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Der Putschversuch vom 25. Juli 1934 in Österreich
Die österreichischen Nationalsozialisten versuchten, auch in Österreich
die Macht auf demokratischen Wege zu erringen. Anfang der 1930er Jahren
erlebte die NSDAP in Österreich einen ungeheuren Aufschwung. Bei den
Gemeinderatswahlen in Innsbruck am 23. April 1933 erhielten sie z. B. 41,2
Prozent der Stimmen. Die Aussicht auf einen baldigen Verlust ihrer Parlamentsmehrheit
veranlaßte die Christlichsozialen (CSP), durch einen von langer Hand
vorbereiteten verfassungspolitischen Trick die Macht per "Kriegswirtschaftlichem
Ermächtigungsgesetz" zu übernehmen und die Wahlen einfach abzuschaffen.
Ein Versuch der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), sich dagegen
zu wehren wurde von der Christlichsozialen Regierung unter Bundeskanzler
Dollfuß mit zahlreichen Todesopfern bei Kämpfen und Hinrichtungen
im Februar 1934 blutig niedergeschlagen. Unliebsame Politiker wurden in
das christlichsoziale Konzentrationslager Wöllersdorf (Niederösterreich)
eingeliefert und die SDAP verboten. Nachdem am 19. Juni 1934 auch die NSDAP
verboten wurde, versuchten im Juli 1934 einzelne Gruppen der Nationalsozialisten
am 25. Juli 1934 das undemokratische Dollfuß-Regime zu stürzen.
Der nationalsozialistische Putschversuch in Österreich begann mit
dem Eindringen von 154 als Soldaten des Bundesheeres und Polizisten verkleideten
Nationalsozialisten in das Bundeskanzleramt am Wiener Ballhausplatz. Der
Plan war verraten worden und scheiterte. Bei seiner Flucht aus dem Bundeskanzleramt
wurde der Diktator Engelbert Dollfuß unter ungeklärten Umständen
von 2 Schüssen getroffen, Dollfuß verblutete anschließend,
da angeblich kein Arzt vorgelassen wurde. Gleichzeitig drang eine Gruppe
von Rebellen in die Wiener Senderäume der RAVAG ein und ließ
die Meldung verlesen, daß Dollfuß die Regierungsgeschäfte
an Anton Rintelen, damals österreichischer Botschafter in Rom,
übergeben habe. Dies sollte das Zeichen für den Aufstand der
Nationalsozialisten in ganz Österreich sein, der dann in einigen Teilen
von Oberösterreich, der Steiermark und Kärnten zu mehrtägigen
Kämpfen führte. Kleinere Aktionen gab es in Salzburg. Die übrigen
räumlichen Schwerpunkte der Aufstandsbewegung lagen im oberen Ennstal,
im Industriegebiet des oberen Murtales, im Raum Sinabelkirchen-Ilz-Hartmannsdorf
sowie entlang des Grenzraumes zwischen Straß und Radkersburg und
im Südburgenland. Die Stärke der in der Steiermark aufgebotenen
NS-Formationen und die Intensität der Kampfhandlungen wurden nur noch
in Kärnten übertroffen. In Oberösterreich und Salzburg ereigneten
sich Kampfhandlungen nur vereinzelt, in Niederösterreich, Tirol und
Vorarlberg unterblieben solche völlig.
Gefangene Nationalsozialisten im November 1934 im KZ Wöllersdorf
(Niederösterreich)
Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurden zwecks Aburteilung der
Beteiligten am 26. Juli 1934 Militärgerichte geschaffen. Den in Wien
gefangenen Rebellen wurde zunächst freies Geleit bis zur Grenze versprochen,
wenn sich derjenige meldet, der auf Dollfuß geschossen hat, sollte
sich niemand melden, würde jeder zehnte erschossen. Daraufhin meldete
sich Planetta. Das Versprechen wurde nicht eingehalten, 13 Personen wurden
nach Verurteilung durch Standgerichte ermordet, darunter Otto Planetta
und Friedrich Holzweber, etwa 4000 Aufständische wurden in das KZ
Wöllersdorf und andere Anhaltelager eingewiesen, viele flüchteten
nach Jugoslawien und ins Altreich, wo sie sich der „Österreichische
Legion“ anschlossen. Auf Regierungsseite forderten die Kämpfe 107
Todesopfer, auf Seite der Aufständischen 140 Tote. Verletzt wurden
insgesamt 500-600 Menschen. Botschafter A. Rintelen, der am Putsch garnicht
beteiligt war, wurde wegen "Hochverrates" zu lebenslänglicher Haft
verurteilt.
Hitler, der am 25. 7. 1934 gerade bei den Bayreuther Festspielen weilte,
dürfte vom Putsch nicht informiert gewesen sein, angeblich sollen
aber Botschaftsangehörige in Wien davon gewußt haben. Nach dem
Putschversuch kam es nicht nur zu gewissen Spannungen zwischen jenen NS-Parteigrößen,
die ins Reich geflüchtet waren und von dort aus die Geschehnisse in
Österreich weiter zu beeinflussen suchten, und den in Österreich
verbliebenen, die hier die illegale Parteiarbeit organisierten, sondern
auch zu einer Spaltung in Gegner und Befürworter des illegalen Kampfes
mit gewaltsamen Mitteln. Es setzte sich überwiegend die Meinung durch,
keine Gewalt mehr einzusetzen und auf das Ende der CSP-Diktatur durch Druck
von außen zu warten. Die spektakulärsten Aktionen waren überwiegend
das Verteilen von Flugblättern und das Hissen von Hakenkreuzfahnen
(mittels in die Fahnenstange eingebauten Uhrwerkes) von diversen öffentlichen
Gebäuden und Kirchtürmen.
[25. Juli 2004] |