Frank Jansen
„Tagesspiegel“
Potsdamer Str. 77-87
10 876 Berlin
Feldkirchen-Westerham, den 4. April 2003
OFFENER BRIEF
Herausforderung zur öffentlichen Diskussion über das Thema
„Rechtsextremismus“
Unser Telefongespräch, Ihr Beitrag in „Blick nach Rechts“ über
die Einstellung des NPD-Verbotsverfahrens, mein Brief an Richard
von Weizsäcker
Sehr geehrter Herr Jansen,
mit diesem Brief wende ich mich noch einmal an Sie in der oben genannten
Angelegenheit, die wir ja bereits am Telefon andiskutiert haben. Da mein
Motiv eine offene Auseinandersetzung mit Ihnen über Ihr und mein Verständnis
von „Rechtsextremismus“ bzw. völkisch-nationaler Politik ist und ich
Sie zur öffentlichen Diskussion über dieses Thema herausfordern
möchte, wähle ich auch für dieses Schreiben, wie für
meine Ausarbeitung an Richard von Weizsäcker, die Form eines Offenen
Briefes.
Sie gehören zu jenen Publizisten, Medienmitarbeitern und Politikern,
die es sich zur besonderen Aufgabe gemacht haben, einen persönlichen
Beitrag im Kampf gegen den „Rechtsextremismus“ zu leisten. In Ihrer journalistischen
Tätigkeit im Berliner „Tagesspiegel“, im Periodikum „Blick nach Rechts“
und vielleicht auch in anderen Medien wenden Sie sich regelmäßig
gegen nationale Gruppierungen und Einzelpersonen. Hierfür sind Sie
mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille öffentlich geehrt worden.
Wenn ich trotzdem jetzt feststelle, daß ich von diesem Kampf
gegen „Rechts“ nicht viel halte, werden Sie vielleicht schmunzelnd erwidern,
daß Sie dies von einem „Rechtsextremisten“ auch nicht erwartet hätten.
Sie täuschen sich aber, und zwar nicht nur weil Sie mit Begriffen
wie „Rechtsextremismus“ hantieren, die mit authentischen politischen Strömungen
in Deutschland nichts zu tun haben. Nein, ich denke, Sie unterliegen einer
noch fundamentaleren Selbsttäuschung, und zwar in der Einschätzung
Ihrer Aktivitäten gegen „Rechts“ überhaupt. Vielleicht kann ich
Ihnen dies am besten klar machen, indem ich Ihnen versichere, daß
ich persönlich geradezu begeistert wäre, wenn Sie tatsächlich
einen politisch-inhaltlichen Kampf führen würden, also eine kontroverse
Auseinandersetzung mit dem tatsächlichen völkisch-nationalen
Menschen- und Gesellschaftsbild und den darauf beruhenden nationalen Konzepten
zur Lösung der realen gesellschaftlichen Probleme.
Ich denke doch, daß Sie als politischer Journalist durchaus eine
gewisse Vorstellung davon haben dürften, wie uns diese Probleme, namentlich
die sozialen, demographischen, wirtschaftlichen und kulturellen Probleme,
in Deutschland allmählich über den Kopf wachsen, und daß
Ihnen auch klar sein müßte, daß im Grunde nur die bisher
betriebene Politik, die bekanntlich völkisch-kulturell ignorant und
kosmopolitisch ist, dafür verantwortlich sein kann.
Im Gegensatz zu den Vertretern dieser Politik bin ich entschieden der
Auffassung, daß gerade völkisch-nationale Politikansätze
heute ein unabdingbares Erfordernis für die Bewahrung lebensfähiger
Gesellschaften, individueller Freiheitsrechte und natürlicher Lebensgrundlagen
sind. Wenn ich aber im Hinblick auf unsere politische Diskussionskultur
etwas bedauere, so ist es nicht etwa der Umstand, daß es politisch
interessierte Menschen gibt, die diese Auffassung bewußt nicht teilen.
