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Auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán sprach sich am 20. 2. 2002 in Brüssel für die Abschaffung der Benes-Dekrete aus. Orbán hatte auf eine Frage der Europaparlamentarierin Ursula Stenzel in einem Ausschuß des Europa-Parlaments die Aufhebung der Dekrete vor einem Beitritt der Slowakei und Tschechiens gefordert. Die Benesch-Dekrete richteten sich auch gegen Ungarn, die besonders in der Slowakei ebenfalls enteignet wurden. Aufgrund dieser Aussage haben die Ministerpräsidenten Milos Zeman (Tschechien) und Mikulás Dzurinda (Slowakei) ihre Teilnahme an dem für den 22. 2. 2002 geplanten Gipfeltreffen der vier Beitrittskandidaten (mit Polen) in Ungarn abgesagt. Der tschechische Parlamentspräsidenten Vaclav Klaus erklärte sogar, die Dekrete von 1945/46 sollen in den Beitrittsvertrag zur EU aufgenommen werden. Auf dem geplatzten Treffen wollten die vier EU-Kandidaten Ungarn, Tschechien, Slowakei und Polen eine gemeinsame Haltung zu aktuellen Themen der Beitrittsverhandlungen ausarbeiten. Alle vier sind mit den jüngsten Vorschlägen der EU-Kommission zu den Agrarbeihilfen und Strukturförderungen nicht einverstanden. Bei den Landwirtschaftshilfen sehen die Vorschläge eine Übergangsfrist von zehn Jahren vor, in denen die Brüsseler Zahlungen für die Neuen von 25 Prozent des derzeitigen Niveaus auf das volle Maß angehoben würden. Die Beitrittskandidaten, besonders Polen und die Tschechei, wollen gleich von Anfang an Milliardenbeihilfen kassieren. Bei seinem kürzlichen Besuch in Washington erging es Premier Orbán ähnlich wie der FPÖ-Vizekanzlerin Riess-Passer, er wurde auch nicht von Präsident George W. Bush empfangen. Bei Orbán soll der zunehmende Antisemitismus in Ungarn der Grund gewesen sein. Die US-Botschafterin in Budapest, Nancy Goodman-Brinker, hatte das Überhandnehmen antisemitischer Töne im öffentlichen Diskurs beanstandet. [25. Februar 2002] |
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Bei seinem Aufenthalt in Israel am 17. 2. 2002 erklärte der Premierminister Tschechiens u. a., die Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht sei Terrorismus und empfahl den Israelis weitere Vertreibungen der Palästinenser, offenbar nach Vorbild der Benesch-Dekrete. Israel solle die Palästinenser vor die Wahl stellen, entweder seine Bedingungen zu akzeptieren oder aus ihren Gebieten verwiesen zu werden. Kein Land dürfe mit einem Führer verhandeln, der den Terrorismus unterstütze. Und indem er an das Schicksal der Tschechoslowakei vor und während des Zweiten Weltkrieg erinnerte, hatte Zeman hinzugefügt, Hitler sei "der größte Terrorist der Welt" gewesen. Nach seiner Rückkehr nach Prag bekräftigte Zeman am 19. 2. seine Auffassung, im Umgang mit Terroristen dürfe es keine "Beschwichtigungspolitik" geben. Auch Hitler hätte 1938, als es um die Forderung nach Selbstbestimmung für das von Deutschen besiedelte Sudetenland ging, nicht beschwichtigt werden dürfen, weil dies nur dessen Appetit auf mehr geweckt habe. Er stehe zu dieser Ablehnung der Beschwichtungspolitik, meinte Zeman. [19. Februar 2002] |
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Die 1945 erfolgte Enteignung und Vertreibung der Sudetendeutschen sei immerhin milder als die Todesstrafe gewesen, meinte der Premierminister Tschechiens, Milos Zeman in einem Interview, das er dem Wiener Wochenblatt Profil vom 21. 1. 2002 gab. Hier einige Auszüge: ....profil: Das ist jetzt eine bedenkliche Zuweisung von Kollektivschuld.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der Tschechoslowakei viele unschuldige
Sudetendeutsche umgebracht oder verfolgt, die mit dem Nazi-System nichts
oder nicht viel zu tun hatten. Es gab viele Greueltaten tschechischer Bürger
an Sudetendeutschen.
...Manche Leute, die diese Frage ständig aufwärmen, haben nur die Restitution von Eigentum im Sinn, und das kann sehr gefährlich sein. Ich betone, die Vergangenheit ist abgeschlossen, es gab Gewinner, Verlierer und auch Opfer. Für mich ist wichtig, dass das totalitäre System zerstört wurde, was zehntausende Opfer auf tschechischer Seite gefordert hat. Es ist also ein sehr generöser Akt von uns, wenn wir Österreich anbieten: Lasst uns die Vergangenheit vergessen. Lassen wir die Vergangenheit von Historikern und nicht von Politikern untersuchen. Wenn ihr Österreicher die Vergangenheit auf der politischen Ebene aufrollen wollt, dann erkläre ich nun bereits zum dritten Mal in diesem Interview: Sie waren nicht das erste Opfer, sondern der erste Unterstützer des meistverbrecherischen Systems in der Geschichte der Menschheit. Bitte denken Sie zuerst darüber nach. Zur Temelin-Frage meinte Zeman folgendes:
...Es wäre gut, wenn ihr Haider und seine postfaschistische
Partei möglichst schnell wieder loswerdet. Das ist natürlich
eure Angelegenheit. Wir hatten hier dasselbe Problem mit dem populistischen
Führer, Herrn Sladek, Chef der Republikanischen Partei. Wir haben
ihn komplett besiegt. Er ist heute ohne jegliche politische Bedeutung.
