|
Der Herero-Aufstand in Deutsch-Südwestafrika
Vor dem Staatsbankrott stehende deutschsprechende Sühne-Politiker
reisen seit Jahren durch die Welt, um Schuldbekenntnisse zu angeblichen
oder wirklichen Verbrechen von Deutschen abzugeben und damit zu weitere
Milliardenforderungen an sog. Wiedergutmachungszahlungen bzw. zum Behalt
von Diebesgut einzuladen. Kürzlich bekannte sich Kanzler Schröder
in Warschau schuldig, während sich gleichzeitig polnische Truppen
an der Ermordung irakischer Zivilisten und Widerstandskämpfer in Najaf
beteiligen, anschließend bekannte sich Polizeiminister Schily in
Italien (sogar auf italienisch) schuldig, während gleichzeitig italienische
Truppen ebenfalls die Ermordung irakischer Zivilisten und Freiheitskämpfer
unterstützen.
Natürlich ist jeglicher Zweifel an der deutschen Alleinschuld an
Verbrechen absolut unzulässig, da dies sofort eine Anklage wegen "Volksverhetzung"
bzw. "Wiederbetätigung für den Nationalsozialismus" zur Folge
haben würde. Die Frage ist, ob man bei Zweifel an angeblichen deutschen
Verbrechen, die vor der Herrschaft des Nationalsozialismus begangen wurden,
auch vor Gericht gezerrt werden kann. Solche Zweifel werden nämlich
an den Behauptungen der Entwicklungshilfeministerin der BRD geäußert,
die kürzlich eine deutsche Alleinschuld an der angeblichen Ermordung
von 60000 Herero-Aufständischen in Deutsch-Südwestafrika feststellte.
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SP) erklärte
am 14. 8. 2004: "Wir Deutschen bekennen uns zu unserer historisch-politischen,
moralisch-ethischen Verantwortung und zu der Schuld, die Deutsche damals
auf sich geladen haben. Ich bitte Sie im Sinne des gemeinsamen Vaterunsers
um Vergebung unserer Schuld."
Der Historiker Dr. C. Nordbruch ist anderer Meinung und hat seine Forschungsergebnisse
bereits vor einiger Zeit in Buchform herausgegeben.
Der Hererokrieg 1904 war der erste Partisanenkrieg des letzten Jahrhunderts.
Im damaligen deutschen Schutzgebiet probten die Herero den Aufstand gegen
die deutsche Schutzmacht.
Bei der berühmten Schlacht am Waterberg kämpften beide Seiten
einen erbitterten Kampf. Die Herero flohen in die wasserlose Omaheke. Ein
Jahrhundert später fordern ihre Nachfahren Wiedergutmachung von Deutschland.
Das Buch Nordbruches enthüllt schonungslos Lüge und Wahrheit
und macht Schluß mit der Völkermordthese.
Auszug aus dem Vorwort
Als das Volk der Herero sich im Januar 1904 gegen die deutsche Obrigkeit
in Deutsch-Südwestafrika erhob, einem Land, das mit über 820.000
km² eineinhalb mal größer ist als das Deutsche Reich in
seinen Grenzen von 1914, dachte man weder in Berlin noch in Windhuk daran,
daß sich aus dieser Aufruhr der Krieg der deutschen Kolonialgeschichte
entwickeln würde. Man hatte von deutscher Seite her weder das Grundmotiv
für den Aufstand noch die Qualität der Hererokrieger richtig
eingeschätzt. Es handelte sich eben nicht um das Aufbegehren einiger
Flitzebogenwilder, die aus einer Laune heraus ihren niederen Gelüsten
freien Lauf ließen. Es handelte sich um nichts weniger als um den
Existenzkampf eines Volkes. Wie naiv deutscherseits anzunehmen, daß
der Aufstand mit der - wenn auch heroischen - Entsetzung einiger Stationen
und Ortschaften bereits im Februar so gut wie niedergeschlagen worden sei!
