Egger-Lienz Ausstellung in Tulln

In Tulln (Niederösterreich) findet vom 1. Dezember bis zum 1. April 2002 eine große Ausstellung der Werke des Malers Albin Egger-Lienz statt, der vor 75 Jahren gestorben ist. Egger Lienz zählt zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten im Österreich des 20. Jahrhunderts und steht auch im neuen Leopold-Museum in Wien neben Klimt und Schiele im Mittelpunkt der Präsentation. 

In Partnerschaft mit der Stadt Lienz präsentiert das Museum Minoritenkloster in Tulln eine repräsentative Schau mit 70 exemplarischen Bildwerken der Malerei, der Zeichnung und des Aquarells. Sie stammen alle aus öffentlichen Sammlungen des Landes Tirol, des Museums der Stadt Lienz auf Schloss Bruck (mit Dauerleihgaben der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien und des Historischen Museums der Stadt Wien), des Tiroler Landesmuseums Ferdinadeum in Innsbruck und des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien. 

 Die Schau bietet einen umfassenden Einblick in die wichtigsten Phasen seines Werkes: die frühen Alltagsmotive seiner Münchener Zeit: Die Kellnerin  die realistischen Historienbilder zum Thema des Tiroler Freiheitskampfes 1809: Das Kreuz, Nach dem Friedenschluß, Haspinger 1809, Totentanz 1809  die bäuerlichen Menschen in ihrer Bindung zur Arbeit und Natur: Feldsegen, Sämann, Bergmäher, Ruhende Hirten, Mittagessen, Quelle  die Landschaften aus Holland und Südtirol: Katwijk, Virgl, Sigmundskron  die Kriegs- bzw. Antikriegsbilder des Ersten Weltkrieges:Der Krieg, Das Leichenfeld, Missa Eroica, Die Blinden  die „Gedankenbilder“ um die menschliche Existenz: Kriegsfrauen, Mütter, Familie, Christi Auferstehung  die Aquarelle und Zeichnungen als Studien und Wiederholungen: Schnitter, Sämann, Wallfahrer, Generationen  die Familienporträts: Der Vater, Lorli, Fred, Selbstbildnis

Egger-Lienz war ein Heimat- und Bauernmaler, der sagte, daß alle echte Kunst Heimatkunst sei, was umerzogene Kunstbanausen gerne wegdiskutieren möchten. Seine Bedeutung liegt auch in seiner Darstellung des Kriegsgeschehens und in den Landschaftsbildern mit ihrer Architektur. Eben darauf legt man in Tulln einen Hauptakzent. Im Mittelpunkt stehen die "Missa eroica" und das "Den Namenlosen 1914" gewidmete Werk, gemeinsam mit "Finale" und den "Kriegsfrauen", alles zwischen 1916 und 1922 entstanden, schließlich die "Mütter".

Was in diesen späten, den "Totentanz von Anno Neun" (1906/07); vertreten in zwei von sechs Fassungen) weit übertreffenden Werken zum Ausdruck kommt, enthält eine stark religiöse Komponente. Sie allein habe ihn vor "Manier und Decadenz" bewahrt, sagte er. Das "Naive" im Sinn des Unmittelbaren betrachtete er als die "wahre Kunst", alles andere verfüge über "keine wahre Seele". Ähnlich argumentierte er, dessen von Defregger geprägte Anfänge im "Kreuz" (1898/1900) gipfelten, wenn er von der "Natur" sprach. In gewisser Hinsicht malte Egger-Lienz Manifeste im Bestreben, "außerhalb des Rummels, wie ein Sein für sich" zu agieren. Dieses "Sein" artikuliert sich vor seinen Landschaftsträume aufschließenden Werken. Die frühesten unter den in Tulln gezeigten Bilder dieser Art sind "Das Meer" und "Virgil" (1913). Zu sehen sind auch die zweite Fassung von "Vorfrühling" (1917), der "Sonnenaufgang auf der Mendel" (1919) und vor allem "Sigmundskron" - lauter in Südtirol geschaffene Werke. Auch der "Pflüger" (1920) zählt zur den zentralen unter diesen dem Zeitgeist trotzenden Werken



Egger-Lienz Ausstellung:
Tulln an der Donau, Museum im Minoritenkloster 
1. Dezember 2001 - 1. April 2002 
täglich von 10 - 19 Uhr

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