| An Per Lennart Aae und Jürgen Schwab
Diskussion über Grundgesetz und politische Strategie
Liebe Kameraden! (Ich erlaube mir diese Anrede, da ich mich schon seit vielen Jahren für die Lebensinteressen unseres Volkes aktiv einsetze. Bei der DVU, bei der DLVH, 4 Jahre im Landesparlament S.-H. und zuletzt im Bundesvorstand der NPD sowie als Landesvorsitzender der NPD in S.-H.) Die Beiträge, die zwischen Euch vom 13. Mai bis heute abwechselnd hin und her flossen, habe ich gelesen. Hin und wieder dachte ich daran, mich an der Diskussion zu beteiligen, aber es kam immer etwas dazwischen. Heute jedoch möchte ich doch einige Bemerkungen und einen Rat einfließen lassen. Ausgangspunkt in der Diskussion ist das GG.
Uns allen ist klar, dass das GG von 1948 das Produkt eines verlorenen Krieges ist, als Beendigung des NS-Systems gedacht war und in gewisser Hinsicht eine Fortsetzung der Vorgängerdemokratie von Weimar darstellt. Aber, ob es uns passt oder nicht, das GG ist faktisch präsent und wird von den meisten Deutschen heute als gegeben und mehr oder weniger gut akzeptiert. Ob es die Kriterien einer wirklichen Verfassung erfüllt, ist für die meisten sekundär. Glücklicherweise gibt es trotzdem zunehmend einzelne Persönlichkeiten, die sich auch kritisch damit auseinandersetzen. Ich denke z.B. an Prof. Hans Herbert von Arnim, dessen verschiedene Werke ich gelesen habe. Die darin geschilderten Missstände der parlamentarischen Demokratie in der BRD, aber natürlich auch ihre funktionierenden Seiten kenne ich selbst aus eigenem Erleben durch mein Wirken im Landesparlament in Kiel, meine Mitgliedschaft im Finanz-, Innen- und im Wirtschaftsausschuss sowie im Ältestenrat. Diese Erfahrungen, die ich in meinem Buch „Mein Krampf“ (360 Seiten) geschildert habe, haben selbstverständlich meine persönliche Einstellung zum GG und zur BRD mitgeprägt. Ähnlich geht es sicher Millionen von anderen Bundesbürgern, die durch ihre Ämter oder Ehrenämter im politischen, sozialen oder betrieblichen Bereich u.s.w. im Staate praktisch mitwirken. Das sollte man bei einer abstrakten Diskussion über GG und BRD nicht vergessen. Weitere Erfahrungen, die mich ebenfalls politisch geprägt haben: Ich mußte mich als Deutscher, der im englischsprachigen Ausland aufwuchs, seit frühster Kindheit mit politischen und völkischen Fragen auseinandersetzen. Ich war im Gegensatz zu Horst Mahler, der über 40 Jahre brauchte, um sein Volkstum zu entdecken und sein Eintreten dafür aus unerklärlichen Gründen philosophisch verklärte, immer nationalgesinnt und verstand mich durchaus als bürgerlich national mit starker, sozialer Ausrichtung. Das war den Kameraden der NPD in S.-H. nicht verborgen geblieben. Nachdem die DLVH, deren (Vereins-)Mitglied ich immer noch bin, ihren Parteienstatus vor einigen Jahren abgab (in S.