Mit unschöner Regelmäßigkeit ziehen botanische Wilderer zu Felde, sobald freiheitliche Abgeordnete - wie anlässlich der konstituierenden Sitzung des Nationalrates vom 28. Oktober 2008 - die Kornblume an ihrem Revers tragen. Wie bei früheren Gelegenheiten sei an dieser Stelle wiederholt, dass die Kornblume, als blaue Blume der Romantik, von Dichtern besungen, von Malern porträtiert, vielfach als Dekor von Porzellan-Manufakturen verewigt, Sehnsucht und Liebe symbolisiert. Sie steht weiters als Symbol für die Freiheitsbewegung von 1848, in deren Tradition sich die FPÖ sieht.

Noch einmal sei durch die Kornblume gesagt, dass dieses zarte Gewächs nicht ausschließlich in Zusammenhang mit "illegalen Nazis" gesehen werden kann. Zu keinem Zeitpunkt wurde im Zeichen der Kornblume Gewalt ausgeübt. Gewalt wurde umgekehrt ihr von botanischen Geschichtsfälschern angetan, etwa von Studenten in Berlin, die im Zuge der 1968er-Bewegung skandierten: "Schlagt die Germanistik tot, färbt die blaue Blume rot!"

[Nach einer FPÖ-Pressemeldung vom 28. Oktober 2008]
 
 

FPÖ-Abgeordnete mit Kornblume

Am 30. Oktober 2006, den Tag der Konstituierung des österreichischen Bundesparlamentes, trugen die FPÖ-Mandatare Kornblume im Knopfloch. Kurz darauf stand auf der Seite www.orf.at ein großer Bericht über die Freiheitlichen samt Foto einer Kornblume mit dem Titel „FPÖ mit dem Symbol der illegalen Nazis“. Der Beitrag vermittelte den einseitigen Eindruck, daß die Kornblume lediglich das Erkennungszeichen der illegalen NSDAP gewesen sei, die auch vor 1938 in Österreich verboten war. 

Bereits im Jahr 1995 war die Kornblume Auslöser einer heftigen Debatte in Oberösterreich. Einige Mitglieder der Linzer FPÖ trugen bei der Angelobung des damaligen freiheitlichen Stadtrats Franz Obermayr eine blaue Kornblume,was in den Augen gewisser Politiker anderer Parteien eine Provokation darstellte. Am 19. Oktober 1995 wurde der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch mit Anfragen bombardiert, zu denen Stellung nehmen mußte, ob seitens der Stadt geprüft wurde, ob das Tragen der blauen Kornblume einen Verstoß gegen das NS-Verbotsgesetz darstelle. 

Dobusch gab in der Sitzung zu verstehen, daß die Kornblume als Lieblingsblume Bismarcks galt und damit zum Symbol der deutsch-nationalen Bewegung Altösterreichs wurde. Sie behielt diesen Charakter auch in der Ersten Republik weiter. Daß die Kornblume den Tatbestand des Verbotsgesetzes erfülle, konnte Dobusch nicht bestätigen. Er sah sich für eine endgültige Beurteilung auch nicht zuständig. Diese hätte durch die Bundespolizeidirektion erfolgen müssen. 

Der wahre geschichtliche Hintergrund der Blume reicht jedoch viel weiter zurück. Im 19. Jahrhundert wurde sie zum Symbol einer neuen Natürlichkeit und mit der Mythenbildung um die 1810 jung verstorbene Königin Luise zur „preußischen Blume“. Den entscheidenden Anstoß für den Kornblumenkult des 19. Jahrhunderts hatte Luises Sohn, der spätere Kaiser Wilhelm I., gegeben, der in Erinnerung an seine Kindheit die „preußisch blaue“ Kornblume zu seiner Lieblingsblume erklärt hatte. In Österreich wurde die Kornblume das Symbol der alldeutschen Bewegung von Georg Ritter von Schönerer. Noch heute zeugen in Österreich Namen von Restaurants wie „Kornblumenstüberl“ oder von Bauernhöfen wie „Kornblumenhof“ von der Gesinnung ihrer Besitzer.

