Auf Anweisung des österreichischen Justizministeriums von Ende Oktober 2008 sollen die Ermittlungen zum Entführungsfall Natascha Kampusch wieder aufgenommen werden. Dabei geht es hauptsächlich um die Ausforschung eines etwaigen Mittäters des Entführers und angeblich sogar um mögliche weitere Entführungsopfer. Eine damals zwölfjährige Schülerin sagte aus, sie habe zwei Personen in einem weißen Kastenwagen bei der Entführung von Natascha Kampusch gesehen. Natascha Kampusch behauptet, sich an die Entführung selbst nicht erinnern zu können.

B. Sirny gewinnt Prozess gegen M. Wabl

Brigitta Sirny, die Mutter von Natascha Kampusch, hat den Zivilprozess gegen pensionierten Richter Martin Wabl gewonnen. Sie wollte erreichen, dass Wabl nicht länger behaupten darf, sie sei an der Entführung ihrer Tochter beteiligt gewesen.
    
Martin Wabl hatte schon mehrmals gegen Brigitta Sirny prozessiert, wobei sich die Rollen von Kläger und Beklagtem abwechselten. Beim letzten Prozess war auch Natascha Kampusch als Zeugin gehört worden und hat ihre Mutter entlastet.

Im Urteil vom 19. 11. 2008 heißt es, dass Wabl "zu keiner Zeit auch nur über einigermaßen zureichende Anhaltspunkte für einen begründeten Verdacht" verfügte. Weiters ist von "Selbstüberschätzung des Beklagten" die Rede. Der Wahrheitsbeweis für seine Äußerungen sei ihm "vollkommen misslungen", daher sei er verpflichtet "die bereits oftmals wiederholten Behauptungen zu unterlassen".

Martin Wabl hat nun seinerseits vier Wochen Zeit, gegen dieses Urteil zu berufen. Sollte er das tun, ist wieder die Klägerseite am Zug, die ebenfalls vier Wochen Zeit hat, darauf zu antworten. 

[19. November 2008]

Der Ex-Richter Martin Wabl recherchierte seit Jahren den Fall Natascha Kampusch. Sogar ein Buch zum Fall hat der Steirer schon auf den Markt gebracht. Wabl glaubt, der Fall Kampusch sei noch längst nicht vollständig geklärt. Der Vorwurf: Brigitta Sirny, die Mutter Nataschas, sei eine der Verantwortlichen für den Fall. Sie habe die Entführung von Natascha mitgeplant, so Wabl. Das will er nun auch noch vor Gericht beweisen. Einen Prozess gegen Sirny hat Wabl bereits verloren. Durch die Wiederaufnahme des Verfahrens wittert er nun aber eine neue Chance. 

Bei der zweiten Verhandlung am 18. 9. 2008 in Gleisdorf wurde als erster Zeuge ein Bekannter von Wolfgang Priklopil einvernommen. Im Gerichtssaal beanstandete er, dass nicht kontrolliert worden war, ob Aufnahmegeräte und Handys im Saal seien. Der Richter forderte ihn auf, auszusagen und wollte sich auf keine weiteren Diskussionen einlassen.  Der Zeuge gab an, er sei selten in Priklopils Haus gewesen und habe dort nie ein Mädchen gesehen. Wohl aber habe er im Mai oder Juni 2006 seinen Bekannten mit einer jungen Frau in einer Veranstaltungshalle gesehen. "Es hat sich später herausgestellt, dass es Natascha Kampusch war", so der Befragte. Als der Zeuge den Saal verließ, ging der Vater von Kampusch auf den Mann los und versetzte ihm einen Stoß. Dieser schrie sofort mehrmals "Polizei" und "Ich werde tätlich angegriffen", obwohl ihm längst keiner mehr etwas tat. Mit den Worten "So eine Frechheit" ging er schließlich. Koch erklärte anschließend, er sei überzeugt davon, dass der Nachbar etwas mit der Sache zu tun habe: "Wenn er frei von jeder Schuld ist, braucht er sich vor Gericht ja nicht unkenntlich machen", so Koch. Der Zeuge hatte sich vor den Photographen eine Tasche vors Gesicht gehalten und zuvor im Gang einen Photographen sogar attackiert. Laut Polizeiprotokoll wurde der Pressephotograph der "Kleinen Zeitung" mit einer Laptoptasche geschlagen und verletzt, sein Photoapparat beschädigt.

Pr0zeß

Ein Nachbar von Sirny soll irgendwann einmal gesagt haben, Priklopil sei bei ihr aus- und eingegangen. Vor Gericht bestritt er diese Aussage am 18. 9. entschieden. Dann wurde aus dem Publikum eine Zeugin gehört, die angab, er habe das sehr wohl gesagt. Der Nachbar blieb aber bei seinen Angaben.

