500000 Euro Strafe für Judenwitze

Während man Witze über z. B. Ostfriesen, Burgenländer oder Polen gratis erzählen darf, soll neuerdings das Erzählen von Judenwitzen mit hohen Geldstrafen belegt werden. Eine in München ansässige "Kommission für Jugendmedienschutz" fordert vom Sender Premiere eine Strafzahlung von 500000 Euro für das Erzählen von Judenwitzen. Ein Kandidat der live im Abosender Premiere übertragenen Reality-Show "Big Brother" hat ohne Eingreifen des Senders Witze über Juden und Türken erzählt. Der Vorfall habe sich bereits Anfang Oktober ereignet, bestätigte ein Premiere-Sprecher am 13. 10. 2004. Zwei verantwortliche Redakteure würden entlassen, weil sie die Live-Übertragung nicht abgebrochen hätten. Premiere-Chef Georg Kofler sprach von einem "beschämenden Vorfall" der nicht toleriert werden könne.

Der Container-Bewohner M. hatte den Berichten zufolge in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober vor laufender Kamera vier Judenwitze erzählt. Außerdem habe er auch Witze über Frauen und Türken gemacht. Drei Mitbewohner hätten dies nicht unterbunden, sondern sogar über die Witze gelacht. Der Show-Kandidat musste den Fernseh-Container inzwischen verlassen, allerdings laut Premiere nicht wegen der Judenwitze.

Ein Direktor von Premiere erklärte, der Sender könne das nicht tolerieren, auch wenn mitten in der Nacht nur ein paar Dutzend Menschen zugeschaut hätten. Deshalb seien die beiden zuständigen Redakteure fristlos entlassen worden. Big Brother sei die am besten überwachte Live-Sendung. Man werde alle Beteiligten noch weiter sensibilisieren...

Wie die Süddeutsche Zeitung vom 14. 10. 2004 berichtete, war der Eklat kein Einzelfall bei "Big Brother". Bereits im Juni d. J. habe es Judenwitze im Container gegeben

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) der Landesmedienanstalten wertete den Vorfall einstimmig als "unzulässiges Angebot". Der Sender muss nun mit einem Bußgeld bis zu 500.000 Euro rechnen und bekommt eine Beanstandung von der Landesmedienanstalt in München. Die bayrische Staatsregierung forderte eine Absetzung von "Big Brother"....

[14. Oktober 2004]

 < Justiz