Protest gegen Perversion

Am Samstag, d. 17. Juli ist es wieder einmal soweit: Österreichs Medien überschlagen sich vor Entzückung in puncto Berichterstattung über das Perversenspektakel des Jahres in Wien, den Life Ball. Nach dem Tode von Hans Dichand stimmt auch die "Krone" in den Reigen der Befürworter dieses ungustiösen Narrentreffens ein und titelt "Life Ball: Modeln für eine gute Sache". Da stellt sich doch sofort die Frage: Für welche "gute Sache " eigentlich?

Life Ball Wien 2010

Tatsache ist, dass man dort für die AIDS-Forschung Geld sammelt. Man will den AIDS-Kranken helfen, also Leuten, die - abgesehen von mittlerweile ganz wenigen Ausnahmen, Stichwort Erkrankung durch unkontrollierte Bluttransfusion - sich beim ungeschützten Geschlechtsverkehr mit dem HI-Virus angesteckt haben. In einer monogomen Partnerschaft ist dies genausowenig möglich wie beim geschützten Verkehr. Folglich kann der Angesteckte nur grob fahrlässig gehandelt haben, wenn er sich mit der Lustseuche infiziert hat. Selber Schuld also sagt Otto Normalverbraucher, der sich nur wundern muß über soviel Tamtam, wo es doch genügend andere Krankheiten gibt, die man völlig unverschuldet bekommen kann!

Life Ball 2010

Aber die Lobbyisten für die Aids-Hilfe tummeln sich fast überall in unserer verkommenen Zivilgesellschaft, in Politik, Medien und Wirtschaft. So wirbt sogar der Mobilfunkanbieter T-Mobile für diesen Affenzirkus - er bietet seinen Kunden auch erstmals an, "die Live-Übertragung der Life-Ball-Eröffnung über das Handy kostenfrei zu empfangen", wie er stolz schreibt. Von fast überall her kommen also Werbeeinnahmen für die Aids-Forschung, damit die Aids-Gefährdeten bald wie früher ihr ausschweifendes Leben ohne Einschränkungen und Gefahren führen können! Und kaum ein Star ist sich zu schade, zu diesem Großereignis zu kommen, schließlich muß man ja dazugehören, wenn dieses Jahr das altehrwürdige Burgtheater - einst erste und vornehmste Spielstätte deutscher Zunge - für das mehr als triviale Ereignis entweiht wird.

Keszler, Häupl, Wowereit

Protest dagegen ist kaum zu vernehmen. Viele haben sich resigniert zurückgezogen, während Bundespräsident Heinz Fischer, der Vorkämpfer für mehr Homo-Rechte und das Adoptionsrecht für Schwule und Lesben, Organisator Gery Keszler stolz die Stange hält und anläßlich der internationalen Aids-Konferenz in Wien zur Aids-Gala im Parlament höchst persönlich antanzt. Lediglich der fast 85jährige einstige Fallschirmjäger und aktive Pornojäger Martin Humer, der seit Jahrzehnten gegen Dekadenz und Sittenverfall in der Republik ankämpft, meldete eine Demonstration vor dem Burgtheater an, das er durch Keszlers medial aufgeblasene Mega-Hanswurstiade geschändet sieht. Wie tief ist Österreich gesunken, wenn sich am Wochenende alles auf so ein abgedrehtes Narrentreiben fokussiert?

M. P.

[Text aus "Zur Zeit" vom 16. Juli 2010]

 

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