[21. Januar 2002] |
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Am 26. August 2000 hat auch Verteidigungsminister Herbert Scheibner (FPÖ) bekräftigt, daß ein Beitritt Tschechiens und Sloweniens nur nach Aufhebung der Benes-Dekrete bzw. AVNJO - Beschlüsse in Frage komme. Im Magazin "Format" erklärte er, diese Länder sollten nicht in die EU aufgenommen werden, solange sie an den nach 1945 erlassenen Dekreten zur Enteignung und Vertreibung Deutscher festhielten. Das von Benita Ferrero-Waldner von der konservativen Volkspartei (ÖVP) geführte Außenministerium hatte hingegen behauptet, es gebe keine Verbindung zwischen den Dekreten und den Aufnahmekriterien für Slowenien und Tschechien. Scheibner widersprach dieser Position. Beide Staaten sollten zunächst Passagen ihres Rechtssystems tilgen, die die Grundlage für die Vertreibung und den Mord an Hunderttausenden Menschen gelegt hätten, zitierte "Format" den FPÖ-Politiker. Falls sich in Tschechien und Slowenien keine Mehrheit für die Aufhebung der Dekrete finde, seien beide Staaten nicht reif für die EU, sagte Scheibner. Die Regierung in Prag hatte nach dem Zweiten Weltkrieg mit den sogenannten
Benes-Dekreten die Vertreibung und Enteignung von
Die von FPÖ-Politikern entfachte Debatte um die EU - Osterweiterung geht mit Berichten einher, die Sanktionen der EU gegen Österreich könnten bald aufgehoben werden. Der von der EU beauftragte Weisenrat will nach Informationen der Zeitung "Welt am Sonntag" ein Ende der gegen Österreich verhängten Sanktionen empfehlen. Wie das Blatt unter Berufung auf "gut informierte Brüsseler Kreise" berichtete, will der Weisenrat am Freitag eine abschließende Entscheidung treffen. Es bestehe kein Zweifel, dass er sich für eine Aufhebung der Sanktionen aussprechen werde. Der Rat soll die Lage der Menschenrechte in Österreich und die Entwicklung der rechten FPÖ prüfen. Die 14 EU-Partner Österreichs hatten nach dem Eintritt der FPÖ in die Regierung im Februar ihre Beziehungen zu Österreich eingefroren, um einen Ausschluß der FPÖ aus der Regierung zu erreichen. Die Aufhebung der Sanktionen könnte auch dazu dienen, Österreich von der angedrohten Ausübung des Vetorechtes gegen die Osterweiterung abzubringen. Scheibner steht mit seiner Haltung in Widerspruch zur ÖVP- Linie, die zwar ebenfalls die Dekrete gerne aufgehoben sehen würde, allerdings erst nach einem EU - Beitritt Tschechiens und Sloweniens dagegen beim Europäischen Gerichtshof vorgehen will. Scheibner geht auch bewußt auch auf Konfrontationskurs mit VP- Außenministerin Ferrero-Waldner. Sie verkündete vor kurzem offiziell, daß die von der FPÖ geforderte Junktimierung des EU-Beitritts mit der Aufhebung der Dekrete ausgeschlossen sei. Scheibner will die Frage aber unbedingt vor dem Beitritt gelöst haben: „Wenn wir den Auftrag der EU ernstnehmen, die eine Gemeinschaft von humanistischen, demokratischen Staaten sein will, dann muß klar sein, daß es eine essentielle Voraussetzung für einen Beitrittskandidaten ist, daß in dessen Rechtsordnung keine Dinge mehr vorhanden sind, die die Grundlage zur Vertreibung und Ermordung Hunderttausender Menschen gewesen sind." Schon am Dienstag könnten die Differenzen zwischen FPÖ und ÖVP erste Konsequenzen haben. Im Ministerrat wird über die Zukunft des Regierungsbeauftragten für die EU- Osterweiterung, Erhard Busek, entschieden. Die FPÖ wirft Busek neben kritischen Äußerungen zur blauen Politik auch ein inhaltliches Abweichen von Koalitionsbeschlüssen vor. Busek hatte die Aufhebung der Benes- und AVNOJ- Beschlüsse als „bilaterales Problem" bezeichnet und damit möglicherweise die BRD als Verzichtpartner der beiden Länder gemeint. [27. August 2000] |