Der Militärchronist Hauptmann Maximilian Bayer gibt diese Fehleinschätzung
treffend wieder: "Was Wunder, wenn viele von uns sich einbildeten, die
Hauptarbeit sei getan, nun käme noch ein rasches Siegen gegen den
minderwertigen Gegner, und dann, sagen wir nach einem Vierteljahr, sei
alles vorüber und abgetan; dann hänge man die Mörder, stelle
den Frieden her und folge wieder heim." Wie naiv andererseits von den Herero
anzunehmen, daß die zur Verfügung stehende militärische
Macht des Deutschen Reiches sich mit der Anwesenheit von rund 700 Soldaten
der Schutztruppe bereits erschöpft haben würde!
Die deutsche Geschichte ist nach den Worten des ehemaligen deutschen
Bundeskanzlers Helmut Schmidt kein Verbrecheralbum. Richtig! Und dies gilt
für die Geschichte Deutsch-Südwestafrikas nicht minder. Geschichtsschreibung,
will sie die tatsächlichen Geschehnisse und Ereignisse sowie deren
Ursachen und Folgen darlegen, und mit ihren Schlußfolgerungen nicht
nur um die Gunst des gerade angesagten Zeitgeists buhlen, kann keine Rücksicht
auf einschränkende, den Sachverhalt verfälschende Tabus nehmen.
Genau diese Unterschlagungen gehören jedoch oftmals zum festen Bestandteil
der gängigen Auseinandersetzung. Ein gewisses Anbiedern hat sich inzwischen
bei vielen Zeitgenossen als selbstverständliche Geisteshaltung eingenistet.
Wir wollen uns mit dieser ärmlichen Einstellung nicht zufrieden geben.
Vielmehr wollen wir im folgenden Geschichte eben nicht als eine im Dienste
vergänglicher Ideologien stehende, abstrakte Vergangenheitsinterpretation
abtun, sondern Geschichte als unabdingbaren Nährboden begreifen, auf
dem die Zukunft gedeiht, die heute bereits gesät wird. Wir wollen
uns bemühen, Geschichte gewissermaßen ganzheitlich zu erfassen.
Das stolze Volk der Herero hat dies längst begriffen: Sie ehren heute
noch ihre Ahnen - auch jene, die zu Lebzeiten in Mißgunst gefallen
sind, und erhalten so das eherne Band zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Die Betrachtungsweise, mit der man dem Hererokrieg begegnete und über
ihn berichtete, erlebte in den vergangenen 100 Jahren massive Wandlungen.
Im Wilhelminischen Zeitalter waren oftmals allzu unkritische Darstellungen
üblich. Über die von Herero an Deutschen begangenen Verstümmelungen
behauptete beispielsweise der Kriegsteilnehmer Peter Rossa: "Mit den Toten
und Verwundeten beschäftigten sich hauptsächlich die Weiber,
die ihnen die Geschlechtsteile, Herz usw. vom Körper abtrennten, mit
Rindfleisch vermengt kochten und verzehrten, um nach Ansicht der Eingeborenen
sich deutschen Mut anzufressen." Der aufmerksame Leser findet in der Literatur
des Kaiserreichs auch eine Fülle von Phantastereien, die als Tatsachen
oder Selbsterlebnisse suggeriert werden: "Mich ängstigten immer seine
Erzählungen von wilden Tieren, welche der Werft nächtliche Besuche
abstatteten. Erst war es ein Tiger, der sich einige Male Lämmer holte
[...]" Selbst einem erfahrenen und an den Kämpfen maßgeblich
beteiligten Offizier, Oberst Berthold von Deimling, widerfuhr ein derartiger
Schnitzer, als er während einer Rede 1906 allen Ernstes behauptete:
"Löwen und Tiger gibt es nur noch in der Kalahari." Ein anderer Offizier
berichtet in seinen "Erinnerungen" über mit Bajonetten aufgespießte,
"fast zwei Meter" lange Puffottern und verkauft mehrfach seinen Lesern
die Python als "die gefährlichste Giftschlange in Deutsch-Südwestafrika"!
Über all diesen Mumpitz könnte man nun lächelnd hinwegsehen,
wenn nicht auch vielfach bei historischen Ereignissen derartiger Unsinn
verzapft worden und in Bücher mit teilweise enormer Auflagestärke
als "Wahrheit" eingegangen wäre.