Als letzter Zeuge wurde dann der ehemalige Chef des Wiener Sicherheitsbüros, Max Edelbacher, einvernommen. Er räumte ein, dass man die Hinweise auf Priklopil "falsch bewertet" habe, deshalb wurden die Ermittlungen in diese Richtung nicht fortgesetzt. Außerdem meinte er, dass Kampuschs Vater Koch "sehr engagiert war und sich sehr eingesetzt hat", während sich die Mutter seines Wissens nie erkundigt habe.

Indizien, dass Sirny mit der Sache zu tun hatte, habe es zwischen 1998 und 2002 nicht gegeben, dann ging Edelbacher in Pension. "Aber wenn etwas passiert ist, ist nach meinem persönlichen Gefühl die 'Schiene Mutter' wahrscheinlicher als die 'Schiene Vater'", so Edelbacher und weiters: "Wenn ich Kindsmutter bin, quäle ich den Chef jeden Tag und frage, warum mein Kind noch nicht da ist".

Sirny, die Mutter Nataschas, wollte zu den Angaben der Zeugen nichts sagen und verzichtete auf eine abschließende Stellungnahme. Das Gericht muss nun in den nächsten Wochen die Aussagen und Beweise bewerten. Ein Urteil wird schriftlich erfolgen.

[18. September 2008]

Die erste Verhandlung hatte am 15. Mai 2008 in Graz (Steiermark) stattgefunden. Elf Zeugen hat der pensionierte Richter Martin Wabl beantragt, um seine Theorie zu untermauern, wonach Natascha Kampuschs Mutter, Brigitta Sirny, an der Entführung ihrer Tochter beteiligt war. Natascha Kampusch selbst wurde als Zeugin unter Ausschluß der Öffentlichkeit einvernommen, sie soll durch ihre Aussage ihre Mutter entlastet haben. Er schilderte, dass Sirny am Tag von Nataschas Verschwinden bereits eine Anzeige erstattet hatte, bevor sie ihn anrief. "Das hat mich im Nachhinein verwundert", so Koch. Wabl bekräftigte vor Gericht seine Meinung, Brigitta Sirny habe Natascha Kampusch sexuell missbraucht und die Entführung als Ablenkung davon eingefädelt. Mit Wolfgang Priklopil sei sie bekannt gewesen, so Wabl.

Natascha Kampuschs Vater, Ludwig Koch sagte, er könne sich vorstellen, dass Sirny Priklopil zumindest vom Sehen her gekannt habe. Er habe den späteren Entführer immer wieder in Lokalen im Bezirk gesehen.

Unter den Zeugen war eine Nachbarin und ehemalige Angestellte von Brigitta Sirny, die die Klägerin schwer belastete. "Ich glaube, dass sie mit der Entführung zu tun hat", meinte die Befragte. Ihrer Meinung nach sei vor der Entführung "entweder in der Nacht etwas passiert oder sie hat Natascha verkauft", so ihre Angaben. Zusätzlich gab sie an, Wolfgang Priklopil einmal im Geschäft von Brigitta Sirny gesehen zu haben.

Da mehrere Zeugen, darunter der ehemalige Leiter des Wiener Sicherheitsbüros, Max Edelbacher, nicht erschienen waren, entschied Richter Jürgen Schweiger, den Prozess zu vertagen.

[15. Mai 2008]

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Nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Profil" von Februar 2008 soll ein Wohnungsnachbar der Mutter des Entführers Priklopil beobachtet haben, wie Natascha Kampusch gemeinsam mit Priklopil dessen Mutter besuchte. Ferner habe ein Tankwart angegeben, Natascha und ihren Entführer dreimal bedient zu haben, zuletzt im August 2006, unmittelbar vor der Flucht Nataschas....

"Verzweifelte Jahre. Mein Leben ohne Natascha" ist der Titel eines Buches, das die Mutter Nataschas als Autorin am 7. 8. 2007 in Wien der Öffentlichkeit präsentierte. Für den Vorabdruck des Buches wurden in Österreich die "Kronenzeitung", in der BRD "Bild" und in der Schweiz "Blick am Sonntag" beauftragt. Die Mutter soll es als unfair empfunden haben, dass ihre Tochter von einer Psychologenclique abgeschottet wurde. Finanzielle Gründe dürften ein Grund für die Herausgabe des Buches gewesen sein. Die Mutter soll nahe des Existenzminimums gelebt haben und nichts von den bisher schätzungsweise 1,5 Millionen Euro Einnahmen ihrer Tochter gesehen haben. Auch ein gewisses Rechtfertigungsbedürfnis dürfte vorhanden gewesen sein. Ein pensionierter Richter aus der Steiermark warf der Mutter Nataschas vor, an der Entführung beteiligt gewesen zu sein. Er wurde deswegen verurteilt, hat aber am 26. 4. 2007 durch das Bezirksgericht Gleisdorf einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens erreicht, bei dem dann auch Natascha selbst als Zeugin vernommen werden soll. Durch die bis 25. August dauernden Gerichtsferien verzögerte sich die Entscheidung über das Verfahren, die vom Landesgericht Graz zu treffen ist... 