-H. war sie stärker als die NPD!) traten sie an uns von der DLVH heran und suchten die Zusammenarbeit, die ich als national-denkender Deutscher sofort und ohne Umschweife sogar gegen den Rat von H. Neubauer und J. Schützinger annahm. Nach Eintritt in die NPD und Wahl zum Landesvorsitzenden in S.-H. gelang es mir, den Landesverband bei der LTW nach 12 Jahren Abstinenz von Wahlen auf über 1 % zu bringen und damit in den Genuß der Wahlkampfkostenerstattung zu kommen. - Dafür sind „Reaktionäre“ immer noch gut, vor allem, wenn „Revolutionäre“ die Früchte daraus ernten! - Nach diesem Erfolg schlug mich der Bundesvorsitzende Udo Voigt für den Parteivorstand der NPD vor, dessen Mitglied ich auch wurde. Nachdem ich mich zunächst bei der NPD wohl fühlte und meinte, vereint mit allen anderen Kameraden in der Partei gegen unsere eigentlichen politischen Gegner einen sinnvollen Kampf führen zu können, tauchten plötzlich sogenannte „fortschrittliche und revolutionäre“ Kräfte auf (RPF etc.), die Vorstandsbeschlüsse ständig ignorierten, den Bundesvorstand und deren Vorsitzenden als Feiglinge beleidigten, gemäßigte und bürgerliche Kameraden wie mich als „Reaktionär“ diffamierten, aber gleichzeitig selbst vollkommen rückwärtsgewandte, irreale Ideen (NS-System in S.-H. und in Sachsen-Anhalt) vertraten und somit die Partei ausgerechnet in dem Moment spalteten und gefährdeten, da drei Verbotsanträge gegen die Partei anhängig waren! Es handelte sich um die derzeitige Führungsriege der NPD in S.-H., die sich offenbar als Ordnungsmodell für Deutschland eine „NS-Parteidiktatur“ vorstellen. Man muß Realist sein und zur Kenntnis nehmen, daß dieser Kreis teilweise aus Personen besteht, die eine kriminelle Vergangenheit haben, ja z.B. heute noch wegen Raubs angeklagt sind, und es nicht einmal schafften, das Landespostfach, das über 30 Jahre bestand, regelmäßig zu entleeren, so dass es wegen Überlaufens gekündigt wurde. Aus meiner Sicht handelt es sich um politische Vogelscheuchen oder sonderbare Sektierer, die zur Verwunderung der Deutschen und zum größten Nutzen unserer Gegner gewirkt haben und leider noch wirken. – Nach diesen Erfahrungen möge man mir verzeihen, daß ich allergisch reagiere, wenn jemand meint, seine politische Potenz mit dem Wort „revolutionär“ steigern zu können. Aber zurück zum Thema. Das Kürzel NPD steht für Nationaldemokratische Partei Deutschlands! Insofern wurde die Entscheidung für ein demokratisches System schon bei der Parteigründung und Namensgebung vorweggenommen und, solange die Partei unter diesem Namen existiert, dürfte es so bleiben! Im mir vorliegenden Parteiprogramm der NPD vom Sept. 1997 heißt es auf Seite 1 im 2. Absatz: „Im Gegensatz dazu strebt die Nationaldemokratische Partei Deutschlands
den Austausch der Mächtigen an, um dem deutschen Volk im Rahmen der
europäischen Völkerfamilie eine Zukunft zu geben.
In der mir vorliegenden Satzung der NPD vom Juni 1995 ist zu lesen: „§1 Die NPD ist der politische Zusammenschluss nationaler Deutscher
aller Stände, Konfessionen, Lands-mannschaften und Weltanschauungen.