Die Publikationen über die deutsche Kolonialgeschichte in der BRD
während der fünfziger und frühen sechziger Jahre hatten
dagegen einen oft eher nostalgischen Klang. Oskar Hintrager beispielsweise
attestiert einem ehemaligen Offizier aus der Schweiz, der sich in Karibib
freiwillig der Kompanie Franke angeschlossen hatte, daß er "durch
seine Waffenbrüderschaft bekundete, daß in Afrika in Zeiten
der Gefahr alle Weißen zusammenstehen müssen" und ermahnt die
Ovambo nach ihrem Überfall auf Namutoni, "daß es keine leichte
Sache ist, gegen die Deutschen Krieg zu führen." Mit Anbruch der siebziger
Jahre mutierte die Geschichtsschreibung mehr und mehr zu "progressiveren"
Formen, die sich im Laufe der achtziger und neunziger Jahre durch die sogenannte
politische Korrektheit noch verstärkten und heute tonangebend sind.
Wie war dieser Wandel möglich?
Die Überbleibsel des Archivs des ehemaligen Reichskolonialamtes
lagen seit dem Ersten Weltkrieg in Potsdam und waren nach 1945 zunächst
für deutsche Wissenschaftler überhaupt nicht zugänglich.
Ab 1955/56 wurden sie wenigstens für Historiker der DDR geöffnet,
ohne daß diese allerdings erschöpfende Forschungsarbeit betrieben.
Ihre Ergebnisse blieben weit hinter den Erwartungen zurück, die man
angesichts der Fülle des auszuwertenden Materials hätte erwarten
dürfen. Die ehemalige - im übrigen links, will sagen progressiv
eingestellte - Nationalarchivarin in Windhuk, Frau Brigitte Lau, spricht
diesen Zeitgeschichtlern denn auch mit Recht Kenntnisse über das Land
selbst ab. Keiner von ihnen hatte sich je mit den geographischen, meteorologischen
und demographischen Verhältnissen Südwestafrikas vertraut gemacht
, geschweige denn menschliche Beziehungen im Lande aufgebaut. Die meisten
hatten Südwest noch nicht einmal besucht.
Es wäre allerdings ein naives Unterfangen, würde man sich
ernsthaft zu der Behauptung versteifen, die Leistungen der westdeutschen
Historiker seien erschöpfender gewesen als die Ergebnisse ihrer mitteldeutschen
Kollegen: Die BRD-Historiker, denen der Zugang zum ehemaligen Reichsarchiv
verwehrt wurde, machten es sich meist recht bequem und übernahmen
oft ohne vorherige Prüfung die im Sinne der SED-Ideologie ausgerichteten
Thesen ihrer Kollegen aus der DDR. Ein solches Tun spricht nun nicht gerade
für ein ernstzunehmendes Berufsethos. Dies ist für unsere Arbeit
freilich sekundär. Wesentlich bleibt aber, daß auf diese Weise
die marxistischen oder "fortschrittlichen" - und immer antideutschen! -
Ansichten auch Zugang in westdeutsche Schul- und Sachbücher gefunden
haben.
Der einflußreichste jener Geschichtswissenschaftler aus der DDR
war Horst Drechsler, der Mitte der 1950er Jahre begann, die Akten des ehemaligen
Deutschen Reichskolonialamtes auszuwerten und nach staatlich gewünschter
Vorgabe zu interpretieren. Originalton Drechsler: "Wenn die nationale Befreiungsbewegung
in den kolonialunterdrückten Ländern sowie der Zusammenbruch
des imperialistischen Kolonialsystems auf dem XXII. Parteitag der KPdSU
als bedeutendstes welthistorisches Ereignis nach der Sozialistischen Oktoberrevolution
und der Entstehung des sozialistischen Weltsystems eingeschätzt worden
sind, legt diese Einschätzung den fortschrittlichen Historikern die
Verpflichtung auf, sich nicht nur mit der nationalen Befreiungsbewegung
und dem Zusammenbruch des imperialistischen Kolonialsystems in der zweiten
und dritten Etappe der allgemeinen Krise des Kapitalismus zu beschäftigen,
sondern den verhaßten Kolonialismus in allen seinen Spielarten zu
entlarven. So haben die marxistischen Historiker der Deutschen Demokratischen
Republik in den letzten Jahren eine Reihe von Arbeiten vorgelegt, in denen
sie an Hand der Akten des Reichskolonialamtes die Kolonialpolitik des deutschen
Imperialismus vor dem ersten Weltkrieg analysierten. Damit leisteten sie
zugleich den Afrikanern eine besondere Form der Hilfe, indem sie ihnen
bei der Herausbildung ihres nationalen Geschichtsbildes halfen."
