Demonstration in Siegen (Nordrhein-Westfalen)
16. Dezember 2008Die Siegener Kameraden wollten mitten in der Woche demonstrieren, weil es nun genau der Jahrestag der Bombardierung ihrer Stadt war. Ich hatte Bedenken, ob unter der Woche in einer noch nicht einmal sonderlich großen Stadt in Westdeutschland genügend Teilnehmer zusammenkommen würden. Aber Kameraden aus der Region zerstreuten meine Bedenken; und sie hatten recht.
In der Nacht vor der Demonstration wurden mutmaßlich Antifaschisten aktiv und „fackelten“ das Auto des stellvertretenden NPD-Kreisvorsitzenden Schulze ab. Ironischerweise äußerte die Polizei, daß sie vor genauerer Untersuchung nicht ausschließlich von einem Brandanschlag ausginge, sondern auch die Möglichkeit „spontaner Selbstentzündung“ nicht ausschließen wolle. Wie so etwas bei einem Auto, das seit mehreren Stunden mit ausgestelltem Motor abgestellt ist, passieren soll, muß mir ein Techniker eines Tages genauer erklären. Für mich als Laien ist es nicht nachvollziehbar.
Außerdem hörte ich Gerüchte, es seien am Abend vor der Demonstration mehrere Linksextremisten von der Polizei festgenommen worden, die geübt hätten, Molotow-Cocktails zu werfen. Mag sein, daß das eine „Latrinenparole“ ist; eine offizielle Bestätigung ist mir nicht bekannt. Aber ausschließen kann man heutzutage gar nichts. Das Beispiel staatserschütternd randalierender Horden in Griechenland mag Schule machen.
Als wir vor Ort ankamen, wirkte es eher ruhig. Die Teilnehmerzahl lag letztlich bei 100 Personen, wobei sich Polizeiangaben, Berichte in regionalen Medien und meine eigene Wahrnehmung sehr genau decken. Eine Gruppe von Bahnreisenden kam verspätet, weil es zunächst ein Problem mit der Oberleitung gab (unklar ist, ob ein zufälliges technisches Problem oder ein Sabotageakt) und danach die Polizei die Kameraden auf recht weiten Umwegen in den Versammlungsbereich hineingeleitet, weil politische Gegner eine sehr zentrale Kreuzung besetzt hatten.
Der erste Redner war ein Kamerad, dem besondere Hochachtung gebührt: Stefan Maurer hatte sich wegen einer schweren Gesichtsverletzung noch am Montag einer Operation unterziehen müssen und hatte am Dienstag auf eigene Verantwortung das Krankenhaus verlassen, um an der Demonstration, die er selbst auch angemeldet hatte, teilnehmen zu können.
Zweite Redner der Auftaktkundgebung war Stefan Flug, NPD-Kreisvorsitzender von Siegen-Wittgenstein.
Die Wegstrecke hin und zurück war eher bescheiden, nämlich gerade einmal zweihundert Meter jeweils. Bei den naßkalten Temperaturen hätte sich so mancher Teilnehmer wohl einen etwas längeren Marsch gewünscht, um sich dabei ein wenig aufzuwärmen. Aber die Kameraden vor Ort hatten die von der Behörde drastisch gekürzte Wegstrecke ohne formale Klage akzeptiert, weil gerade in Nordrhein-Westfalen das Anfechten solcher Auflagen eine sehr unattraktive Aufgabe ist und das Bundesverfassungsgericht darin leider nicht den für eine Einstweilige Anordnung notwendigen „Schweren Nachteil“ sieht.
Die Zwischenkundgebung bestritt als erster Redner meine Wenigkeit, gefolgt von dem Kameraden Grob aus Dortmund und dem Kameraden Axel Reitz aus Köln.
