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Nach dem Nein von Franzosen und Niederländern zur EU-Verfassung hätte klar sein müssen, dass es diese Verfassung nicht geben wird, da ja alle EU-Staaten zustimmen müßten. Doch die Lobbyisten der Rüstungs- und Nuklearindustrie sorgten dafür, dass diese für sie so wichtige Verfassung nicht ad Acta gelegt wurde, sondern mit diversen Tricks doch noch durchgesetzt werden soll. Es hieß, man müsse die Sache der Bevölkerung nur richtig erklären und, falls man eine Volksabstimmung darüber schon nicht verhindern kann (wie in Österreich oder der BRD), in Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden solange abstimmen lassen, bis das richtige Ergebnis herauskommt. Diese "Verfassungskrise" sollte nach einer einjährigen Nachdenkpause beim Gipfeltreffen im Juni 2006 durch konkrete Maßnahmen geklärt und die Verfassung "gerettet" werden - als krönender Abschluss der österreichischen EU-Präsidentschaft. Österreichische Regierungsvertreter taten sich bei den Rettungsversuchen für die vom überwiegenden Teil auch der österreichischen Bevölkerung abgelehnten EU-Verfassung besonders hervor. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel mahnt sogar zur Eile. Seiner Meinung nach muss die Verfassungskrise bis spätestens 2008 gelöst sein. Auch österreichische Bundesheerangehörige sollen ja bald im Rahmen einer "EU-Battlegroup" demnächst das Diktatorenregime im Kongo unterstützen, was eigentlich nur im Rahmen der EU-Verfassung rechtlich möglich wäre. Zwecks Ausbrütung neuer Maßnahmen zur "Aufklärung" des begriffsstützigen Wählervolkes fand am 27. und 28. 5. 2006 ein Sondertreffen der EU-Außenminister im Stift Klosterneuburg (Niederösterreich) statt. Bei den kommenden Wahlen sollen ja z. B. in Österreich die Parteien, die - nebst u. a. dem EU-Beitritt der Türkei und Rumäniens auch der EU-Verfassung im Parlament bereits zugestimmt haben, wieder gewählt werden. Wie wenig die österreichische Regierung von der Volksmeinung hält kann man auch daraus ersehen, dass eines der zentralen Versprechen Österreichs für den EU-Vorsitz war, dass man in der Debatte über die EU-Verfassung "etwas weiterbringen werde"... Außenministerin Ursula Plassnik (ÖVP) hat ihre Linie als Vorsitzende des EU-Ministerrates bereits abgesteckt. Sie warnte vor den Beratungen davor, einzelne Teile des Verfassungsentwurfs "herauszubrechen" und separat in Kraft zu setzen. "Man kann nicht guten Gewissens einen Text, der in Parlamenten [gegen den Willen der Bevölkerung] genehmigt wurde, ändern, straffen oder erweitern", gab Plassnik zu bedenken. Genau das sehen aber viele Staaten als einzige Chance, zumindest Teile der Verfassung zu retten. Die Zeit bis zur - erhofften - Zustimmung zur Verfassung will Plassnik mit dem Instrument des Vertrages von Nizza bestreiten. Aus diesem lasse sich "noch einiges herausfiltern und umsetzen, das auch einen Mehrwert für die Bürger darstellt", so die Ministerin. Sofern es keine Einigung auf neue Regeln gibt, gilt der Ende 2000 beschlossene und 2003 in Kraft getretene Vertrag von Nizza weiter. Gerade die engen Grenzen des Vertrags - wie etwa das Vetorecht auch kleiner Staaten - waren jedoch einer der Gründe, eine neue Verfassung für die EU zu entwerfen. Der Vertrag sieht nach wie vor in vielen Bereichen einstimmige Entscheidungen vor und begrenzt die Zahl der EU-Mitglieder auf 27. "Es scheint der allgemeine Eindruck zu sein, dass die Reflexionsphase, die vor einem Jahr eingeleitet wurde, noch nicht abgeschlossen werden kann", so Plassnik. Das gelte vor allem für die Verfassung: "Wir dürften daher eine Verlängerung der Reflexionsphase vereinbaren." Wie aus Diplomatenkreisen verlautete, soll die "Reflexionsphase" offiziell Mitte Juni 2006 beim Gipfeltreffen in Brüssel verlängert werden. Das Treffen der Staats- und Regierungschefs wird sich vor allem mit der "Verfassungskrise" beschäftigen. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso hofft auf eine Lösung des "Problems" 2009 im Zusammenhang mit der dann vorgesehenen Überprüfung der EU-Finanzplanung. Der Weg bis zum Frühjahr 2009 ist gepflastert mit Wahlen in jenen EU-Ländern, in denen die größten Verfassungsgegner daheim sind. Eine Debatte über die Verfassung hat bis dahin kaum eine Chance. Vor der EU-Parlamentswahl im Juni 2009 herrscht jedoch kurz "Ruhe". Ganz unverfroren und unter Mißachtung der Meinung der österreichischen Bevölkerung zur EU hat die ÖVP-Regierung "versprochen", während der Ratspräsidentschaft Österreichs für eine Durchsetzung der EU-Verfassung zu sorgen. Dass Österreich nun als Gastgeber die Versprechen vom Jahresanfang kaum einlösen kann, stößt bei den anderen EU-Mitgliedern auf Verständnis. So hat etwa auch die BRD das Abwarten des richtigen Moments in der Verfassungsdebatte befürwortet. Die Europäische Union wird die BRD-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 damit beauftragen, einen "tragfähigen Vorschlag" zu machen, wie es mit der Ratifizierung der EU-Verfassung weitergehen soll, sagte der BRD-Außenminister F. W. Steinmeier zum Auftakt des Sondertreffens. Mit dem Treffen in Klosterneuburg werde eine "Nachdenkensphase eröffnet", die in regelmäßigen Abständen überprüft werden soll. Es zeichne sich ab, "dass Deutschland beauftragt wird, gegen Ende seines Ratsvorsitzes (Juni 2007) einen tragfähigen Vorschlag zu machen, wie es weitergeht". Der britische Europaminister Geoff Hoon gab sich in der Frage der Verfassung betont zurückhaltend. In der Debatte seien derzeit viele verschiedene Vorschläge auf dem Tisch, und es sei noch mehr Zeit für die Diskussion darüber nötig. Damit versuchte er offenbar dem Eindruck entgegenzutreten, dass sich die EU bereits auf Juni 2007 als Termin für weitere Entscheidungen in der Verfassungsfrage geeinigt hätte. Das in Großbritannien geplante Referendum zur EU-Verfassung wurde abgesagt, da sich eine große Mehrheit gegen die Annahme abzeichnete. Auch EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sagte: "Wenn es keine Einigung gibt, muss die Reflexionsphase verlängert werden." Die Niederlande, wo vor einem Jahr die Bevölkerung die EU-Verfassung mehrheitlich abgelehnt hatte, wollen die Denkpause "zumindest um ein Jahr" verlängern. Außenminister Bernard Bot sagte vor dem Sondertreffen: "Unser Vorschlag lautet, mit der Reflexionsperiode fortzufahren und nicht schnell mit dem Verfassungsvertrag weiterzumachen." Künftige Erweiterungen der Europäischen Union müssten "langsam und vorsichtig" angegangen werden, verlangte Bot. Die EU solle sich jetzt viel mehr auf konkrete Projekte konzentrieren. Als Beispiele nannte Bot eine stärkere Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Justiz und Inneres, Asyl sowie Grenzschutz. Ein Aufschnüren der auf Eis liegenden EU-Verfassung ist für die EU-Ratsvorsitzende, Außenministerin Ursula Plassnik (ÖVP), kein Ausweg aus der Krise. "Es wäre wahrscheinlich jetzt keine Lösung, wenn man versucht, entweder den Text zu zerschneiden, oder Rosinen, oder Kirschen, oder andere Früchte aus einem Gesamtwerk herauszuholen", sagte Plassnik bei ihrem Eintreffen. "Das juristische Schicksal der EU-Verfassung werden wir aller Voraussicht nach heute nicht