Drechsler veröffentlichte zwei "akademische" Schriften zur Geschichte
Deutsch-Südwestafrikas. Da sie vielfach zu keinen neuen Erkenntnissen
führten, teilweise sogar im exakten Wortlaut zueinander verfaßt
waren und sich vor allem durch Unsachlichkeit und Verdrehungen auszeichneten,
müßte man die Anforderungen, die an eine Habilitationsarbeit
gestellt werden, neu definieren. Bezeichnenderweise wurden diese Publikationen
immer wieder, auch in Westeuropa, als Standardwerke suggeriert. Diese Leichtfertigkeit
hat wesentlich zur heutigen Einseitigkeit über die deutsche Kolonialgeschichte
beigetragen.
Jenes durch seine Einseitigkeit und ideologische Dogmatik gekennzeichnete
und seit Jahrzehnten vorherrschende Bild hinterläßt beim unvoreingenommenen
Leser mehr und mehr den schalen Geschmack von Unglaubwürdigkeit und
Übersättigung. Helga und Ludwig Helbigs Schrift Mythos Deutsch-Südwest
beispielsweise ist getränkt von inflationär gebrauchten und abgedroschenen
Schlagworten wie Völkermord, Faschismus, deutsche Gewaltherrschaft,
Ausrottungspolitik und natürlich Holocaust. Wolfgang Mayer, einem
"Redakteur einer großen Tageszeitung und Mitarbeiter einer historischen
Zeitschrift", Franz Metzger, "Chefredakteur einer historischen Zeitschrift"
und Jürgen Wilhelmi "Verfasser zahlreicher Artikel und Beiträge
zur Geschichte, von Rezensionen und wissenschaftlichen Arbeiten" kann man
zu geistigen Ergüssen wie diesen nur gratulieren: "Für von Trotha
waren die Aufständischen nichts als eine Horde wildgewordener 'Nigger',
deren Rebellion nur durch die Vernichtung angemessen bestraft werden konnte."
Ein überzeugender Beleg sachlicher Publizistik - vom Wert der Wissenschaftlichkeit
ganz zu schweigen. Da wirkt es dann schon nebensächlich, daß
die Herren Wissenschaftler und Redakteure noch nicht einmal den Namen des
kriegführenden Oberhäuptlings der Herero richtig schreiben können.
Wenn wundert es bei soviel geistiger Größe noch, daß es
selbstredend auch möglich ist, mit einer Dissertation The Herrenvolk
Mentality in German South West Africa 1884-1914 zu promovieren!? [...]
Das ist jedoch nicht die einzige Schwierigkeit, mit der wir uns konfrontiert
sehen: Leider findet es sich in der Sekundärliteratur (auch und gerade
bei solchen Büchern, die als "Standardwerke" gelten) immer wieder,
daß Zitate - häufig sogar gravierend! - falsch wiedergegeben
werden. Es wurde deshalb wenn irgend möglich versucht, die Originalquellen
einzusehen. Dies ist nicht immer gelungen. Wir können uns deshalb
bei Zitaten, die in der Sekundärliteratur wiedergegeben werden ("Zitiert
nach ..."), nicht dafür verbürgen, daß diese auch tatsächlich
dem Original getreu entnommen worden sind, und geben sie deshalb lediglich
nach bestem Wissen und Gewissen wieder. Um das Lesen zu erleichtern, werden
Eigennamen durchgehend einheitlich wiedergegeben. Der Verfasser hat sich
für folgende Schreibweisen entschieden: Nicodemus statt Nikodemus,
Otjimbingwe statt Otjimbingue, Ovambo statt Owambo und Oviumbo statt Owiumbo.
