer Partnerstadt Villefranche von der Behörde geändert) durch hinreichend belebtes Gebiet, vor allem durch eine Plattenbausiedlung.
Auf der Zwischenkundgebung sprach zunächst Kamerad Liebich, der damit sowohl als Versammlungsleiter als auch als Redner seine Premiere hatte und seine Sache sehr gut gemacht hat. Nach ihm kamen zwei der bereits in Leipzig aufgetretenen Redner zu Wort, Axel Reitz und Gerd Ittner. Die abschließende Ansprache am Bahnhof hiel meine Wenigkeit, und dann konnten wir die Versammlung auflagengemäß pünktlich beenden.
Sven Liebich kündigte an, sich bei der für Schkeuditz zuständigen Behörde für das vergebliche Verbot mit etlichen weiteren Demonstrationen revanchieren zu wollen; diese finden alle freitagabends statt. Einzelheiten sind über örtliche Kontakte zu erfahren.
So endete also ein erfolgreicher Demonstrationstag, und das noch neue politische Instrument der Doppeldemonstration (oder: Demo im Doppelpack) hat sich nach Schwäbisch Hall - Heilbronn neuerlich bewährt. Ja, es hat sich sogar noch besser bewährt als im Juli, weil anders als damals in Baden-Württemberg die Verkehrsverbindungen gut waren und damit ein lückenloses Nachrücken der Teilnehmer der ersten Demonstration zur zweiten Demonstration erlaubt haben.
Hamburg, 4. Oktober 2003
Mit besten Grüßen
Christian Worch
chworch@t-online.de
Demonstrationen in Hamburg, Leipzig u. Salzwedel In Hamburg fand am 19. 7. 2003 eine Demonstration mit rund 200 Teilnehmern zum Gedenken an die Opfer des englischen Bombenangriffes vom Juli 1943 statt. Die Demonstranten sammelten sich am S-Bahnhof Berliner Tor und zogen anschließend durch den von den damaligen Angriffen am stärksten in Mitleidenschaft gezogene Stadtteil. Linke Gegenkundgebungen waren nur weit entfernt zugelassen worden. Die Polizei drängte Gegendemonstranten ab, die sich in der Nähe der NPD-Anhänger versammelt hatten.
Auf einem NPD-Plakat stand "1943 Hamburg - 2003 Bagdad. Und wen trifft es morgen?" Die Polizei hatte die Demonstration verboten, das Verbot wurde aber gerichtlich aufgehoben. "Unternehmen Gomorrha" - der kalt geplante, organisierte Massenmord, ein Feuerorkan durch britische Brandbomben, brach im Sommer 1943 über Hamburg herein. Ca. 50.000 Deutsche wurden ermordet, vor allem Alte, Frauen und Kinder - verbrannt, verschmort, erstickt, verschüttet. Es war die Hölle auf Erden. Und danach - Dresden, Hiroshima u.a. Heute Belgrad, Afghanistan, Bagdad. "Wir gedenken der Hamburger Opfer. Wir fordern die völkerrechtliche Ächtung aller zukünftigen Bombenangriffe" forderten die Demonstranten.
Typisch für die Bestrebungen zur Einheit des nationalen Lagers war, daß am gleichen Tag der Hamburger Christian Worch zur xten Demonstration in Leipzig (Sachsen) aufgerufen hatte.
