Scheinselbstständige als Lohndrücker

Die Zahl der pflichtversicherten Selbständigen in Österreich ist in den letzten 10 Jahren von 214.000 auf knapp 304.000 gestiegen. Gleichzeitig zeigt die Arbeitsstättenerhebung der Statistik Austria, dass die Zahl der Betriebe, die Arbeitnehmer beschäftigen, praktisch konstant geblieben ist.

Der Zuwachs der selbständig Erwerbstätigen geht damit de facto auf einen Zuwachs von Einpersonen-Unternehmen zurück, die größtenteils Scheinselbstständige sind, die für diverse Firmen Tätigkeiten als Arbeiter oder Angestellte verrichten. Alleine im Jahresabstand 2003 und 2004 ist deren Zahl in Österreich um 8.800 auf rund 54.000 Personen gestiegen.

Zum Teil geht dieses Wachstum auf die EU-Erweiterung zurück. Mit selbständiger Erwerbstätigkeit können nämlich die von der Regierung großspurig angekündigten Beschränkungen des Zuganges zum österreichischen Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer aus den neuen EU-Ländern unterlaufen werden. Andererseits kommt es für die Unternehmen billiger, wenn sie statt eines Arbeitnehmers ein „Einpersonen-Unternehmen“ beschäftigen – mittlerweile suchen Supermarkt-Ketten bereits selbständige Regalbetreuerinnen.

Lohndrücker

Seit der Osterweiterung vom 1. 5. 2004 kam es auch zu einem sprunghaften Ansteigen der Scheinselbstständigen, die hauptsächlich im Baugewerbe als "Firmen" Arbeiten als Bau- bzw. Hilfsarbeiter verrichten.

Außerdem gibt es diverse Ausnahmeregelungen, sodaß Wanderarbeiter aus den Ostblockländern ganz offiziell eine unselbstständige Beschäftigung in Österreich aufnehmen können. Daneben gibt es noch zehntausende Schwarzarbeiter, die etwa in Pflege- und Touristikberufen tätig sind. 

Die Gesamtzahl der angemeldeten Beschäftigten aus den neuen EU-Ländern Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei und Slowenien lag Ende Mai bei fast 47.000. Seit der EU-Osterweiterung im Vorjahr ist sie um knapp ein Zehntel oder rund 4.000 Personen gestiegen. Seit Ende Mai 2000 hat sich die Zahl der Arbeitnehmer aus diesen Ländern, die sich in Österreich ihr Brot verdienen, sogar um gut ein Viertel oder rund 10.000 Personen erhöht.

Neben der geografischen Nähe Österreichs, das relativ gute Verdienstmöglichkeiten bietet, dürfte vor allem auch die vergleichsweise hohe Arbeitslosenrate in diesen Ländern für viele Osteuropäer der Grund sein, einen Job in Österreich zu suchen.

Für Ende Mai 2005 weist die Statistik des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger im Fünfjahresvergleich teils deutliche Steigerungen aus. So stammten 14.753 Beschäftigte aus Ungarn (+38 Prozent), 13.215 aus Polen (+9 Prozent), 8.342 aus Tschechien (+/- 0 Prozent), 5.654 aus der Slowakei (+161 Prozent) und 4.919 aus Slowenien (+34 Prozent).

Seit der EU-Osterweiterung sind inzwischen um 28 Prozent mehr Ungarn in Österreich beschäftigt, um 6 Prozent mehr Polen, um 3 Prozent mehr Tschechen, um 28 Prozent mehr Slowaken und um 9 Prozent mehr Slowenen.

Kroatien stellte Ende Mai 2005 insgesamt 12.819 Arbeitskräfte (+52 Prozent gegenüber Ende Mai 2000), Rumänien 11.700 (+19 Prozent), Bulgarien 2.047 (+35 Prozent), Bosnien 28.536 (+35 Prozent) und Serbien-Montenegro 113.699 (-9 Prozent).

[10. Juli 2005] 

 < Wirtschaft