Vor den o.g. Fakten und in der Annahme, dass sich das Programm und die Satzung der NPD in den 2 Jahren meiner Abstinenz nicht diametral ins genaue Gegenteil umgekehrt haben, stelle ich fest, dass der Kamerad Aae keine „reaktionären oder überholten“ Standpunkte vertritt, sondern sich vollkommen im Einklang mit dem Selbstverständnis der NPD befindet. So wie es der Name, das Programm und die Satzung der Partei verlangen. So wie es mir auf NPD-Veranstaltungen in den letzten 20 Jahren immer wieder erläutert wurde. Diejenigen, die das in Frage stellen bzw. abändern wollen, gefährden das Grundverständnis der Partei, sie wollen eine andere Partei und sollten, sofern es ihnen mit ihren eigenen Beteuerungen wirklich ernst ist, eine entsprechende, eigene gründen! Das steht ihnen frei! Die Übernahme der einst heimattreuen Umweltpartei „Die Grünen“ durch anarcho-kommunistische Aktivisten sollte dem PV als Warnung dienen. Wer das revolutionäre Geschwätz dieser Leute verstehen will, kann sich mit dem Buch „Wir sind die Wahnsinnigen“ des einstigen Fischer-Genossen Christian Schmidt befassen. Viele der Floskeln aus der Frankfurter Schule die darin vorkommen, sind mir auch von den sog. „Revolutionären“ innerhalb der NPD noch gut in Erinnerung geblieben. Lieber Kamerad Schwab, ich war anlässlich Deines Vortrages in Hamburg vor einigen Monaten anwesend und konnte, wie schon zuvor beim Vortrag des Holger Apfel, feststellen, dass die Beschreibung der Missstände innerhalb der BRD richtig vorgetragen wird. Nur, was die Partei selbst und auch das übrige nationale Lager anbelangt, klafft leider eine Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit, v.a. was die klare, erfolgsorientierte Ausrichtung betrifft. Auf diese Lücke mache ich in meinem o.e. Buch aufmerksam, damit sie so bald wie möglich geschlossen werden kann. Leider kann ich aber bei den nationalen Verlagen kein großes Interesse dafür feststellen. Zu groß ist offenbar die Angst, im eigenen nationalen Mikrokosmos sich es mit irgend jemandem zu verderben etc. Nun, solange das nationale Lager nicht bereit ist, die eigenen Schwachstellen ernsthaft zu diskutieren, solange können sie nicht für sich in Anspruch nehmen, besser als die anderen zu sein oder vom Volke ernstgenommen zu werden. Deswegen halte ich die derzeitige Diskussion über GG und politische Strategie für wichtig, denn die Nationalen haben sich lange genug vor einem klaren, schlüssigen Verständnis vom heutigen deutschen Staat und Gemeinwesen gedrückt. Lieber Kamerad Schwab, Du hast mit Deinem Buch „Deutsche Bausteine“
eine gutes Werk geschaffen. Über die Mängel im heutigen GG brauchen
wir nicht zu streiten, aber erkenne die Chance, die darin liegt, den Etablierten
vorzuwerfen, dass ausgerechnet sie es sind, die nicht verfassungskonform
sind, die ständig gegen demokratische Grundsätze, d.h. gegen
die FDGO verstoßen, die ihre Macht missbrauchen und die volkserhaltenden
Elemente des GG zerstört haben. Den Spieß umdrehen! Versuche
Deinen Kampf gegen die in der BRD herrschende Oligarchie, gegen die Politische
Klasse in geordnete Bahnen auf der Grundlage der faktischen politischen
Lage zu lenken. Dann ist die Gefahr, sich im Abstrakten zu verlieren, nicht
mehr so groß, auch wenn bestimmte abstrakte Ideen nach wie vor wichtig
bleiben. Ein solcher Kampf wird vom Volke, welches wir gewinnen wollen/müssen,
verstanden und somit auf Sympathie und Verständnis stoßen. Dann
sind wir - die Nationalen – für die einfachen Menschen akzeptabel
und glaubwürdig, dann haben wir eine echte Chance voranzukommen und
werden endlich zu einer wirklichen Bedrohung für unsere Gegner. Das
ist alle Mal besser als die Abrissbirne schwingen zu lassen, denn sie schafft
nur Schutt und ein solches Getöse spielt unseren Gegnern nur in die
Hände!