Dort demonstrierten am 19. 7. die nationalen Aktivisten unter dem Motto "Gegen Repression und linke Gewalt, für Demonstrationsfreiheit, Wir sind das Volk". Die SP-Stadtverwaltung hatte vergeblich versucht, den Rechten die Verwendung der mit der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR verbundenen Parole "Wir sind das Volk" für ihren Aufmarsch untersagen zu lassen.Eine Demonstration des "Selbstschutzes Sachsen-Anhalt" gab es am 19. 7. 2003 in Salzwedel. Der Demonstrationszug von ca. 150 Personen marschierte am Vormittag des 19. 6. durch Salzwedel. Auf der Neuperverstraße versuchten rund 100 linke Störer die Strecke zu blockieren und die Demonstranten mit Flaschen, Steinen und Eiern zu bewerfen. Die Polizei entschied sich deshalb, den rechten Demonstrationszug über die Alte Jeetze umzuleiten. Vier Linksradikale wurden vorläufig in Polizeigewahrsam genommen. Salzwedel (Sachsen-Anhalt)
Mit einer Kundgebung vor dem Kulturhaus endete der Aufzug. Gegen zwei Redner, darunter der Nürnberger Aktivist Gerd Ittner, stellte die Polizei Strafanzeige wegen übler Nachrede. Beide hatten den Bundeskanzler als Kriegsverbrecher
bezeichnet. Die Betroffenen kündigten daraufhin an, "jede Woche" durch Salzwedel marschieren zu wollen.___________________ Leipzig (Sachsen)
Hamburg, den 20. Juli 2003
LEIPZIG IX - 19. Juli 2003
Leipzig war lustig.
Er nimmt immer wieder gern an Demonstrationen in Leipzig teil, sagte mir ein Kamerad aus dem Westen, der wenn nicht bei allen, dann wohl bei den aller- meisten Demos in der Messestadt dabei war.
Vielleicht liegt es daran, daß die Honoratioren der Stadt sich für uns immer wieder was Neues einfallen lassen. Manches davon lästig, manches lustig. Lästig war diesmal, daß die beliebte Feldküche nicht eingesetzt werden durfte. (Und der vergebliche Versuch, das juristisch zu erzwingen, hat auch mal eben wieder die Kleinigkeit von etwa 300 EURO gekostet, nebenbei gesagt.) Lustig war dafür der Rest.
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Demonstration in Leipzig am 19. 7. 2003Der Platz östlich des Bahnhofs war diesmal mit neuen Transparenten geschmückt. Das war wohl auch nötig. Denn eines der altbekannten, das verschiedene Stätten "rassistischen Terrors" auflistete, war schon ein wenig sehr peinlich geworden. Antifaschistische Legastheniker hatten aus der Stadt Solingen "Sollingen" gemacht. Den selben dummen Fehler immer wieder zu sehen, ist auf die Dauer störend. Das haben sich wohl auch unbekannte Leiziger Bürger gedacht, die das Ding irgendwann haben verschwinden lassen, als es über Nacht hing. Vielleicht waren es Schullehrer, denen die mangelnde Heimatkunde der Schüler-Antifa auf den Geist gegangen war....
Stattdessen hatte das offizielle Leipzig ebenso wie ein merkwürdiger Verein namens "jugend ist bunt" uns mit schönen, großen, teuren und vor allem neuen Transparenten beglückt. Das wohl von den Honoratioren gesponsorte trug die Aufschrift "Leipzig zeigt Courage". Nun, es ist wohl leicht, Courage zu zeigen, wenn man zum Establishment gehört... (Motto: Jeder darf seine Meinung frei und ungehindert sagen, solange sie der Meinung der Herrschenden entspricht.) Das andere kam uns mit der üblichen Dummheit, Faschismus sei keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Da diesmal keine Delegation italienischer Kameraden anwesend war, fühlte sich davon eigentlich niemand wirklich betroffen. Mehr Anklang fand ein Transparent mit der Aufschrift: "Widerstand damals und heute - notwendiger denn je." Damit können wir uns völlig identifizieren. Nur die Köpfe darauf entsprachen eher nicht dem Schönheitsideal der Demonstrationsteilnehmer.
Mit Beifall aufgenommen wurden auch die viertelstündigen Lautsprecherdurchsagen von der Wandelhalle des nahegelegenen Hauptbahnhofs, auf unserem Platz sehr gut zu hören. Dort wurden die Namen von Widerstandskämpfern genannt, das Datum ihre jeweiligen Todes und die Hinrichtungsart.