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Linzer Nazijäger wollen Kornblume verbieten

Wie vorher schon verschiedene Politiker der sog. Grünen sieht auch der Bürgermeister von Linz (Oberösterreich) F. Dobusch (SPÖ) im Tragen der Kornblume einen Verstoß gegen das NS-Verbotsgesetz und ordnete sogar eine gerichtliche Prüfung an. Bei der Angelobung des freiheitlichen Linzer Stadtrats Franz Obermayr hatte ein Teil der FPÖ-Gemeinderäte zu diesem Anlaß blaue Kornblumen im Knopfloch. "Die Gemeinderäte der anderen Fraktionen reagierten sehr betroffen auf die Verwendung dieses Symbols", behauptete Bürgermeister Dobusch. Die Kornblume sei Zeichen der illegalen Nazis vor der Machtergreifung Hitlers gewesen (? - wahrscheinlich meinte er während der Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur, fünf Jahre nach der Machtergreifung Hitlers). "Ich lasse gerade prüfen, ob es sich um eine Verletzung des NS-Verbotsgesetzes handelt oder nicht", sagte Dobusch. Er halte es jedenfalls für "ungehörig und untragbar", dieses Symbol zu verwenden. Die, die angesprochen werden sollen, wüßten genau, was die blaue Kornblume aussage, so Dobusch. Seitens der Staatsanwaltschaft hieß es, die blaue Kornblume zähle nicht zu verbotenen Symbolen. 

Nach Logik der Linzer Nazijäger müßte man z. B. auch das Tragen weißer Kniestrümpfe als Wiederbetätigung werten, da das ebenso als Kennzeichen der Anhänger oder Mitglieder der in Österreich verbotenen NSDAP reklamiert wurde. Ebenso müßte man den 1. Mai als Feiertag abschaffen, da dieser auch von den Nationalsozialisten gefeiert (und sogar als Feiertag  eingeführt) wurde. 

Mit der humanistischen Bildung der Linzer Nazijäger dürfte es nicht sehr weit her sein. Bekanntlich gilt die Kornblume als die "Blaue Blume" der Romantik und wurde vor allem von heimat- und volkstreuen Vereinigungen wie Burschenschaften und Wandervogel verehrt und getragen. Auch in England wird die Kornblume gewürdigt und Prinz Charles trägt sie oft im Knopfloch. Sie jetzt als "Wiederbetätigung für den Nationalsozialismus" zu werten würde gut zu den österreichischen Nazijägern passen, die in metternichscher Tradition sogar ausländische Historiker für reine Meinungsäußerungen wegen "Wiederbetätigung für den Nationalsozialismus" einsperren wollen. Als nächstes könnte dann Prinz Charles wegen des Tragens einer Kornblume wegen Wiederbetätigung angezeigt werden und bei seinem nächsten Österreichbesuch festgenommen werden...

Prinz Charles

[23. November 2005]

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Die Romantiker und die blaue Blume

Die Epoche der Romantik zwischen 1795-1840 war ein Ausdruck des Protestes von Dichtern und Denkern, Künstlern und Kirchenmännern gegen den Geist der Aufklärung und des Rationalismus. Mit einer zum Gefühlvollen neigenden, schwärmerischen und märchenhaften Weltauffassung schufen die Romantiker einen Gegenpol zum vernunftbetonten und das Gefühl in den Hintergrund drängenden Ideengut der Aufklärung.

Die Romantik nahm in der Literatur, in Gedichten und Romanen ihren Ausgang und rückte das Gefühl und die Natur in den Mittelpunkt. Inmitten der begrenzten Welt suchte sie nach dem Unendlichen. Poesie und Kunst waren es, in denen sich nach der Idee der Romantiker eine tiefe Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen und Wunderbaren erfüllen konnte. Die visionäre Vorstellung war die eines Gesamtkunstwerkes, das alle künstlerischen Gattungen vereinte - Dichtung, Malerei, Musik, Architektur ..., das aber auch die Natur- und Geisteswissenschaften mit einbezog. Die Romantik entwickelte sich zu einer Weltanschauung, die alle Bereiche des Lebens berührte.

