Rabbinerkonferenz protestiert gegen Zionismus

Nach der Kundgebung  vom 26. 6. 2004 demonstrierten auch am 2. 7. mehrere Demonstranten auf dem Parkring in Wien I gegen die Umbenennung der dortigen Gartenbaupromenade in "Herzl Platz". Orthodoxe Rabbiner skandierten u. a. "Zionismus ist Atheismus". Dieser sei eine Rebellion gegen den Willen Gottes. 

Die Vereinigung "Orthodoxe Jüdische Antizionistische Gemeinde Wien" hielt am 2. 7. 2004 in einem Wiener Innenstadthotel eine Rabbinerkonferenz ab. Dort versammelten sich Rabbiner und geladene Gäste und Referenten, um ihre strikte Ablehnung des Staates Israel zu erklären. Wie Oberrabbiner Moishe Arye Friedmann erklärte, trage Herzl mit seinen Ideen und generell die Zionisten "eine wesentliche Schuld am Holocaust". Die Runde tritt auch gegen die ausufernden Wiedergutmachungskontributionen an Israel bzw. Holocaustüberlebende auf, wie einer der vortragenden Rabbiner unterstrich.

Unter den Zuhörern sollen auch FPÖ-Politiker gewesen sein, die angeblich mit Applaus begrüßt wurden.. Ebenfalls anwesend war der Reichstagsabgeordnete Martin Hohmann, der von der CDU/CSU-Fraktion wegen seiner als antisemitisch verleumdeten  Rede  über die Rolle der Juden im Bolschewismus ausgeschlossen worden war. Hohmann erklärte, die Einladung der Rabbiner beweise, daß der Antisemitismus-Stempel für ihn nicht gerechtfertigt sei. Auch der frühere UN-Generalsekretär  Präsident Kurt Waldheim war zu der Konferenz eingeladen, konnte aber aus Termingründen nicht erscheinen.

Oberrabbiner Friedmann ist nach eigenen Angaben stolz darauf, gute Kontakte "zu allen Seiten" zu haben. Zahlreiche Politiker anderer Parteien seien aber verhindert gewesen, sagt er.

Die Wiener Kultusgemeinde attackierte Oberrabbiner  Friedmann in einer Presseerklärung. In der Aussendung wirft man diesem eine "geifernde, anmaßende Manier" vor. Erschreckend daran sei weniger die Tatsache selbst - "bestimmte Anormalität im menschlichen Verhalten verdient eher Mitleid als Empörung" - sondern vielmehr der Umstand, daß diesen "abstrusen  Meinungen " nach wie vor Gehör verschafft werde.

[3. Juli 2004]


 
Protestdemonstration gegen "Herzl-Platz" in Wien

In Wien wurden bereits zahlreiche Straßen und Plätze umbenannt , da sie nach Persönlichkeiten benannt waren, die nicht ins politische Konzept der rot-grünen Rathausmehrheit passen. Dagegen findet man es opportun, den Begründer des Zionismus mit einen "Theodor Herzl Platz" zu verherrlichen. Dagegen wurde jetzt von in Österreich lebenden Opfern des Zionismus protestiert. 

In Kooperation mit der Arabisch-Österreichischen Union 
veranstaltete die Palästinensische Gemeinde und die Orthodoxe Jüdische Gemeinde am 26. 6. 2004 in Wien eine Demonstration gegen einen Theodor "Herzl Platz" in Wien. Die etwa 50 Demonstranten marschierten über die Ringstraße zum Hotel Marriott in der Weihburggasse. 

Wien
Demonstration der Palästinischen Gemeinde in Wien am 26. 6. 2004

Die Palästinensische Gemeinde protestierte auch in einem offenen Brief an Bundespräsident Klestil gegen die kritiklose Verherrlichung des Zionismus:

Herrn Bundespräsident
Dr. Thomas KLESTIL
Hofburg
1010 Wien

Sehr verehrter Herr Bundespräsident!

Bitte erlauben Sie uns folgende Feststellung, anlässlich Ihrer Ansprache vor dem Herzl Symposium im Wiener Rathaus: Wir, von der Palästinensischen Gemeinde in Österreich, stellen fest, dass in der heutigen Zeit der Staat Israel, der auf dem Zionismus wurzelt und dessen Politik in der zionistischen Idee basiert, eine verachtende Politik von gezielter Tötung ohne Gerichtsverfahren außerhalb jeglicher internationalen Norm betreibt, Häuser, Blechbaracken der vertriebenen Flüchtlinge, Dörfer und Städte dem Erdboden gleich macht, Landwirtschaftskulturen, die die einzige Existenzgrundlage der Palästinenser darstellen, zerstört, Infrastruktur, Flughäfen, Ministerien, Schulen, Krankenwägen bombardiert, Misshandlungen, Vergewaltigungen, Angriffe auf Zivilisten und auch Vertreibungen, Deportierungen und Mauerbau auf palästinensischem Gebiet tagtäglich praktiziert. Wir fragen uns daher, wie kann die Achtung des Nachbarn sein, wie dies in Ihrer Ansprache erwähnt wird, wenn man Minderheiten, Kranke, Behinderte oder das Anderssein in der politischen Arena nicht als Prüfstein in jeder funktionierenden Demokratie berücksichtigt. Weil, das von Ihnen ausgesprochene, im zionistischen Staat Israel nicht vorkommt, und das beweisen tagtäglich die uns von dort erreichenden Berichte. Glauben Sie, sehr verehrter Herr Bundespräsident, kann Österreich wirklich stolz sein, für die Entstehung der Idee hier in Österreich, der Gründung des Judenstaates in Palästina, wo dieser Staat hunderttausende Opfer, Millionen Flüchtlinge, Krieg und Elend, Rückstand, Vertreibung und Völkermord gegen ein, nie in der Geschichte zu seinem Recht gekommenes, Volk verursacht. Wir österreichische Staatsbürger palästinensischer Abstammung, die uns Israel vertrieben hat und in Österreich eine warmherzige Aufnahme gefunden haben, sind stolz auf ein gerechtes, humanes und neutrales Österreich, aber nicht auf ein Österreich das die Idee Theodor Herzls "Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land" teilt.

Hochachtungsvoll
Mustafa Abdul Hadi
Präsident
1090 Wien,....

office@palaestina.co.at
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www.palaestina.co.at
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