Der Beifall, der sich vom langsam voller werdenden Platz nach jeder dieser Durchsagen erhob, irritierte den Oberkommandierenden der Polizei. Er monierte dies mir gegenüber als unangebracht. Allerdings mußte ich ihm er- widern: "Ich glaube nicht, daß die Teilnehmer damit der Hinrichtung dieser Personen Beifall spenden. Ich glaube eher, daß sie damit ihre Zustimmung ausdrücken wollen, daß dieser Personen überhaupt gedacht wird. Denn wer, der nicht zufälligerweise in einer Wilhelm-Leuschner-Straße wohnt, weiß überhaupt, wer Wilhelm Leuschner war?!"
Dazu fiel dem Polizeioberrat nicht mehr viel ein. Vielleicht, weil ihm schon klar ist, daß auch die Bewohner der vielen Wilhelm-Leuschner-Straßen in Deutschland meistenteils nicht so genau wissen, wer der Namensgeber ihrer Wohnstraße denn nun war....
In anderer Hinsicht war die Polizei dafür um so einfallsreicher.
Die ersten eintreffenden Teilnehmer wurden an einer Zugangskontrolle nicht nur auf "verbotene Gegenstände" untersucht, sondern auch bei Abforderung ihres Personalausweises notiert. Als mir davon Meldung gemacht wurde, intervenierte ich beim Einsatzleiter der Polizei. Dieser war unangenehm berührt und mußte seine Kollegen von der Zugangskontrolle erst einmal darauf hinweisen, daß eine solche Maßnahme nach dem Versammlungsgesetz nicht zulässig sei und sofort zu beenden sei. Immerhin hatte der Polizeiober- rat Kühn den Anstand, sich für das Fehlverhalten seiner etwas übereifrigen Kollegen zu entschuldigen. Offenbar war diesen - irrtümlich und fehlerhaft - übermittelt worden, die Auflagen sähen vor, daß jeder Teilnehmer sich aus- zuweisen hätte. Obwohl die Entschuldigung anerkennenswert ist, muß man sich natürlich die Frage stellen, warum Polizeibeamte eine solche Anweisung nicht von sich aus kritisch hinterfragen. Seltsames Demokratieverständnis bei einigen Staatsdienern!
Als Seltsamkeit mag auch durchgehen, daß die Teilnehmer sowohl beim Betreten des Platzes als auch bei wieder-Verlassen zur Demonstration je einmal durch- sucht wurden. Traut die Polizei ihren eigenen Durchsuchungen so wenig, daß sie sie doppelt durchführen muß?!
Immerhin erbrachte die Durchsuchungsmaßnahme, daß drei oder vier Teilnehmer Halbschuhe mit Stahleinlage trugen. Diese wurden verpflichtet, entweder nicht an der Demonstration teilzunehmen oder für die Dauer der Veranstaltung ihre Schuhe auszuziehen. Selbstverständlich entschieden sie sich für Letzteres.
Nachdem dieser ganze bürokratische Zirkus - der meiner Meinung nach mit Versammlungsfreiheit echt nicht mehr viel zu tun hat! - gewissermaßen routiniert abgewickelt worden war, setzte sich der Umzug in Bewegung. Meine Zählung ergab 179 Teilnehmer, der Demonstrationssanitäter zählte 180, und ein weiterer Kamerad aus Halle zählte 185; der hatte aber auch die zwei sehr kleinen Kinder mitgezählt, während der Sanitäter und ich uns auf Erwachsene beschränkt hatten. Für mich ist daher 180 die offizielle Teilnehmerzahl. (Laut Video-Text des mitteldeutschen Rundfunks will die Polizei allerdings nur "bis zu 140" bemerkt haben. Ob das die antifaschis- tische These bestätigt, die Polizei sei auf dem rechten Auge blind oder mindestens halb blind?!)
Die Zahl uns begleitender potentieller Störer war allerdings deutlich geringer.