Ganz im Gegenteil, wenn diese Personen sich qualifiziert dazu bekennen
und bereit sind, die gegensätzlichen Standpunkte kontrovers zu diskutieren,
freue ich mich sogar darüber. Ich bedauere lediglich, daß dies
viel zu selten der Fall ist. Denn durch Rede und Widerrede kommen wir der
Wahrheit näher und jeder, der ehrlich glaubt, den richtigen Weg aus
einer schwierigen Lage zu kennen, ist froh, wenn er die Gelegenheit bekommt,
andere durch Argumente davon zu überzeugen. Nur so funktioniert Demokratie
- und für die sind Sie ja, lieber Herr Jansen, wie auch die Blätter,
für die Sie arbeiten, oder?
Nach jahrzehntelanger Erfahrung als „Rechtsextremist“ – nicht nur in
diesem Land - bin ich zur Überzeugung gelangt, daß das was der
oben genannte, betont „antifaschistische“ Personenkreis, wie übrigens
das gesamte Polit- und Medienestablishment, in punkto „Antifaschismus“
bzw. Bekämpfung von „Rechtsextremismus“, „Neonazismus“ u.s.w.
betreibt, eine Art Ersatzveranstaltung ist. Ersatzveranstaltung wofür?
Für die längst fällige, aber aus taktischen Gründen
gemiedene inhaltliche Auseinandersetzung mit der als lästig und gefährlich
empfundenen völkisch-nationalen Kritik am euphorischen Abbau der soziokulturellen
und ökologischen Lebensgrundlagen (Volk und Land) im Zuge der strohfeuerähnlichen
kapitalistischen Expansion vergangener Jahrzehnte.
Dieser Ersatzveranstaltungscharakter wird vor allem dadurch deutlich,
daß nicht etwa gegen reale, authentische politische Strömungen
agiert wird, sondern gegen Begriffswelten und Metaphern, die fast ausschließlich
vom Establishment selbst geschaffen und kraft seiner Medienhoheit im öffentlichen
Bewußtsein fest verankert worden sind. Das gilt sowohl für die
vielen vordergründigen Schlagworte, wie „Rechtsextremismus“, „Rechtspopulismus“,
„Neonazismus“, „Ausländerfeindlichkeit“ u.s.w., als auch für
die verschiedenen, von Innenministerien und Geheimdiensten geprägten,
pseudoobjektivierenden und zugleich gezielt dämonisierenden Begriffsungetüme,
wie etwa „völkischen Kollektivismus“. Und es gilt für die auffälligen,
systematischen Bemühungen von Politikern und Medien, demokratisch
vorgetragene Kritik an der Zerstörung unserer soziokulturellen Lebensgrundlagen
mit den Symptomen des durch diese Destruktion hervorgerufenen gesellschaftlichen
Verfalls gleichzusetzen und sie dadurch zu diskreditieren.
Ein paar Beispiele hierfür:
Wer politische Weichenstellungen gegen den durch die Zangenwirkung
von Bevölkerungsrückgang und gleichzeitiger Überfremdung
verursachten Verfall des deutschen Volkes und seiner sozialen Leistungsfähigkeit
fordert, wird zum „Ausländerfeind“ gestempelt und für soziale
Spannungen verantwortlich gemacht, die gerade eine Folge der von
ihm angeprangerten Entwicklung sind. Jene, die für die Zerstörung
der einst soziokulturell ausgewogenen deutschen Gesellschaft tatsächlich
verantwortlich sind, lastet also den Kritikern ihres Zerstörungswerkes
die Schuld für dessen Folgen an. Durch die systematische, völlig
unverhältnismäßige Thematisierung einer angeblichen Ausländerfeindlichkeit
und die Gleichsetzung dieser mit legitimen nationalpolitischen Anliegen,
und zwar bei gleichzeitiger Verharmlosung der enormen sozialen Probleme
bei Ausländern und Deutschen durch Identitätsverlust, Entfremdung,
Familienverfall u.s.w., gelingt es nicht nur, die Aufmerksamkeit von diesen
tatsächlichen Problemen abzulenken, sondern sogar jede ernsthafte
Diskussion und politische Willensbildung in bezug auf die soziale und kulturelle
Gestaltung und Entwicklung der Gesellschaft zu tabuisieren und dadurch
fast vollständig zu unterbinden. Das gilt besonders für die Kritik
an der von Politik und Kapital ohne demokratisches Mandat, unter Vorspiegelung
falscher Tatsachen und nicht zutreffender Absichten betriebenen Umwandlung
Deutschlands in ein Masseneinwanderungsland und, da ein alterndes, seiner
Kultur und seines Selbstwertgefühls weitgehend beraubtes Volk Millionen
von jungen Einwanderern nicht integrieren kann, in einen Vielvölkerstaat
aus sozial und kulturell entwurzelten Volkssplittern. Weil die Deutschen
in dieser beschämenden Weise mit dem drohenden Verdikt der Ausländerfeindlichkeit
eingeschüchtert und die wenigen Tabubrecher rigoros verfolgt und gesellschaftlich
ausgegrenzt werden, trauen sich die meisten nicht einmal, die mit Abstand
wichtigste Existenzfrage eines Landes, nämlich die seiner Bevölkerungsstruktur
und seiner soziokulturellen Prägung, überhaupt zu diskutieren,
geschweige denn zum Gegenstand von klaren politischen Forderungen zu machen.
