Weitere Aberkennung von Ehrengräbern aus politischen Gründen

Die SPÖ-Stadtverwaltung Wiens will noch im April 2005 weitere Ehrengräber aus politischen Gründen aberkennen. Zunächst soll acht Ehrengräbern auf dem Wiener Zentralfriedhof noch im April dieser Status aberkannt werden. Das ist ein Ergebnis des Kommissionsberichts, der im Auftrag des Gemeinderates seit Oktober 2003 über 76 Ehrengräber-Widmungen aus der Zeit des Nationalsozialismus erstellt wurde. Weiters werden auch neue Ehrengräber gewidmet - erstmals in der Geschichte der Bundeshauptstadt erhalten 37 Juden diese posthume Auszeichnung, berichtete der Kommissionsvorsitzende Kurt Scholz.

Es gehe nicht nur um einen symbolischen Akt, sondern auch um eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Am 12. April 2005 sollen die Vorschläge den zuständigen Kulturausschuss passieren und dann unverzüglich umgesetzt werden. Bei 66 Personen, wie etwa dem Klavierfabrikanten Ludwig Bösendorfer, hatte die Kommission keine Einwände. Bei zwei meldete sie allerdings Bedenken an: Im komplexen Fall des Medizin-Nobelpreisträgers Julius Wagner-Jauregg werde man zunächst die Veröffentlichung seiner autobiografischen Schriften abwarten, was frühestens in zwei bis drei Jahren der Fall sei, so Scholz. Der Fußballer Matthias Sindelar hingegen behält definitiv sein Ehrengrab. Es sei zwar "nicht ehrenvoll, von einer Arisierung zu profitieren", was im Fall des Sportlers der Fall gewesen sein soll, so der vormalige Chef des "Dokumentationszentrums des Österreichischen Widerstandes" (DÖW) Wolfgang Neugebauer. Aber Sindelar sei kein Nazi-Sympathisant gewesen und seine fußballerischen Erfolge "Teil der österreichischen Identität".

Man wolle mit dem Bericht in jedem Fall den Eindruck vermeiden, dass über Gräbern Politik gemacht werde und "wir uns aufschwingen zu Richtern im Totenreich", stellte Scholz klar. So habe der Grundkonsens bestanden, die Totenruhe zu achten, also keine Umbettungen zu fordern. Auch Mahntafeln erachte er nicht für sinnvoll, um nicht zu viel Aufmerksamkeit von der falschen Seite auf bestimmte Gräber zu lenken, ergänzte Mailath-Pokorny.

Offensichtliche Ungleichbehandlung von Personen inakzeptabel

Die Kommission von Kulturstadtrat Mailath-Pokorny hat ihre Entscheidung über Ehrengräber der Stadt Wien getroffen. Diese ist zu undurchsichtig, um bereits jetzt eine endgültige Meinung dazu formulieren zu können, stellt dazu der Wiener FPÖ-Stadtrat Johann Herzog fest.

Es wird offensichtlich ein anderer Maßstab angelegt, wenn der Betroffene ein sozialdemokratischer Politiker war. Herzog ist trotzdem überzeugt, dass die Kommission auch das Ehrengrab des Wiener sozialdemokratischen Stadtrates Julius Tandler, auf den die Vorwürfe, die Julius-Wagner-Jauregg gemacht werden, in viel größerem Maße zutreffen, einer Prüfung unterziehen wird.

Die Aberkennung des Ehrengrabes von Major Walter Nowotny durch den Wiener Gemeinderat bezeichnet Herzog nach wie vor als schändlichen Akt der Pietätlosigkeit. Hier wurde einem herausragenden Soldaten des 2. Weltkrieges stellvertretend für eine ganze Generation die letzte Ehre verweigert, so Herzog.

[8. April 2005]

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