abschließend klären können." Die EU sei in der einjährigen Nachdenkpause seit den negativen Referenden in Frankreich und den Niederlanden nicht stehen geblieben. Der Luxemburger Außenminister Jean Asselborn forderte dagegen einen präzisen "Fahrplan" für die Verfassung beim EU-Gipfel im Juni, damit die EU unter deutscher Präsidentschaft im Juni 2007 "an die Substanz gehen" kann, "damit wir 2009 eine Verfassung haben". Es bedürfe eines anderen Vertrages, als des Vertrages von Nizza bis zu den Wahlen des Europaparlaments 2009, sagte Asselborn. Dies werde nicht einfach sein. Zum vorliegenden Verfassungsentwurf betonte er: "Fundamentale Änderungen am Text sind unmöglich." Wie Bot sprach sich auch der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos dafür aus, dass sich Europa auf konkrete Projekte konzentrieren soll, beispielsweise im Justizwesen, der Terrorbekämpfung und der Einwanderung. Spanien ist stark von illegaler Immigration aus Afrika betroffen. Durch die spanische Gesetzgebung werden besonders viele Illegale angelockt. Z. B. müssen alle angehaltenen Illegalen nach zehn Wochen freigelassen werden, wenn ihre Identität nicht feststellbar ist. Außerdem werden in Spanien regelmäßig Wirtschaftsflüchtlinge "legalisiert" und dann auf die restliche EU losgelassen. (siehe: Legalisierung illegaler Wirtschaftsflüchtlinge >> ) In diesem Bereich müsse die EU zeigen, "dass sie fähig ist, Antworten zu geben", meinte Moratinos. Den vorliegenden EU-Verfassungsentwurf verteidigte der spanische Chefdiplomat als "intelligent". Schließlich hätte ein großer Anteil der Mitgliedstaaten ihn ratifiziert. Wie einige seiner Amtskollegen erhoffte sich Moratinos vor dem Außenministertreffen einen Fahrplan für das weitere Vorgehen in der europäischen Zukunftsdebatte. [28. Mai 2006 Die Kriegspläne der EU-Waffenlobbyisten >> Mehr als 250000 Stimmen für FPÖ Volksbegehren
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Aus "Kronenzeitung" vom 12. 6. 2005 |
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Die EU-Verfassung wurde in der Bundesratssitzung am 25. 5. 2005 mit drei Gegenstimmen ratifiziert. Überraschenderweise stimmten nicht nur Bundesrat John Gudenus und FPÖ-Fraktionsführer Peter Böhm dagegen, sondern auch der Kärntner BZÖ-Bundesrat Siegfried Kampl. Aufgelehnt hat sich Kampl auch gegen seinen für Ende Mai angekündigten Rücktritt. Auf Grund der Erklärung von Bundesratspräsident Georg Pehm (SPÖ) werde er sich das noch einmal grundsätzlich überlegen. Der Kärntner BZÖ-Chef Martin Strutz behauptete allerdings, dass Kampls Rücktritt "beschlossene Sache" sei. Pehm hat zu Beginn der Sitzung die umstrittenen Aussagen von Kampl und Gudenus klar verurteilt: "Die Bundesräte Siegfried Kampl und John Gudenus haben Aussagen getätigt, die zutiefst betroffen machen." Derartige Aussagen seien "absolut inakzeptabel und beschädigen das Ansehen des Bundesrates". Folglich solle auch Gudenus wegen seinen relativierenden Aussagen über die Gaskammern sein Mandat zurücklegen, erwartet sich der Bundesratspräsident. Kampl, der nach seiner Bezeichnung von Wehrmachtsdeserteuren im Zweiten Weltkrieg als "zum Teil Kameradenmörder" sein Mandat mit Wirkung Ende Mai zurückgelegt hatte, sträubte sich auf Grund der Erklärung Pehms gegen seinen Rücktritt. "Ich fühle mich da provoziert", sagte er. Er müsse sich das nun noch einmal grundsätzlich überlegen, denn so gehe man nicht mit einem Kollegen um, erklärte der der Kärntner Bundesrat. Zu einer Entschuldigung wegen der Bezeichnung "Kameradenmörder" war Kampl nicht bereit: "Ich habe nichts zu entschuldigen. Vielleicht