Sofern hiervon Zitate betroffen sind, wurde der entsprechend angeglichene
Buchstabe kursiv gedruckt, um die Veränderung zum Original anzudeuten.
Dem Unverständnis und Unwissen vieler Deutscher zur Zeit des Wilhelminischen
Kaiserreiches nicht unähnlich, macht man sich selbstverständlich
auch in der vom Spaß- und Schuldsyndrom befallenen G'sellschaft der
BRD keine Vorstellungen über die Strapazen der jungen, meist unerfahrenen
Soldaten der Kaiserlichen Schutztruppe und ihrer Kameraden von der Marineinfanterie.
Man hat im allgemeinen keinen blassen Schimmer von den übermenschlichen
Leistungen dieser Männer. Aber auch das unermeßliche Leid, das
über die Herero gekommen war, wird in der gängigen Literatur
meist nicht unter dem menschlichen Aspekt behandelt, was man eigentlich
erwarten sollte, sondern wird lediglich aus der Position der Ankläger
gegen Deutschland dargestellt. Es geht vielen Publizisten denn auch weniger
um eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Herero, als
vielmehr darum, dieses gegen eine andere Nation, die deutsche nämlich,
zu mißbrauchen. Angewandt wird diesbezüglich eine ebenso einfache
wie falsche Faustregel: hier die Eingeborenen in der Rolle der unschuldigen
Opfer, dort die Deutschen als ewige Aggressoren und Unterdrücker.
In der "Bewältigungsliteratur" der BRD wird bezüglich des Hereroaufstandes
und der Niederschlagung desselben denn auch mit erhobenem Zeigefinger auf
ein selbstredend "dunkles Kapitel" deutscher Kolonialgeschichte verwiesen.
Mit dieser schon obligatorischen Betroffenheitshaltung wird jedoch übersehen,
daß diese zwar mit den Anforderungen des augenblicklichen Zeitgeists
konform gehen mag und auch politisch korrekt sein dürfte, aber mit
historischer Wahrhaftigkeit und einem ausgeprägten Geschichtsbewußtsein
nichts gemein hat. Die zur Norm gewordene einseitige Schuldzuweisung ist
reine Schwarzweißmalerei. Wir wollen ihr hiermit entschlossen entgegentreten.
Dem daraufhin einsetzenden Tadel des politisch korrekten Berufsgutmenschentums
will ich mich gern stellen.
Aus den Rezensionen
Claus Nordbruch hat mit dieser Studie über den Hereroaufstand nicht
nur eine minutiöse Darstellung der Ereignisse und ihrer Vorgeschichte
vorgelegt, sondern auch eine sachliche Richtigstellung jener Legenden,
die die Spuren deutscher Menschheitsverbrechen auch im südlichen Afrika
wittern. Nordbruch weist nach: weder gab es den von den späteren Alliierten,
aber auch von linksgestrickten Nachkriegshistorikern behaupteten »Vernichtungsbefehl«
des deutschen Oberbefehlshabers von Trotha noch die Phantasiezahl von über
80.000 umgekommenen Einheimischen.
Nordbruchs Studie schließt eine Lücke in der Historiographie
der ehemaligen deutschen Kolonien. Lob verdient das sauber recherchierte
Werk überdies wegen seiner reichen Bebilderung.
Nation & Europa
Im ehemaligen Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika probte das stolze
Volk der Herero 1904 den Aufstand gegen die deutsche Schutzmacht, die Kaiserliche
Schutztruppe. Der Hererokrieg war der erste Partisanenkrieg des XX. Jahrhunderts,
der mit unerbittlicher Härte ausgetragen wurde. Die berühmte
Schlacht am Waterberg im August 1904 stellte den Höhepunkt des Kampfes
dar. Die Herero flohen letztlich in die wasserlose Wüste Omaheke.
100 Jahre später fordern namibische Politiker Wiedergutmachung von
Deutschland.