Kamerad Grob äußerte in seiner Rede Kritik daran, daß Kamerad Flug bei der Auftaktkundgebung nicht nur den alliierten Bombenterror mit dem fortwährenden psychologischen Krieg gegen das ganze deutsche Volk verbunden, sondern als Gegenwaffe gegen diese Psycho-Kriegsführung die Wahl der NPD empfohlen hätte. Er empfand es als unangemessen, daß eine Gedenkveranstaltung für Bombenopfer mit Wahlwerbung für eine Partei verbunden wurde.
Prinzipiell teile ich diese Ansicht, aber andererseits ist es vielleicht auch nicht die beste Idee, Kritik daran in öffentlicher Rede auszudrücken. Dies gilt um so mehr, als in Siegen und Umgebung parteifreie Kräfte und NPD eng miteinander verzahnt sind und gut zusammenarbeiten. Vielleicht sollte man das künftig vorher miteinander besser absprechen, dann können solche Dinge sicherlich kameradschaftlich-einvernehmlich geklärt werden und brauchen nicht auf offene Straße und in öffentlicher Rede aufbereitet zu werden.
Die kleine interne Meinungsverschiedenheit hielt unsere besonderen „Freunde“ von der Antifa natürlich nicht davon ab, gegen uns alle gemeinsam zu demonstrieren. Besondere Lautstärke konnten sie dabei nicht entwickeln; die vom NPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen ausgeliehene Lautsprecheranlage erwies sich als eindeutig stärker. Auch daß wir, wie die Zeitung berichtet, mit Knallkörpern beworfen worden wären, habe ich persönlich nicht feststellen können. Lediglich ein „Bengalisches Feuer“ wurde in den Reihen der Gegendemonstranten entzündet und sorgte für einen hübschen optischen Effekt, war ansonsten aber nicht weiter störend.
Ein wenig belustigend war eine Aktion der Polizei: Nach dem Ende unserer Zwischenkundgebung, die gut eine Stunde dauerte und von einer Ansammlung (oder Versammlung) von Linken begleitet wurde, richtete sie eine Lautsprecherdurchsage an die Linken, diese mögen doch jetzt bitte endlich mal einen Leiter für ihre Versammlung benennen.... Unklar ist mir, ob die Polizei vorher eine Stunde vergeblich versucht hat, einen Leiter der linken Versammlung ausfindig zu machen, oder ob ihr erst nach einer Stunde der Gedanke kam, daß nach dem Gesetz eine Versammlung ja auch einen Leiter haben müsse....
Der gleichfalls kurze Rückmarsch verlief ohne Zwischenfälle. Zur Abschlußkundgebung ergriff noch einmal der Kamerad Sascha Maurer das Wort und trug unter anderem eine geradezu tragikomische Randepisode zum Angriff auf Siegen vor. Dieser Angriff hatte ursprünglich schon am 15. und nicht erst am 16. Dezember stattfinden sollten. Wegen schlechten Wetters aber mußten die alliierten Bomber wieder abdrehen, und um landen zu können, entledigten sie sich ihrer ungenutzten Bombenlast über dem Ärmelkanal. Offenbar trafen sie dabei im dichtesten Nebel auch das unter ihnen in Gegenrichtung fliegende Flugzeug des weltberühmten Jazzmusikers Glen Miller. He died in friendly fire! Zwar macht das die unschuldigen Opfer des tags drauf dann tatsächlich stattgefundenen Angriffs nicht wieder lebendig, aber man kann es als eine zumindest kleine Genugtuung ansehen. Denn Miller war auf dem Flug nach Paris, um mit seiner musikalischen Kunst Truppenbetreuung zu machen und die feindlichen Soldaten damit zu weiterem Kampf moralisch aufzurüsten.
Beim Abzug der Bahnfahrer kam es noch zu einem kleineren Zwischenfall mit Linksextremisten und der Polizei, infolgedessen zwei Kameraden zeitweilig festgenommen wurden. Ansonsten war es eine sehr ruhige Veranstaltung.
Christian Worch
christian@worch.info
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