hätte ich den Ausdruck 'Mörder' nicht verwenden sollen", räumte er lediglich ein. Das sieht auch BZÖ-Chef Jörg Haider so. Die Aussagen Kampls seien Ausdruck eines "persönlichen Schicksals" gewesen, er habe seine Sicht als Kind dargestellt. Dass Kampl geht und statt ihm Peter Mitterer vom Kärntner Landtag in den Bundesrat gesendet werden soll, ist hingegen für den Kärntner BZÖ-Chef Strutz "beschlossene Sache". Er begründete dies damit, dass Kampl "sowohl mündlich als auch schriftlich den Landesparteivorstand seinen Rücktritt zur Kenntnis gebracht hat". Eine Entschuldigung für seine relativierenden Aussagen über die Gaskammern der Nationalsozialisten war auch nicht von John Gudenus zu hören. Am Ende eines Redebeitrages merkte er lediglich an: "Träfen die Anschuldigungen des von Wiener Landtagsabgeordneten zu, wäre ich heute sicher angeklagt". An seinem Mandat im Bundesrat hält er unbeirrt weiterhin fest. Sonderlich dringend scheint für SPÖ und Grüne der Rücktritt des Abg. Gudenus nicht zu sein, denn dann würde ein inzwischen zum BZW (Bündnis Zukunft Wien) übergetretener FPÖ-Kandidat nachrücken und die mit Hilfe von Gudenus erreichte Bundesratsmehrheit gegen die Regierung wäre dahin..Nach den baldigen Neuwahlen in drei Bundesländern ist es dann ohnehin zu Ende mit einer Regierungsmehrheit in der Länderkammer. [26. Mai 2005] |
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Am 11. 5. und 7. 5. 2005 fanden in Wien Demonstrationen gegen die EU-Verfassung statt. Am 11. 5. 2005 stimmten alle Abgeordneten mit Ausnahme von Barbara Rosenkranz (FPÖ) im Parlament für die EU-Verfassung. Gleichzeitig fand eine Protestkundgebung in der Nähe der Universität statt(wegen der Tagung des Parlaments waren Demonstrationen vor dem Parlament verboten). Am Samstrag d. 7. 5. wurde vor dem Parlament protestiert . Aufgerufen zu dieser Demonstration hat die Plattform „Neutralität statt Euro-Armee!“, ein bundesweiter Zusammenschluss von Friedensorganisationen, die auch ein "Friedensvolksbegehren" abhalten will. Der Aufruf wurde in weiterer Folge von einer Reihe weiterer Initiativen und Organisationen der Zivilgesellschaft unterstützt. Für Mittwoch den 11. Mai 2005, 9 Uhr, während im österreichischen Bundesparlament über die EU-Verfassung abgestimmt wird, ist eine Kundgebung am Dr. Karl Lueger-Ring/Nähe Universität angesetzt. Alle im Parlament vertretenen Parteien haben sich bereits in einer Abstimmung ausdrücklich gegen eine Volksabstimmung ausgesprochen, auch die später zum BZÖ übergetretenen FPÖ-Abgeordneten. Trotzdem fordert der BZÖ-Obmann Jörg Haider plötzlich eine Volksabstimmung zur EU-Verfassung weil er bemerkt hat, dass eine Mehrheit der Bevölkerung gegen die Verfassung ist. Haider will aber die BZÖ-Abgeordneten trotzdem für eine Verfassung abstimmen lassen, wie er am 9. 5. 2005 im ORF erklärte. Durch die Zustimmung zur EU-Verfassung im Parlament sei dann eine Klage dagegen beim Verfassungsgerichtshof möglich, meinte Haider....Man erinnert sich an das Volksbegehren gegen Temelin, an die Veto-Drohungen gegen die Osterweiterung usw., alle diesbezüglichen Versprechen dienten nur als Stimmenfang und wurden von den damaligen FPÖ- und nunmehrigen BZÖ-Politikern nach den Wahlen gebrochen. Vor dem 29. Mai 2005, dem Tag an dem in Frankreich über die EU-Verfassung abgestimmt wird, wird es noch in allen europäischen Ländern Aktionen vor den jeweiligen französischen Botschaften geben, um den Menschen in Frankreich zu signalisieren, daß sie nicht allein stehen mit ihrem Nein gegen dieses neoliberale und militaristische Verfassungsprojekt. [9. Mai 2005] |