Kuaima Riruako, nicht uneingeschränkt akzeptierter »Häuptling«
des Volkes der Herero, beabsichtigt die Deutsche Bank und die Reederei
Deutsche Afrika Linie wegen »Versklavung, Völkermord und Raub«
vor einem Bundesgericht in Washington auf zwei Milliarden Dollar Entschädigung
zu verklagen. Die Chance, vor einem amerikanischen Gericht Recht zu bekommen,
hält er für »möglich, denn wir gehen ja denselben
Weg wie die Juden. Der Genozid an unserem Volk war Vorreiter des Holocaust.«
. Starker Tobak, der es wert ist, einer Analyse unterzogen zu werden. Diese
vollzieht der unkonventionelle deutsch-südafrikanische Publizist Dr.
Claus Nordbruch in seinem flüssigen Schreibstil jenseits von Denkverboten
und Tabuvorgaben.
Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat gerade der Aufruf an das Volk
der Herero vom 2. Oktober 1904 des deutschen Befehlshabers General Lothar
v. Trotha immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen geführt. Im
günstigsten Falle hieß es, daß es sich hierbei um einen
Schießbefehl gehandelt habe. Meist war die Ausgangsposition jedoch,
daß dieser Aufruf ein Befehl zur Völkervernichtung gewesen und
damit der Grundtenor der politisch-militärischen Intention v. Trothas
bewiesen sei: Er »steckte sich zum Ziel, die Herero auszurotten.«
Und deshalb stehe selbstredend fest: »Die Herero wurden die Opfer
eines verbrecherischen Staates, der jene beseitigte, die seinen wirtschaftlichen
Interessen im Wege standen.« Ob explizit darauf hingewiesen oder
lediglich unbewußt miteingearbeitet, die meisten dieser voreiligen
bzw. diffamierenden Urteile fußen, wie Nordbruch eindrucksvoll belegt,
erstens auf den Behauptungen der englischen Kriegspropaganda unmittelbar
nach dem ersten Weltkrieg und zweitens auf einseitigen Darstellungen marxistisch-leninistischer
Historiker und Publizisten. Diese meist unsachlichen, teilweise sogar volkverhetzenden
Darlegungen und Mutmaßungen, wurden von vielen Verfassern der gängigen
bundesdeutschen und österreichischen Literatur teils aus Leichtsinnigkeit,
teils weil sie in die eigene Ideologie passen, unkritisch übernommen.
Nordbruchs Schlußfolgerung:
* Tatsache ist, daß Anfang Oktober die Lage
der deutschen Schutztruppe bedrohliche, ja geradezu katastrophale Ausmaße
erreicht hatte: Seit der Schlacht am Waterberg nahmen durch eklatanten
Nahrungs- und Wassermangel verursachte gefährliche Erkrankungen, wie
z.B. Typhus, Ruhr, Herzmuskelschwäche, akute Magen- und Darminfektionen,
unter den Angehörigen der Schutztruppe explosionsartig zu. Darüber
hinaus starben zu Hunderten Pferde, Maultiere und Zugochsen, so daß
man mit weiteren lebensbedrohlichen Transportengpässen konfrontiert
wurde. Die so dringend benötigten Verpflegungstransporte blieben wegen
Erschöpfung der Tiere oft tagelang liegen. Die direkte Folge war ein
akuter Mangel an Nahrung, Wasser und Medikamenten. Dieser Notstand verursachte
ein erneutes Ansteigen der Infektionsrate.
