Kapitaleinsatz beim Aufbau Ost

Im folgenden ein Schreiben an den Minister für den Aufbau Ost, Manfred Stolpe, einen zentralen volkswirtschaftlichen Aspekt betreffend, der jedoch in der gesamten Diskussion über den Aufbau Ost systematisch verschwiegen wird. Nähere theoretische Erläuterungen dazu finden Sie in einer grundsätzlichen Abhandlung von mir unter  Die Rolle des Kapitals in der Volkswirtschaft

Ich habe die Anfrage am 2. Juli an die zuständige Bürgerinformationsstelle des Ministeriums gerichtet und warte nun auf Antwort.
 

Subject: Kapitalkreislauf und Kapitaleinsatz beim "Aufbau Ost"

Bundesminister für Verkehr, Bau und Wohnungswesen
Invalidenstraße 44
10 115 Berlin
 

Kapitalkreislauf und Kapitaleinsatz beim "Aufbau Ost"
 

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

seit 1990 hat der Bund mehr als 1 Billion Euro in die Infrastruktur der neuen Bundesländer investiert. Damit sollten v.a. die Voraussetzungen für die Entwicklung einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft im Beitrittsgebiet geschaffen werden. Der größte Teil dieser Investitionen wurde m.W. durch Aufträge an Westfirmen realisiert.

Durch den günstigen Umtauschkurs Mark->DM von 1 : 1 bzw. 1,8 : 1 (anstelle von 4,4 : 1) entstand in den neuen Bundesländern eine erhebliche zusätzliche Kaufkraft, die durch den genannten Infrastruktur-Investitionsschub noch verstärkt wurde. Auch diese private Kaufkraft kam m.W. zum größeren Teil Westfirmen zugute.

Insgesamt dürfte demnach angenommen werden können, daß Unternehmen der alten Bundesländer erheblich mehr an der Abschöpfung der öffentlichen und privaten Kaufkraft in den neuen Bundesländern beteiligt gewesen sind als Unternehmen dieser Länder selbst. Dadurch dürften bei ersteren entsprechende Gewinne entstanden sein, denen entsprechende Defizite und somit Arbeitsplatzverluste in den neuen Bundesländern gegenüberstehen.

Meine Frage lautet jetzt: Verfügen Sie über Daten, durch welche Sie diese Gewinne zu den entsprechenden zurückfließenden Investitionen in Gewerbe- und Industriebetriebe der neuen Bundesländer in Bezug setzen können? Sind Sie durch solche Daten in der Lage, die Funktionsfähigkeit des Kapitalmarktes im Hinblick auf den volkswirtschaftlichen Ausgleich und die Allokation von Produktionsfaktoren und Ressourcen zu den verschiedenen Sektoren und Regionen der Volkswirtschaft zu überprüfen?

Ich denke dabei an folgenden volkswirtschaftlich-monetären Kreislauf:
regionale/sektorale Verschiebungen an den Märkten und im Konsumverhalten -> Entstehung von Kapital durch Gewinne in den Überschußsektoren bzw. durch die Sparquote -> gleichzeitige Entstehung von Arbeitslosigkeit in den entsprechenden defizitären Regionen/Sektoren -> Investitionen in letzteren, d.h. Verwendung der Überschüsse, also der momentanen, einseitigen Mehrabschöpfung an Kaufkraft, um das volkswirtschaftliche Gleichgewicht wiederherzustellen.

Für eine baldige Antwort, möglichst mit Hinweisen auf konkrete Planungsdaten oder Informationsquellen, wäre ich Ihnen sehr verbunden.

Mit freundlichen Grüßen

Per Lennart Aae