Beste Grüße
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| Diskussion über Grundgesetz und politische Strategie
Bisherige Beiträge 1. Jürgen Schwab, 13.05.2003
Die Beiträge sind umgekehrt chronologisch geordnet; der letzte kommt also zuerst. Per Lennart Aae am 3. Juni 2003 Lieber Kamerad Schwab,
Mit kameradschaftlichen Grüßen
Jürgen Schwab am 3. Juni 2003 Lieber Kamerad Aae, Sie können sich offenbar nicht vorstellen, daß die Deutschen
nach Beendigung der amerikanischen Fremdherrschaft und dem damit verbundenen
Sturz von GG und FDGO überhaupt noch einmal eine staatliche Ordnung
zustande bringen würden. Ich kann mir das sehr wohl vorstellen. Am
Anfang wird vermutlich eine verfassungsgebende Nationalversammlung stehen,
die bereits einer der Väter des GG, Carlo Schmid (SPD), in seiner
Rede am 8. September 1948 vor dem Parlamentarischen Rat angemahnt
hatte.
Mit kameradschaftlichen Grüßen
Per Lennart Aae am 1. Juni 2003 Lieber Kamerad Schwab,
Schlußbemerkung:
Mit kameradschaftlichen Grüßen
Jürgen Schwab am 26. Mai 2003 Lieber Kamerad Aae, ich wäre ein Autist, würde ich Ihnen nun noch einmal in aller
epischen Breite zu erklären versuchen, daß Ihre politischen
Themen (schwindende völkische Substanz, Überfremdung, Abgabe
von souveränen Restbeständen von BRD an EU etc.) auch nach meiner
Auffassung einen wichtigen Platz im Bereich des Kampfes um die Straße
und der Parlamente haben muß. Was ich Ihnen jedoch seit drei Jahren
vorwerfe ist, daß Sie Ihrem Publikum zu erklären versuchen,
daß Ihre programmatischen Themen ohne eine Umklammerung mit „meinem“
Thema „Neues Ordnungsdenken“ auskommen würden.
Mit kameradschaftlichen Grüßen Jürgen Schwab |
| Per Lennart Aae am 25. Mai 2003
Unsere Diskussion über Grundgesetz und politische Strategie Lieber Kamerad Schwab,
So wird die nationale Rebellion aussehen, lieber Kamerad Schwab.
Mit kameradschaftlichen Grüßen
Jürgen Schwab am 19. Mai 2003 Lieber Kamerad Aae, Ihren Nürnberger Vortrag hatte ich zu 99 Prozent des Umfangs gehört. Die Restzeit war ich auf dem Klo. Da habe ich sicherlich nicht viel versäumt. Natürlich bin ich von Anfang an davon ausgegangen, daß wir uns mißverstanden haben und sie wieder einmal – nach meiner Einschätzung – zurückrudern. Zu Ihrer Erwiderung folgendes: Zum Selbstverständnis: Ich bin nicht – wie Sie meinen – „Verfassungsrechtler“ – sondern politischer Theoretiker. Die Juristerei nehme ich nur am Rande mit. Der Staat ist auch zu kompliziert, um ihn nur den Juristen zu überlassen. Horst Mahler beispielsweise versteht ja den Staat nicht deshalb, weil er Rechtsanwalt ist und sich als Wirtschaftsjurist mit dem HGB befaßt, sondern weil er Philosoph ist und den Staat aus dem Hegelschen System heraus begreift. Diese Position kann man kritisieren, aber es ist wenigstens eine geistige Position, die ernstzunehmen ist. Für einen deutschen Idealisten ist es doch logisch, daß die Systemüberwindungsdebatte spätestens jetzt einsetzt. Was materiell geändert werden wird, wird zuvor in der geistigen Sphäre vorausgedacht. Aus diesem Blickwinkel ist das Spiegel-Titelthema erklärbar – und eben nicht aus Ihrer Verschwörungstheorie heraus, nämlich daß der „SPIEGEL-Text in auffällig unauffälliger Weise ungenau“ geschrieben sei. Warten wir doch die weitere Spiegel-Serie ab. Daß Sie nun endlich zur Kenntnis genommen haben, daß Hans