Dabei wird die angeblich politisch motivierte Ausländerfeindlichkeit
zum weit überwiegenden Teil von Politikern, Behörden, Polizei
und Geheimdiensten und natürlich auch von den Medien systematisch
vorgetäuscht, und zwar durch eine geradezu routinemäßig
betriebene Falschinterpretation sozialer Spannungen als „rechte Gewalt“.
Diese sozialen Spannungen an sich gibt es selbstverständlich in einer
sozial und kulturell immer desolateren Gesellschaft. Klar ist auch, daß
sie sich zum Teil (aber nicht nur!) zwischen Deutschen und Ausländern
entladen. Die Gründe hierfür sind aber keineswegs in der ohnehin
kaum öffentlich geführten, weil rigoros unterdrückten, politischen
Diskussion über nationale und kulturelle und Identitätsfragen
zu suchen, sondern vielmehr im katastrophalen Zustand einer Gesellschaft,
die sich zwar als „multikulturell“ bezeichnet, in der aber Deutsche und
Ausländer gleichermaßen Opfer einer beispiellosen soziokulturellen
Entwurzelung werden. In einer solchen Gesellschaft fühlen sich höchstens
die dreißig Prozent für den sozialen Wettbewerb am besten ausgestatteten
Jugendlichen uneingeschränkt wohl. Die anderen leiden, je nach aktueller
Konjunkturlage, mehr oder weniger stark am sozialen Frust. Da dies natürlich
besonders für die sozial benachteiligten ausländischen Jugendlichen
gilt, sind bei ihnen Gewaltbereitschaft und Kriminalitätsrate weit
höher als bei den Deutschen, was sicherlich die Behauptung einer politisch
motivierten, gewaltbereiten deutschen Ausländerfeindlichkeit als Hauptproblem
im Verhältnis zwischen Deutschen und Ausländern ad absurdum führt
und widerlegt, aber natürlich nicht deswegen umgekehrt zur Begründung
einer Legende von politisch motivierter Ausländergewalt herangezogen
werden darf. – Denn es handelt sich so oder so um soziale Spannungen. Wer
diese als Mittel zur Diskreditierung von legitimen, ernst gemeinten politischen
Anliegen mißbraucht, ist m.E. ein Schuft. Ihr einziger politischer
Bezug ist vielmehr der Umstand, daß sie auf eine falsche Politik
zurückzuführen sind, eine Politik, die die soziokulturellen,
völkischen Grundlagen von Gesellschaften und Staaten sträflich
mißachtet.
Weiteres Beispiel: Wer angesichts eines historisch einmaligen Verfalls
der deutschen Familie und in Anbetracht der damit einhergehenden, katastrophalen
sozialen und demographischen Entwicklungen im Lande eine aktive Familien-
und Bevölkerungspolitik fordert, wird als Frauenfeind oder NS-Apologeten
stigmatisiert. Durch eine völlig anachronistische Zwangsfokussierung
jeder familienpolitischen Diskussion auf Geschlechterkampf und alle möglichen
Gleichstellungsfragen, z.B. auch hinsichtlich rein perverser Partnerschaften,
die mit natürlichen Familien bzw. dem Familienbegriff des Grundgesetzes
gleichgestellt werden sollen, gelingt es, jede familienpolitische Diskussion,
die der dramatischen sozialen und demographischen Lage auch nur annähernd
gerecht wird, vorrangig unter Gleichberechtigungs- bzw. Diskriminierungsaspekten
zu betrachten und damit im Keim zu ersticken. Dadurch wird in der Familien-
und Bevölkerungspolitik – auch hier wieder zugunsten einer anachronistischen,
pseudoideologischen Ersatzveranstaltung, die immer groteskere Züge
annimmt - jedes wirkliche Problembewußtsein, jeder Vorschlag zur
Eindämmung der Verelendung deutscher Familien, jeder Versuch zur Verhinderung
des drohenden deutschen Bevölkerungszusammenbruchs verhindert oder
blockiert.
