Pornographie als EU-Propaganda

Als Abschluss eines Projektes "25 Peaces", mit dem das Gedenkjahr 2005 (60 Jahre Befreiung) gefeiert wurde, sollte für die bevorstehende EU-Präsidentschaft Österreichs geworben werden.  Dazu sind seit dem 27. 12. 2005 in ganz Wien auf  400 "Rolling Boards", das sind Motiv wechselnde, beleuchtete Werbeflächen, die Elaborate von 75 angeblichen Künstlern aus ganz Europa zu sehen. Darunter erregten einige Pornodarstellungen mit EU-Bezug tatsächlich große Aufmerksamkeit, sodass man dieser Art von EU-Propaganda eine gewisse Wirksamkeit nicht absprechen kann. Bei den Abbildungen soll es sich u. a. um Gruppensex prominenter EU-Politiker handeln.

Kultur in Wien

Die Projektreihe zum Jubiläumsjahr 2005 "25 Peaces" wurde von einem "Graz 2003-Macher" und einem Funktionär der "Bundestheater-Holding" gestaltet. Die Reihe wurde angeblich vom Bundeskanzleramt mit einer halben Million Euro direkter Steuergelder bzw. an den Staat abzuführende Dividenden einer verstaatlichten Firma unterstützt, weitere zehn Millionen Euro sollen durch Sponsoren aufgebracht worden sein, was indirekte Steuergelder sind, da diese Spenden von den spendenden Firmen von der Steuer abgeschrieben werden. 

In einer Aussendung der Verantwortlichen hieß es, das erste Sujet "wendet sich konkret gegen die Globalisierung, das andere ironisiert die EU". Das Team stehe auch angesichts der Aufregung zu den Plakatsujets.

EU

Diese seien "in einem Klima der Unabhängigkeit von den Förderern und innerhalb der Freiheit der Kunst" von zwei unabhängigen Kuratoren, ausgewählt worden.

In einer Stellungnahme der FPÖ vom 28. 12. 2005 zu der EU-Propaganda heißt es, die jüngst affichierten Plakate des Kunst-Teams „euroPART“, das mit Steuergeldern Pornographie in den öffentlichen Raum trage, zeigen einmal mehr das Sittenbild dieser österreichischen schwarz-orangenen Bundesregierung. Nicht zuletzt werde diese Aktion vom Bundeskanzleramt unterstützt - also auch mit österreichischen Steuergeldern bezahlt. Das jüngste Dementi des Kanzleramtes sei wenig glaubhaft, so der Bundesobmann der FPÖ, Heinz-Christian Strache vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion.
Ein paar Tage vor der Übernahme der Ratspräsidentschaft durch Österreich versuchen sich einige Wichtigmacher mit zweifelhaften Aktionen unter dem Deckmantel der „Kunst“ in Szene zu setzen. Mit ihren Gruppensexphantasien werden die Verantwortlichen jedoch höchstens Kopfschütteln bei den Betrachtern hervorrufen. Es sei einfach nur mehr peinlich was sich diese Bundesregierung in regelmäßigen Abständen leiste, so Strache. Von den SPÖ-Regierungen war man die systematische Demontage der österreichischen Kultureinrichtungen ja gewohnt - daß jedoch auch eine ÖVP geführte Regierung diesen gesteuerten Kultur- und Sittenverfall vorantreibe sei ein Novum, so Strache.

EU Verfassung

Nachdem Hermann Nitsch bereits seine verstaubten Blutorgien ans Burgtheater transferieren konnte und Barrie Koskys an der Wiener Staatsoper zu inszenieren versuchte, dürfen nunmehr offenbar auch ORF-Kulturchef Wolfgang Lorenz und Bundestheatergeneral Georg Springer mit ihrem „Kunst-Team euroPART“ ein bißchen am Budgettopf des Bundeskanzleramtes mitnaschen. Höchst an der Zeit, so Strache, daß diese ÖVP-BZÖ Bundesregierung die Regierungsbank räumt.

[29. Dezember 2005]

Die kritisierten Pornoplakate wurden ab dem 30. 12. nicht mehr gezeigt. Es wurden aber Stimmen laut, die die Aktion zu rechtfertigen suchten. So bezeichnete Nationalratspräsident Andreas Khol (ÖVP) laut Tiroler Tageszeitung am 2. 1. 2006, die Aufregung um die Motive als "maßlos übertriebene Diskussion und Erregung". "Egal nun, ob diese Plakate Kunst sind oder nicht - schon die Frage kann ja nicht objektiv beantwortet werden. Aber die Aktion hat ihren Zweck erfüllt. Man redet über Europa. Kunst muss provozieren können und dürfen", sagt Khol. 

Die Aufregung um den "EU-Slip" und auch die Turbulenzen um das Schwarzenegger-Stadion hätten ihn erheitert, so der ÖVP-Politiker: "Vordergründig geht es in beiden Fällen um Werte, um Grundwerte sogar. Hintergründig spielt in beiden Fällen Heuchelei und Populismus die Hauptrolle."

[2. Januar 2006]

Gegen "unbekannte Brüder in diversen Bereichen der Hand-Auf-Holding", gegen "Homosapiens Georg Springer" und Eduard Schrempf, ORF-Kulturchef Wolfgang Lorenz sowie gegen die Staatsholding ÖIAG hat der bekannte Pornojäger Martin Humer Anfang Januar 2006 Strafanzeige bei der Wiener Staatsanwaltschaft eingebracht. "Die Gruppensex-Darstellungen sind Tatbilder gemäß Paragraf zwei Pornografiegesetz, sog. 'weiche Pornografie', ein Verstoß gegen das Schamgefühl", erklärte Humer in einer Presseinformation. Durch die öffentliche Präsentation werde daraus "harte Pornografie" und damit ein Verstoß gegen die Menschenwürde....

Es wurde auch bekannt, dass seit Beginn der Aktion 25 Peaces ein Plakat mit einer EU-Fahne dargeboten wird, bei der anstatt von Sternen politischen Symbole, darunter Hammer und Sichel und Hakenkreuz zu sehen sind. Die  FPÖ protestierte am 10. 1. 2006 dagegen...

[10. Januar 2006]
 

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