Herbert von Arnim – nicht nur – in seinem neuen Buch Verfassungsreformen anmahnt, damit überhaupt die Zukunftsaufgaben für unser Volk gelöst werden können, ist ja schon einmal ein großer Fortschritt für Sie. Ihr Verweis darauf, daß von Arnim das BRD-System retten möchte, ist eine unbewiesene Behauptung. Was dürfen wir denn von einem bundesrepublikanischen Lehrstuhlinhaber anderes erwarten als maximal Reformvorschläge. Stellen Sie sich einmal vor, G. W. F. Hegel hätte an der königlich-preußischen Universität in Berlin zum Sturz der Monarchie aufgerufen, was da passiert wäre. Nur bei Hegel bin ich mir ziemlich sicher, daß er vom Erhalt der preußischen Monarchie wirklich überzeugt gewesen war. Bei von Arnim spricht einiges dafür, daß er vom Erhalt der BRD nicht überzeugt ist. Aber in die Köpfe reingucken kann ich natürlich nicht. Das ist alles Spekulation. Ihre Themen, die Sie immer in Ihren Vorträgen ausführen, wie die bösen BRD-Politiker verkaufen an die böse EU die Souveränitätsrechte aus dem guten Grundgesetz, halte ich unter anderen Vorzeichen für berechtigt. Allerdings im Rahmen des Kampfes um die Straße und des Kampfers um die Parlamente. Dort können Leute wie Sie den Bürgern erklären, daß die NPD alles reformieren wird, nur ohne neuen Staat. Das ist ja auch genau das, was ich den etablierten Politikern vorwerfe. Nur die sind ja dazu da, ihre Wähler zu täuschen. Daß die BRD von Anfang an, seit dem Jahre 1949, nicht souverän war, zeigt, daß Sie, lieber Kamerad Aae, vom Staatsbegriff, der ja auf den der Souveränität zurückgeht, keine Ahnung haben. Natürlich haben Sie recht damit, daß die BRD unlängst noch die international ohnehin abhängige D-Mark hatte, aber daß diese an die EU abgegeben werden konnte, muß ja auch etwas mit dem GG zu tun haben. Hier müssen die Institutionen die Ursache sein und nicht nur die bösen BRD-Politiker, die durch nationale Gutmenschen zu ersetzen sind (ich meine das wirklich so). Schauen Sie mal ins GG rein: Der Artikel 23 macht es möglich. Da hilft auch Ihr ständiger Hinweis auf Artikel 20 (4): Widerstandsrecht nicht weiter. So ist halt mal das GG: widersprüchlich in sich selbst. Man darf sich an der einen Stelle gegen etwas wehren, was an anderer Stelle erlaubt, sogar geboten sein soll. Ihr naiver Hinweis darauf, im GG stehe nirgends, daß es sich bei
dieser „Verfassung“ um eine parlamentarische Demokratie handelt, ist wohl
richtig, beweist aber nur, daß Sie von der sogenannten „parlamentarischen
Demokratie“ keinen Begriff haben. Bei dieser handelt es sich nämlich
im engeren Sinne um ein politisches System mit parlamentarischer Regierungsbildung
(Parlamentarismus). Artikel 63 (1) sagt: „Der Bundeskanzler wird auf Vorschlag
des Bundespräsidenten vom Bundestages ohne Aussprache gewählt.“
Mein Fazit: Die Revolution, in deren Folge GG und FDGO ersetzt werden,
wird so oder so kommen. Die Frage ist nur, ob die Revolution von Spiegel-Redakteuren,
bürgerlichen Professoren oder von der NPD gemacht wird – oder von
einer ganz neuen Formation, die wir heute noch nicht kennen. Was die rechte
Reaktion anbelangt, so wird diese – wie analog zur bewußtlosen Mutter
im Film Good Bye Lenin (in bezug auf die verblichene DDR) – in einem neuen
Umfeld aufwachen, in dem es dann die BRD nicht mehr gibt. Vielleicht als
Simulation mit Adenauer-Bildern im Wohnzimmer ...
