Protest gegen den Mauerbau Israels

Am 9. November 2003, dem internationalen Tag des Protestes gegen den Mauerbau Israels, protestierten Palästinenser in Wien gegen eine Kundgebung des "Forums gegen Antisemitismus" im 2. Wiener Gemeindebezirk. Es wird nämlich versucht, jede Kritik an dem Terror im besetzten Palästina als Antisemitismus zu bezeichnen. Während der Rede eines Mitgliedes des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde Wien stürmten etwa 10 Personen mit palästinensischen Fahnen in Richtung der Kundgebungsteilnehmer und riefen Parolen gegen Israel und die USA.

An der Kundgebung, deren Redner und Rednerinnen ihre Solidarität mit den jüdischen Gemeinden und Israel
erklärten, nahmen nach Angaben der Veranstalter etwa 200 Personen teil. "Die Personen, die die Kundgebung
angegriffen haben, sind von den Kundgebungsteilnehmern abgedrängt und vertrieben worden", hieß es. Die Polizei
habe sich zunächst darauf beschränkt die beiden Seiten zu trennen.

Beamte des Verfassungsschutzes nahmen in der Folge einen mutmaßlichen Beteiligten an der Protestaktion fest. Nach
Angaben der Polizeidirektion Wien befand er sich am Abend wieder auf freiem Fuß.

Ein Mitglied der israelitischen Kultusgemeinde erklärte nach dem Zwischenfall:

"Dieser Angriff ist ein Beweis dafür was los ist. Das ist eine Dokumentation dafür, welches Bündnis zwischen
Islamismus und Neonazismus auch hierzulande besteht. Die haben das Gefühl, das ihre Zeit wieder gekommen ist." In Österreich wurden laut Veranstaltern im ersten Halbjahr 2003 108 antisemitische Vorfälle gemeldet.

Ein Holocaustüberlebender ging in seiener Rede auf den Vorfall ein und erklärte: "Ich habe nicht gedacht, daß hier in Wien eine Gedenkveranstaltung an ein Progrom gestört werden kann. Es gibt aber offensichtlich das tiefe Bedürfnis nach einer Schuldumkehr, nach dem Motto, was unsere Väter den Juden angetan haben, tun die Juden nun den Palästinensern an." Er kritisierte in diesem Zusammenhang eine angeblich parteiliche Darstellung des Nahostkonfliktes in den österreichischen Medien. "Sie haben den komplexen Nahostkonfliktes so dargestellt, als ob es auf der einen Seite Schuldige und auf der anderen Unschuldige gibt."

Die Wiener Grünen fordern anläßlich des 65. Jahrestages der Reichskristallnacht-Pogrome erneut eine weitere finanzielle Unterstützung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Die Gemeinde leide bis heute unter den Folgen der Barbarei, so Gemeinderätin Cecile Cordon. Die IKG wartet laut Cordon immer noch auf die Auszahlung der Restitution, die die Landeshauptleute 2000 zugesagt hatten.

[9. November 2003]

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