* General von Trotha hatte mit dem Ausgang der Schlacht
am Waterberg sein Kriegsziel nicht erreicht. Die Behauptung, daß
der Aufruf als ein »Eingeständnis des Mißerfolges«
und »als ohnmächtige Reaktion des deutschen Befehlshabers im
Hinblick auf diese Lage angesehen werden« könne, wird nicht
völlig zu Unrecht gemacht. Tatsächlich entspricht der pathetische
Wortgebrauch des Aufrufes aber der Ausdrucksweise jener Tage. In der sogenannten
Hunnenrede des Kaisers anläßlich der Verabschiedung des deutschen
China-Korps am 27. Juli 1900 in Bremerhaven hieß es u.a.: »Eine
große Aufgabe harrt eurer: ihr sollt das schwere Unrecht, das geschehen
ist, sühnen. Die Chinesen haben das Völkerrecht umgeworfen, sie
haben in einer in der Weltgeschichte nicht erhörten Weise der Heiligkeit
des Gesandten, den Pflichten des Gastrechts Hohn gesprochen. [...] Ihr
wißt es wohl, ihr sollt fechten gegen einen verschlagenen, tapferen,
gut bewaffneten, grausamen Feind. Kommt ihr an ihn, so wißt: Pardon
wird nicht gegeben. Gefangene werden nicht gemacht. Führt eure Waffen
so, daß auf tausend Jahre hinaus kein Chinese mehr es wagt, einen
Deutschen scheel anzusehen.«
* Die Herero trugen nicht wie Kombattanten in Europa
Uniformen, sondern traten im »Räuberzivil« auf. Man begegnete
ihnen überall, im dichten Buschfeld ebenso wie auf Farmen, tagsüber
und nachts - es war äußerlich nicht erkennbar, ob es sich um
einen friedlichen Menschen handelte oder um einen Partisan. Es gab immer
wieder Patrouillen, denen dieser Umstand zum tödlichen Verhängnis
wurde. Folglich ist die Proklamation Trothas auch in diesem Sinne als eine
Art Schutz gegenüber der eigenen Truppe zu verstehen.
* General Lothar v. Trothas »Aufruf an das
Volk der Herero« war kein »Völkervernichtungsbefehl«.
Vielmehr handelte es sich um eine dem pathetischen Vokabular der Jahrhundertwende
entsprechende psychologisch-propagandistische Erklärung eines sich
der Notlage seiner eigenen Truppe bewußten verantwortungsvollen Offiziers,
der sein eigentliches militärisches Ziel am Waterberg verfehlt hatte.
Zu ungerechtfertigten Gewaltanwendungen, zu Exzessen en gros oder gar zu
einem »Völkermord« ist es von deutscher Seite her nicht
gekommen.
Der Hereroaufstand 1904 ist ein für jeden geschichtsinteressierten
Leser eine wertvolle Quelle, die beide Seiten zu Wort kommen läßt
und die Gründe, die zu diesem grausamen Krieg führten, seinen
bewegten Verlauf und seine einschneidenden Konsequenzen darlegt. Entgegen
fragwürdiger Denkschablonen der Politischen Korrektheit basiert Dr.
Nordbruchs These auf der Erkenntnis des großen Gelehrten Wilhelm
von Humboldt: »Der Historiker muß sich in das Innere der Personen
und Epochen, mit denen er zu tun hat, hineinversetzen, wenn er mehr als
eine zusammenhanglose Aufzählung äußerer Ereignisse bieten
will.« Damit belegt Dr. Nordbruch mit seinem neuesten Buch nicht
zuletzt die Richtigkeit eines Bekenntnisses des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers
Helmut Schmidt, der den Mut fand zu erklären, daß die deutsche
Geschichte kein Verbrecheralbum ist. Dies gilt für die Geschichte
Deutsch-Südwestafrikas nicht minder.
Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung
Nüchtern und ohne ideologische Scheuklappen schildert Nordbruch
Ursachen und Verlauf des Aufstandes der Herero im ehemaligen Schutzgebiet
Deutsch-Südwest-Afrika gegen die deutsche Schutzmacht im Jahre 1904.
Der Autor trägt alle Argumente und Gegenargumente zusammen. Ihm gelang
anhand von Dokumenten und Aussagen ehemaliger Angehöriger der deutschen
Schutztruppe der Nachweis, daß die nach dem I. Weltkrieg entstandene
These vom geplanten Völkermord an den aufständischen Herero,
in der immer wieder vorgetragenen Form historisch unhaltbar ist.
Nachrichtenblatt des Traditionsverbandes ehemaliger Schutz- und Überseetruppen
Der Hereroaufstand 1904
Stegen am Ammersee: Vowinckel 2002
Großformat, geb., viele Abb.154 Seiten
ISBN 3-934531-11-3
Preis: 25,80 € - R240,00
[14. August 2004]
Interview
mit Dr. Claus Nordbruch >> |