Mit kameradschaftlichen Grüßen Jürgen Schwab |
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Jürgen Schwab, nationaler Aktivist und Intekllektueller mit Hauptaugenmerk auf Verfassungsrecht, befindet sich offenbar in Hochstimmung. Anläßlich einer sehr kritischen SPIEGEL-Artikelserie über das Grundgesetz hat er eine Art Memo verfaßt, in dem er zum durchaus verständlichen – wenn auch zu kurz gedachten - Triumphgeschrei anhebt, aber auch sein sattsam bekanntes schweres Geschütz aus Mißverständnissen und falschen Unterstellung wieder in Stellung bringt. Es liegt mir fern, ihm meinerseits wegen letzterem irgendwelche bösen Absichten zu unterstellen. Der Mann ist halt ehrgeizig, was keine Schande ist, ganz im Gegenteil. Aber nervig ist es manchmal schon. Nicht desto trotz bin ich ihm für die Gelegenheit, diese Erwiderung zu schreiben, zu Dank verpflichtet. Seine Stellungnahme ist an Udo Voigt und Holger Apfel adressiert – und an mich, „zur Kenntnisnahme“. Doch bin ich unbescheiden genug, davon auszugehen, daß ich der eigentliche Adressat bin, zumindest so weit es um die inhaltliche Auseinandersetzung geht. Denn Schwab bemüht sich im wesentlichen, mir den SPIEGEL vorzuhalten, und sein Ehrgeiz gilt offenbar in erster Linie der Widerlegung meiner – angeblichen! – Auffassungen. Letztere kenne ich allerdings in der Darstellung von Jürgen Schwab kaum wieder. So legt er mir z.B. die Behauptung in den Mund, Hans Herbert von Arnim habe in seinem Buch „Das System“ geschrieben, „daß Verfassungsänderungen (in bezug auf das GG) nicht erforderlich seien“. Es versteht sich von selbst, daß ich angesichts der aus Büchern und Fernsehdiskussionen bekannten Positionen von Arnims so etwas nicht gesagt habe. Schwab muß beim betreffenden Vortrag in Nürnberg entweder nicht richtig zugehört haben oder, da er nur während eines Teils meiner Ausführungen anwesend war, sich den Inhalt von einem anderen Begriffsstutzigen berichten lassen haben. Das Mißverständnis hätte jedenfalls leicht beseitigt werden können, wenn Schwab oder sein Informant in der Versammlung in Nürnberg auf meine Anregung zu einer anschließenden Aussprache eingegangen wäre. Das wäre ja auch naheliegend gewesen, da die von Schwab unterstellte unwahre Behauptung ein gefundenes Fressen für jeden gewesen wäre, der mich gern in der Luft zerreißen möchte. Daß Hans Herbert von Arnim in seinen Büchern tiefgreifende Reformen des Grundgesetzes und der Verfassungswirklichkeit fordert, ist ja, wie gesagt, allgemein bekannt. Ich hätte überhaupt keinen Grund, dies zu leugnen, ganz im Gegenteil, in Diskussionen habe ich mich oft darauf berufen. Aber von Arnim will diesen Staat nicht beseitigen, sondern eben reformieren - und dadurch stärken, nicht schwächen. Er stellt nachdrücklich fest, daß verfassungsrechtliche und institutionelle Veränderungen notwendig sind, „wenn wir in Freiheit überleben wollen“. Das heißt – nach meinem Verständnis – als selbstbestimmte Nation in einem demokratisch verfaßten Staat überleben. Dazu ist eine „Wiederbelebung der Demokratie!