Die blaue Blume

Als Erster verwendete Novalis (Friedrich von Hardenberg 1772-1801) das Symbol der Blauen Blume in seinem fragmentarischen Roman "Heinrich von Ofterdingen" (veröffentlicht 1802).

Dieser philosophische Künstlerroman thematisiert den (poetischen) Weg des Menschen "nach innen", damit aber gleichzeitig in die Unendlichkeit.

Die blaue Blume verkörpert wie kein anderes Motiv die Suche der Romantiker nach einem Zentrum, nach einer inneren Einheit, nach Unendlichkeit. Sie wurde zum Hauptsymbol der romantischen, ins Unendliche gerichteten Sehnsucht sowie der romantischen Dichtung und Malerei überhaupt. Als reales Vorbild für die blaue Blume wird oft die Kornblume angesehen.

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Werner Helwig:  Die Blaue Blume des Wandervogels
352 Seiten, Bildanhang, ISBN 3-88778-208-9
Zum Buch:

"Die Blaue Blume des Wandervogels" von Werner Helwig, 1960 erstmals erschienen, kann heute als klassisches Werk zur Geschichte der Jugendbewegung gelten.Vom Aufbruch der ersten Wandervögel um die Jahrhundertwende, über die frühen Verästelungen und Spaltungen in immer neue Bünde und Bündigungen, weiter zur bunten Vielfalt vor und nach dem 1. Weltkrieg und zur Ausbreitung des Pfadfindertums, und schließlich von der bündischen Phase der späten Weimarer Zeit, bis zu Verbot und Verfolgung durch den Nationalsozialismus, bietet das Buch eine Fülle von Daten und Fakten zum geschichtlichen Verlauf, schildert die maßgeblichen Personen, Bünde und Ereignisse.

Neben und hinter dem äußeren Geschehen kommen auch die inneren Kräfte, kommen Idee und Gestalt der Bewegung in Blick. So ist "Die Blaue Blume des Wandervogels" weit mehr als eine bloße Geschichte der Jugendbewegung, sie führt zu einem tieferen Verstehen von Wesen und Wirken der Blauen Blume.

Die Einsichten und Erkenntnisse verdanken sich dem Vorgehen Werner Helwigs: Er lädt Freunde und Weggefährten zu einer imaginären Tafelrunde. Ihre Berichte und Gespräche werden mit eigenem jugendbewegtem Erleben und eigener Weltsicht verwoben, die Literatur und Kunst, Philosophie und Mythologie, Vagantentum und Dichterexistenz gleichermaßen umschließt. Auf diese Weise wird die "Blaue Blume des Wandervogels" zur unüberholbaren Deutung und Dichtung der Jugendbewegung.

Zum Autor:

Werner Helwig, geboren 1905 in Berlin. Nach der Schule landwirtschaftliche Lehre; Studium (überwiegend Selbststudium) der Literatur, Musik und Völkerkunde; ausgedehnte Wanderungen durch Deutschland, Mittel- und Nordeuropa; Bekanntschaft mit der Jugendbewegung, ab 1927 im Nerother Wandervogel, dort zeitweise Mitglied der Bauhütte auf Burg Waldeck; ab 1929 Nerother Gruppenführer. Erste literarische Arbeiten mit Beginn der 30er Jahre; 1933-40 Reisen nach Sizilien, Tunesien, Capri, Griechenland, Island; dazwischen kürzere Aufenthalte in Deutschland und der Schweiz; 1941 Heirat, 1942 Übersiedlung nach Liechtenstein; von 1951 bis zum Tode 1985 wohnhaft in Genf. – Die Hauptwerke in zeitlicher Reihenfolge: Hellas-Trilogie (Raubfischer in Hellas, 1939; Im Dickicht des Pelion, 1941; Reise ohne Heimkehr, 1953); Gegenwind, 1945; Café Gomorra, 1948; Isländisches Kajütenbuch, 1950; Die Widergänger, 1952; Das Steppenverhör, 1957; Der smaragdgrüne Drache, 1960; Die Blaue Blume des Wandervogels, 1960; Totenklage, 1984.
 

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