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Internationaler Gewerkschaftsbund gegründet
Rund 1.600 Delegierte haben sich am 1. 11. 2006 im Messezentrum Wien
eingefunden, wo sich der Internationale Bunde Freier Gewerkschaften (IBFG)
und der christlich orientierte Weltverband der Arbeitnehmer (WVA) zu einer
gemeinsamen Organisation namens Internationaler Gewerkschaftsbund (IGB)
zusammenschlossen.
Sitz des IGB wird in Brüssel sein, wo sich derzeit noch der IBFG
befindet. Dieser wurde 1949 in London gegründet, vereint 241 Gewerkschaftsdachverbände
und zählt insgesamt 155 Mio. Mitglieder. Der WVA wurde 1920 in Den
Haag gegründet, hat 26 Mio. Mitglieder und vereint 144 Gewerkschaftsdachverbände.
Die Auflösungskongresse beider Organisationen fanden bereits am
31. 10. 2006 ebenfalls in Wien statt. Vom 1. 11. bis zum 3. 11.sind Podiumsdiskussionen
und Plenarsitzungen geplant. Größte Herausforderung des IGB
sind vor allem die neuen Arbeitsbedingungen durch die Globalisierung. Konkret
will man gegen Diskriminierung, Kinderarbeit und die Verletzung von Gewerkschaftsrechten
vorgehen.
Der österreichische Bundespräsident H. Fischer begrüßte
bei seiner Eröffnungsrede den geplanten Einsatz des IGB für den
Frieden und erklärte die Gewerkschaftsidee für einen unverzichtbaren
Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft.
Willy Thys, bisheriger Generalsekretär des WVA, teilte mit, dass
die Auflösung seines Verbandes am Tag zuvor mit 95 Prozent der Stimmen
beschlossen worden sei. "Es ist sehr emotionsgeladen, wenn wir diesen Schritt
tun", meinte er
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weiter, "ich bin aber davon überzeugt, dass auch dieses
Kapitel ein großartiges wird". Ähnlich äußerte sich
Guy Ryder, bisheriger Generalsekretär des |
IBFG. Beim Auflösungskongress sei klargestellt worden, "dass
wir weiter hinter einem demokratischen und unabhängigen Gewerkschaftswesen
stehen". Der IGB werde ein "effektives und mächtiges Instrument" sein,
"das die Arbeitnehmer brauchen".
Einen "neuen Ansatz" bei der weltweiten Arbeit versprach am 1. 11. bei
einer Pressekonferenz Guy Ryder (IBFG), der neuer Generalsekretär
des Internationalen Gewerkschaftsbundes werden dürfte. Die Führung
des IGB wird am 3. 11. gewählt, als Ryders Stellvertreter kommt Willy
Thys (WVA) in Frage. Nach Informationen aus Teilnehmerkreisen könnte
sogar eine Frau zur neuen Vorsitzenden des IGB gewählt werden.
"Ich kann nicht garantieren, dass alle unsere Pläne aufgehen",
blieb Ryder am Mittwoch weiter vorsichtig. Die Gründung des IGB sei
aber in jedem Fall "ein Schritt nach vorne". Vor allem könne man nun
mit einer Stimme zu sämtlichen internationalen Organisationen wie
der WTO, Weltbank oder UNO sprechen. Ein Hauptziel unter vielen der neuen
Weltgewerkschaft: Die Mobilisierung der Gewerkschaften weltweit. Ryder
sprach von einem neuen Internationalismus in der Arbeitnehmervertretung.
Pluralistisch, aber einheitlich charakterisierte Thys die neue Organisation,
etwas, dass es "zum ersten Mal in der Gewerkschaftsbewegung überhaupt
gebe". Er kündigte einen weltweiten "day of action" an, lediglich
in Lobbying und Gesprächen solle sich die Arbeit des IGB nicht erschöpfen.
Weiteres Schlagwort, das die neue Euphorie beschreibt: Kraft für soziale
Veränderung.
Acht Gewerkschaftsorganisationen, die mit den zwei Vorgängerorganisationen
lediglich als Kontaktgruppen kommuniziert hatten, sind beim Gründungskongress
nun vollwertige Mitglieder geworden. Dabei handelt es sich um CUT (Kolumbien),
UWTA-CS (Angola), CTA (Argentinien), FISEMA (Madagaskar), CGT (Frankreich),
OPZZ (Polen), TUC-N (Nigeria) und GEFONT (Nepal).
Kommunistische Gewerkschaften sollen nicht in die neue Organisation
aufgenommen werden, aber laut Euronews der französische CGT.
[1. November 2006] |