“ erforderlich. Das heißt – wieder nach meinem Verständnis – insbesondere eine längst überfällige Beteiligung des Volkes an Entscheidungen, die seine Lebensgrundlagen und seine Zukunft betreffen. Hans Herbert von Arnim weist darauf hin, daß diese Beteiligung in der BRD meistens nicht gegeben ist, wie z.B. beim Beitritt zum Maastrichter Vertrag in ebenso beschämender wie exemplarischer Weise deutlich wurde. Um so mehr bejaht von Arnim die tragenden Prinzipien des Grundgesetzes, die unter dem Namen Freiheitliche Demokratische Grundordnung in den Artikeln 1 und 20 und den davon unmittelbar abgeleiteten Artikeln niedergelegt sind. Er beklagt aber, daß die ebenfalls durch das Grundgesetz festgelegte, konkrete staatsrechtliche Architektur der BRD so viele Ungereimtheiten, Selbstblockaden und Mißbrauchsmöglichkeiten aufweist, daß im real existierenden politischen System die Grundordnung praktisch ausgeschaltet ist. Das betrifft die nicht funktionierende Gewaltenteilung, besonders nachdem durch die EU-Rechtsetzung (Art. 23 GG) die Trennung zwischen Exekutive und Legislative vollends ausgehebelt ist, die Rolle der Parteien, die im GG auf eine „Mitwirkung“ beschränkt ist, in der Praxis aber auf eine Alleinherrschaft der Parteinomenklatura hinausläuft, das freie Mandat, das systemimmanent zum imperativen Mandat verkommen ist, den Föderalismus, der inhaltlich ausgehöhlt ist und in der praktischen Politik nur noch als Bremsklotz fungiert, den Mangel an direkter Demokratie, der Mauscheleien und Blockadepolitik Tür und Tor öffnet u.s.w., u.s.f. In seinen Büchern stellt von Arnim freimütig fest, daß diese Mängel mit der demokratisch nicht legitimierten Entstehungsgeschichte des Grundgesetzes unter den Randbedingungen der Besatzung zu tun haben und nicht nur auf handwerkliche Fehler zurückzuführen sind, sondern zum nicht unerheblichen Teil auch gewollt waren. Selbstverständlich ist dies ein Makel, der dem Grundgesetz und damit der ganzen Staatsgründung BRD nun einmal anhaftet. Aber von Arnim und alle anderen einsichtigen Menschen in diesem Land wissen, daß es bei den schwerwiegenden politischen Entscheidungen, die heute und in nächster Zukunft anstehen, nicht darum gehen kann, diesen Makel etwa für eine fundamentale Ablehnung der Bundesrepublik Deutschland, also der nach menschlichem Ermessen auf absehbare Zeit einzigen realistischen Plattform für eine staatliche Selbstbestimmung der Deutschen, zu instrumentalisieren. Es muß vielmehr darum gehen, den Frontalangriff der kapitalistischen Internationale gegen die nationalstaatliche Selbstbestimmung an sich zurückzuschlagen. Die staatlichen Kompetenzen in Deutschland – und damit im Prinzip der Staat selbst – sind schon so weit abgebaut, daß nicht einmal mehr die einfachsten ordnungspolitischen Gestaltungsmaßnahmen, seien es wirtschaftliche Fördermaßnahmen, Raumordnungsmaßnahmen oder was auch immer, durchgeführt werden können, ohne die Genehmigung aus „Brüssel“ einzuholen. Der sogenannte „Europäische Konvent“ maßt sich sogar an, in seiner europäischen „Verfassung“ die ureigensten Angelegenheiten eines freien Volkes durch überstaatliches „Recht“ zu regeln, wie etwa die Sozialpolitik, die sozialen und kulturellen Infrastrukturmaßnahmen auf kommunaler Ebene oder die Entwicklung der eigenen Bevölkerung („EU-Einwanderungsrecht“). Das alles ändert aber nichts daran, daß eine sachliche
Diskussion über die Mängel des Grundgesetzes legitim, ja
sogar unabdingbar ist. Und zwar nicht etwa aus ideologischen Gründen
oder zur Ventilierung von irgendwelchen Ressentiments, sondern mit dem
praktischen Ziel, das politische System der BRD zur Wahrnehmung der ureigensten
Aufgabe jeder Staatlichkeit zu befähigen: der Aufgabe als Schutz und
Schild der Freiheitsrechte und der völkisch-kulturellen gesellschaftlichen
Grundlagen gegen Angriffe von innen und außen, heute in erster Linie
gegen den Generalangriff von Raubkapital und asozialem Kosmopolitismus.