Ich könnte diese Analyse noch lange fortsetzen, möchte aber
jetzt auf mein im Telefongespräch erwähntes Angebot zurückkommen.
Es besteht ja kein Zweifel daran, daß die beschriebenen Ersatzveranstaltungen
erfolgreich waren und bis zum heutigen Tage noch sind. Andererseits gibt
es heute deutliche Anzeichen dafür, daß sich dies künftig
ändern wird. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: einerseits
die außerordentlich schlechten Grunddaten der bundesdeutschen Gesellschaft,
die durch eine noch so hektische, doch im Grunde nur trendverstärkende
„Reformpolitik“ nicht zu ändern sind, andererseits die immer deutlicheren
Anzeichen für einen Zusammenbruch des Weltfinanzsystems, an welches
die BRD auf Gedeih und Verderb gekettet ist. Je stärker sich diese
Faktoren in der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der BRD bemerkbar
machen, um so weniger wird die bisherige Taktik in der Auseinandersetzung
mit der nationalen Opposition verfangen. Das kann sich auf den inneren
Frieden im Lande fatal auswirken, besonders wenn die herrschende politische
Klasse nicht inzwischen endlich lernt, sich mit den zwangsläufig auf
die politische Tagesordnung kommenden völkisch-nationalen Denkansätzen
argumentativ auseinanderzusetzen.
Nun haben Sie, sehr geehrter Herr Jansen, nach dem gescheiterten NPD-Verbotsverfahren
in „Blick nach Rechts“ ein größeres politisches Engagement im
Kampf gegen den „Rechtsextremismus“ angemahnt. Das heißt nach meinem
Verständnis: die inhaltliche Auseinandersetzung mit der nationalen
Opposition wagen, endlich Argumente widerlegen, statt in Antifa-Manier
über Personen und ihre angeblichen dunklen Machenschaften zu lamentieren,
den schmuddeligen Enthüllungsstil aufgeben und statt dessen eine offensive
geistige Auseinandersetzung mit dem „Rechtsextremismus“ und seinen Vertretern
suchen.
Dieser, insoweit erfreuliche Artikel war der Anlaß für mein
telefonisches Diskussionsangebot an Sie. Ich sagte Ihnen, daß ich
mich für eine derartige Begegnung gerne zur Verfügung stellen
würde, und schlug als Diskussionsgrundlage meinen Offenen Brief an
Richard von Weizsäcker vor. Dieser Brief, der Ihnen schon seit einigen
Monaten vorliegt, enthält eine Übersicht über Zustände
und Entwicklungen, die m.E. Volk und Staat und damit letztlich auch die
Menschen existentiell bedrohen, auf jeden Fall weitreichende Folgen für
die Gesellschaft haben werden, aber dennoch aus der öffentlichen Diskussion
weitgehendst verbannt sind. Was könnte eine politische Diskussion
besser begründen und legitimieren, als wenn sie derartige Fragen zum
Gegenstand hat? Und was könnte eine sich demokratisch nennende politische
Klasse eindrucksvoller in Frage stellen, als wenn sie einer solchen Diskussion
beharrlich ausweicht oder sie gar unterbindet?
Sie versprachen am Telefon, den Weizsäcker-Brief noch einmal durchzulesen
und sich die Sache genau zu überlegen. Das gibt mir die Hoffnung,
daß Sie Ihre möglicherweise vorhandenen Bedenken hinsichtlich
der Opportunität eines politischen Gesprächs mit „Rechtsextremisten“
überwinden und meinen Vorschlag als Chance begreifen.
Ich für meinen Teil stehe zu meinem Angebot und sehe Ihrer Antwort
mit Spannung entgegen.
Mit freundlichen Grüßen
Per Lennart Aae
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