| Im Vorfeld der Verleihung des Nobelpreises an Elfriede Jelinek sagte
der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (FPÖ) in der ORF-Sendung
"Treffpunkt Kultur" am 6. 12. 2004: "Jelinek ist nur deshalb berühmt
geworden, weil sie gegen Österreich gewettert hat. Es ist ja sogar
in der Begründung für den Nobelpreis dringestanden, daß
dieser Haß gegen ihr Land sie enorm preisverdächtig macht. Für
mich hat das keine literarische Wertigkeit".
Am Abend des 7. 12. wurde in Stockholm die in Wien auf Video aufgezeichnete Rede von Elfriede Jelinek verlesen. Am 10.12. wird Jelinek der Literaturnobelpreis "in Abwesenheit" in Stockholm verliehen. Persönlich entgegen nehmen wird ihn die menschenscheue Autorin eine Woche später, am 17. Dezember, 2004 in der schwedischen Botschaft in Wien. [7. Dezember 2004]
Nobelpreis für Agitatorin gegen Rechts Auch der Nobelpreis dürfte jetzt nach der allseits beliebten Quotenregelung vergeben werden. Die Tatsache, daß bei der Vergabe etwa Frauen oder Neger unterrepresäntiert sind gab ja schon lange Anlaß zu Vorwürfen des Rassismus bzw. Sexismus. Somit war es an der Zeit, für einen Ausgleich zu sorgen. Eine Umweltschützerin namens Wangari Maathai aus Kenia erhielt den Friedensnobelpreis, obwohl sie mit Kriegsgegnerschaft oder Friedensaktivitäten, die jetzt während der Massenmorde an der Zivilbevölkerung in Palästina und dem Irak wirklich notwendig wären, absolut nicht das geringste zu tun hat. Da im Irak und in Afghanistan inzwischen bis zu 60000 Zivilisten von der US-Soldateska ermordet wurden, ist auch das eine politische Aussage des Nobel-Komitees, nämlich eine Unterstützung der US-Israelischen Aggressions- und Landraubpolitik. Den Nobelpreis für Literatur wurde - gleichfalls mit einer politischen Aussage - der steirischen Linksradikalen Elfriede Jelinek verliehen, die sich seit Jahren als Agitatorin gegen rechte Politiker betätigt und die schon zu Lebzeiten der Sowjetunion Mitglied der KPÖ war. Obwohl sie im Jahre 1999 erklärte, im Falle einer Regierungsbeteiligung der FPÖ Österreich zu verlassen, ist sie noch immer da und scheint sich ganz wohl zu fühlen. Ihre Stücke werden in den staatlich subventionierten Theatern aufgeführt, z. B. "Kaprun" im Wiener Akademietheater, das Thema ist Vergangenheitsbewältigung, nämlich das Schicksal der Zwangsarbeiter, die beim Bau des Kraftwerkes Kaprun gearbeitet haben. Auch über Jörg Haider schrieb sie ein Theaterstück namens "Das Lebewohl", das u. a. auch in Berlin aufgeführt wurde. Ihr Stück "Attabambi - Pornoland - Eine Reise durchs Schwein" wurde unlängst in Zürich uraufgeführt. In ihren literarischen Werken kritisiert sie konservative Einstellungen
und verunglimpft rechte Politiker, was vom Nobel-Komitee ausdrücklich
gewürdigt wurde. "Jelinek hat mit leidenschaftlicher Wut Österreich
gegeißelt, das sie in dem phantasmagorischen Roman 'Die Kinder
der Toten' als Totenreich darstellt", beschreibt das Nobelpreis-Komitee
in einer "Biobibliographische Notiz" das Werk Jelineks. Es wird auch betont,
dass Jelinek in Österreich "sehr kontroversiell" sei. "Gleichzeitig
mit ihrer belletristischen Tätigkeit hat sie sich als unerschrockene
Gesellschaftskritikerin einen Namen gemacht, die ständig bereit ist,
brennend heiße Themen zu kommentieren."
Der Konflikt zwischen der politisch agitierenden Schriftstellerin und der FPÖ reicht bis Anfang der 90er Jahre zurück. Schon 1991 hatte sich Jelinek einem von Andre Heller initiierten Aufruf angeschlossen, in dem der damalige FPÖ-Chef Jörg Haider als "Jungnazi" bezeichnet wurde. Vier Jahre später erklärte Haider Jelinek gemeinsam mit Kollegen wie Peter Turrini und Burgtheater-Direktor Claus Peymann zu "hochsubventionierten Österreich-Beschimpfern". Jelinek sagte über Haider, er sei der "Führer eines homoerotischen Männerbundes", und: "Er ist eine Luftblase, die nur existiert, wenn andere da sind." Einmal meinte sie: "Alles, was wir als Künstler versucht haben, hat Haider nur stärker gemacht." Und weiter: Haider arbeite, "wie alle faschistoiden Bewegungen, mit dem ästhetischen Körperkult, mit dem homoerotischen Männerbund, der sich im Sport manifestiert, es ist sozusagen der erlaubte sexuelle Akt mit dem braun gebrannten jungen - er ist so alt wie ich! - 'Führer', der huldvoll seine Gunst gewährt". Im Wiener Gemeinderats-Wahlkampf des Jahres 1995 stellte die FPÖ der Bevölkerung die Frage: "Lieben Sie Scholten, Jelinek, Häupl, Peymann, Pasterk... oder Kunst und Kultur?". Darunter der Slogan: "Freiheit der Kunst statt sozialistischer Staatskünstler". Scharf reagierte Jelinek auf die Bildung der schwarz-blauen Koalition im Februar 2000. "Die EU-Staaten haben sogar die Pflicht, Österreich zu isolieren", richtete sie aus, nachdem die EU-Partner mit der Verhängung von Sanktionen gedroht hatten, und rief zum Österreich-Boykott auf. Nach der Bestätigung der schwarz-blauen Koalition bei der Nationalratswahl im November 2002 zeigte sich Jelinek enttäuscht: "Wie man sieht, wird Wahltrickserei belohnt. Schüssels Rechnung ist aufgegangen." Die Kultursprecherin der FPÖ Helene Partik-Pablé warnte vor einer weiteren Schädigung des Ansehens Österreichs im Ausland durch Jelinek: man dürfe «nicht vergessen, dass Elfriede Jelinek Österreich seit Jahren genussvoll in den Dreck zieht», hielt die Politikerin fest: «Vor allem, da sich der Autorin nun ein größerer internationaler Leserkreis erschließen wird und so ihr doch etwas bizarres Österreichbild noch mehr verbreitet wird.» Mit den Worten "Eine kommunistische Schriftstellerin bekommt von mir keine Blumen", reagierte der Landeshauptmann Kärntens Jörg Haider ( FPÖ ) am 8. 10. 2004 auf die Zuerkennung des Literaturnobelpreises an Elfriede Jelinek. Er wolle einer Frau, zu welcher er eine jahrzehntelange konfrontative Beziehung habe, nicht in der Stunde ihres größten Erfolges eine Gratulation schicken, sagte Haider. [9. Oktober 2004]
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