Das muß auch wieder die Kernaufgabe des Staates der Deutschen werden,
unabhängig davon, ob wir diesen Reich oder Bundesrepublik nennen.
„ - - - Europa trifft seine Entscheidungen und Vorgaben nach einem Verhandlungssystem – auch hier zählen Mehrheiten in den zentralen Fragen nichts, sondern nur Kompromisse. Gleichwohl ist der Mann [Gerhard Schröder] auf das Grundgesetz vereidigt, das – altmodisch? – statuiert: Deutschland ist eine parlamentarische Demokratie, in der das Volk ‚in Wahlen und Abstimmungen’ entscheidet. - - Kann sich die Bundesrepublik das noch leisten?“ Solche Sätze sind sicher nicht niedergeschrieben, um die Wiederauferstehung des Reiches einzuläuten, sondern vielmehr um verklausuliert, aber dennoch mit an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassender journalistischer Raffinesse den von der politischen Klasse ohnehin als klammheimliches Ziel fest ins Auge gefaßten Untergang des Nationalstaates und seiner demokratischen Strukturen durchscheinen zu lassen. Die heimliche Losung der Globalisten und der journalistischen, publizistischen und „politikwissenschaftlichen“ Interpreten und Nachbeter in deren Troß lautet: Weg mit den politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Strukturen, die es den Menschen erlauben, in ihren nationalen und regionalen Nischen ihr eigenes Süppchen zu kochen! Ob es dabei um die (ehemalige?) heilige Kuh, namens Grundgesetz, um die öffentlich-rechtlichen Sparkassen oder um die nationale Identität geht, ist einerlei. Alles altmodischer Murks, der die EU, die Globalisierung, den Sozialabbau und die sonstigen Pläne der kosmopolitischen Strategen nur behindert. Letztere sind sich trotz aller pathetischen Beschwörungen der Demokratie einig: Weg damit! Dabei ist der oben zitierte SPIEGEL-Text in auffällig unauffälliger Weise ungenau, was aber die Stoßrichtung nur noch deutlicher macht. Denn im Artikel 20 GG steht nicht „Deutschland ist eine parlamentarische Demokratie“, sondern „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. (...) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“. Was so viel heißt wie: Die Bundesrepublik Deutschland ist ein im Namen und Auftrag des Volkes regierter (d.h. demokratischer), der Volksgemeinschaft verpflichteter (d.h. sozialer) Bundesstaat. – Das wird von den Machthabern der BRD zwar weder anerkannt noch praktiziert, wäre aber bei richtigem Verständnis und richtiger Anwendung die tragende Säule der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Das bedeutet aber für die Globalisten eine latente Gefahr, die sie nun offenbar beseitigen wollen, bevor jemand auf die Idee kommt, sich darauf zu berufen. Hoffentlich wird das nationale Deutschland rechtzeitig aufwachen, um diese strategische Entsorgung zu verhindern! Hoffentlich werden insbesondere die nationalen Intelektuellen bald wach werden und beizeiten dazu übergehen, ihre Intelligenz für realistische Analysen und erfolgversprechende strategische Konzepte einzusetzen, statt sie für Nostalgie- und Ressentementpflege zu vergeuden! (17. Mai 2003)
Anlage: Schreiben von Jürgen Schwab Nürnberg, 13.05.2003 An die Herren
Liebe Kameraden, ich möchte heute auf die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Der Spiegel
Nr. 20, 12.5.03 hinweisen. Bereits das Deckblatt macht deutlich, daß
bezüglich der Berichterstattung der etablierten Medien jetzt auch
das Tabu „Grundgesetz“ entsorgt wird, nachdem bereits im Vorfeld des zurückliegenden
Irak-Kriegs der „Antiamerikanismus“ als Tabu abgewickelt wurde.
Mit kameradschaftlichen Grüßen Jürgen Schwab |