Unsere Wegstrecke war erheblich kürzer, als dies von den letzten Leipzig- Demonstrationen her gewöhnt war. Es mögen rund 4 Kilometer oder allenfalls knappe 5 gewesen sein. Bei etwa 30 Grad im Schatten (und auf den Straßen meist ohne Schatten!) werden einige aber nicht unglücklich darüber gewesen sein, daß es nicht die üblichen acht bis zehn oder sogar die gut elf Kilometer bis knapp vor das Denkmal waren, die wir bei letzter Gelegenheit am 3. Oktober 2003 gehabt hatten.
Auf der Zwischenkundgebung traten Kamerad Michael Burkert aus Thüringen, die Kameradin Yvonne aus Thüringen, Kamerad Axel Reitz aus Köln sowie ich als Redner auf.
Hier ereignete sich auch der einzige gewissermaßen als "militant" ein- zustufende Zwischenfall. Es flogen fünf oder sechs Eier in unsere Richtung, von denen einige mit blauer Farbe und zwei mit Pfeffer gefüllt waren. (Pfeffergefüllte Eier sind mal etwas ganz Neues; so was habe ich in meiner mehr als 25-jährigen Karriere als Demonstrant auch noch nicht erlebt.) Mindestens eine dem linken Spektrum zuzurechnende Person wurde anschließend von der Polizei abgeführt.
Für weitere Belustigung sorgte die Ordnungsbehörde, die die Auflage erließ, zwei T-Hemden mit dem Aufdruck "Friedmann - hörst du uns?" dürften nicht länger erkennbar gezeigt bzw. getragen werden. (Der Name Friedmann ist dabei in schwarz geschrieben, wobei jeder Buchstabe von einem weißen Haufen gekrönt wird, ähnlich wie die Schneekoppe eines Berges; eine Anspielung auf den Kokain-Konsum des Herren.) Diese störten die "öffentliche Ordnung". Das wird die Ordnungsbehörde noch vor Gericht begründen müssen!
Versprechen einzelner Antifaschisten, daß sie auf dem Rückweg für uns noch eine Überraschung bereit hätten, erfüllten sich nicht; kein Verlaß mehr auf die Jungs und Mädels von der anderen Feldpostnummer! Nicht einmal im Triller- pfeifen-Blasen konnten sie es an Ausdauer mit einer zahnlosen Dame im Großmutter-Alter aufnehmen.
Ohne weitere Zwischenfälle kehrten wir zum Bahnhof zurück. Dort rief Axel Reitz noch zu einer Veranstaltung gegen ein "Anti-Grenz-Camp" von Antifaschisten auf, das im August die Stadt Köln heimsuchen will und gegen das am 30. August Kameraden aus Nordrhein-Westfalen eine Demonstration machen wollen. Eine gute Idee. Es ist nicht einzusehen, warum immer nur die Linken gegen uns demonstrieren; zum gerechten Ausgleich ist es sehr erwünscht, wenn auch mal von unserer Seite aus gegen die Linken demonstriert wird!
Der Tag in Leipzig endete damit sehr zufriedenstellend.
Da die Demonstration wegen eines anderweitigen aktuellen Termins um eine Woche hatte verschoben werden müssen und unter dem Eindruck des zu guten Wetters war auch die Beteiligung von beinahe zweihundert Menschen zufrieden- stellend.
Da bei der nächsten Leipzig-Demonstration am 3. Oktober nicht mit glühheißem Wetter zu rechnen sein wird und weil der 3. Oktober als Feiertag günstig auf einen Freitag fällt, also auf den Beginn eines langen Wochenendes, dürfen wir für nächstes Mal sogar mit einer Steigerung statt mit einer Reduzierung der Teilnehmerzahl rechnen.
Mit welchen lustigen Überraschungen wir seitens des "offiziellen" Leipzigs rechnen dürfen, steht zur Zeit noch nicht fest. Fest steht nur, daß zumindest ich mich auf den Einfallsreichtum der "Stadtväter" und ihrer Bündnispartner aus den "gesellschaftlich relevanten Institutionen" freue.
Christian Worch
chworch@t-online.de