Ein erstes Buch über Natascha Kampusch ist im November 2006 in Großbritannien erschienen. Ein Journalist verfasste zusammen mit einem Kollegen innerhalb von drei Monaten das Buch "Girl in the Cellar - The Natascha Kampusch Story". Das Buch wird nicht in der BRD, Österreich und der Schweiz erscheinen.

"Die österreichische Polizei würde nicht einmal eine Bierflasche in einer Brauerei finden", so der englische Journalist Allan Hall in einem Interview für die neue Ausgabe des Magazins "Focus".

Bei den Ermittlungen gegen den Entführer Wolfgang Priklopil hätten es die Ermittler etwa versäumt, einen Hund in dessen Lieferwagen schnüffeln zu lassen, als sie ihn in seinem Hause aufsuchten.

Laut "Focus" will der Verlag offenbar Klagen wegen möglicher Persönlichkeitsverletzungen vermeiden. Natascha Kampusch hatte den Text nicht autorisiert und deutlich gemacht, sie wolle nicht, dass andere ihre Geschichte erzählten.

Hall wies dies zurück: "Mit diesem Argument könnte man jede Geschichte verhindern. Jede Human-Interest Story ist nun mal persönlich."

Natascha Kampusch hat am 6. 9. 2006 im ORF 2 und  RTL ihr erstes öffentliches  TV-Interview geben. Ferner veröffentlichten die "Kronenzeitung" sowie mit "News" am 7. 9. Interviews. Zahlreiche TV-Sender übernahmen das ORF Interview u. strahlten es bereits am 7. 9. ganz oder teilweise aus. 

Die Einkünfte aus den Interviews sollten Kampusch "einen Start in eine menschenwürdige Zukunft ermöglichen", verlautbarte Medienberater Ecker. Auch Ausbildungs- und Wohnungsfragen könnten auf diese Art gelöst werden. Dem Vernehmen nach hat die "Kronen Zeitung" der 18-Jährigen eine Anstellung auf Lebenszeit angeboten.

Von ursprünglichen Plänen eines differenzierteren Gangs an die Öffentlichkeit sei man abgekommen, "weil die junge Frau laut ihren Behandlern jahrelang auf dieses Geld angewiesen sein wird", erklärte der Medienmanager Kampuschs, Dietmar Ecker.

Natascha Kampusch scheint sich jetzt in einer neuen Gefangenschaft zu befinden, nämlich in den Händen von angeblichen Experten, die sie in einer psychiatrischen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien angeblich auf ihren eigenen Wunsch bearbeiten. Die Experten zeigten sich in Interviews u. a. darüber entsetzt, dass Natascha acht Jahre überleben konnte, ohne auch nur einmal einen Arzt (oder gar Psychiater) gesehen zu haben. Die versäumten Behandlungen wollen sie jetzt scheinbar nachholen. Dagegen hat Natascha bisher nur extrem wenig Kontakt zu ihren Eltern und Geschwistern gehabt. Natascha demonstrierte in ihrem Fernsehauftritt nach ihrer Flucht auch, daß ihr der Entführer eine weitaus höhere Bildung vermittelte, als ihre Altersklasse in den heutigen Systemschulen in Anspruch nehmen können. Sie artikulierte sich in einer bestechenden Art und Weise in exzellentem Deutsch, wie es kaum ein heutiger Abiturient beherrscht. In den Systemschulen ist dagegen das wichtigste die Vergangenheitsbewältigung, wochenlange Beschäftigung mit Opfern des Nationalsozialismus; z. B. mußten in Wien Schüler vor tausenden Wohnungen, aus denen angeblich Juden vertrieben wurden, zehntausende Rosen niederlegen und "Briefe in den Himmel" an namentlich vorgegebene Opfer des Nationalsozialismus schreiben. Zwischendurch gibt es dann tagelange Exkursionen in diverse Konzentrationslager.

Mädchen acht Jahre in Versteck gefangen

Die vor 8 Jahren als 10-Jährige entführte Natascha Kampusch wurde in einem Versteck gefangengehalten und konnte am 23. 8. 2006 aus ihrem Gefängnis flüchten. In Strasshof (Niederösterreich), nur 18 km von der elterlichen Wohnung in Wien entfernt, war Nataschas Kellerverlies.
 
Strasshof Wien

Zuletzt ging der Entführer mit ihr sogar in die Öffentlichkeit. Psychologen sind der Meinung, dass das Opfer ein positives Verhältnis zum Entführer entwickelt haben könnte, das sog. Stockholm Syndrom. Sie soll sogar mehrmals mit ihrem Entführer in der Öffentlichkeit unterwegs gewesen sein, ohne einen Fluchtversuch zu machen. Bei der Nachricht vom Selbstmord ihres Entführers soll Natascha Kampusch geweint haben. Der Mann habe ihr gesagt: "Lebend erwischen die mich nie." Der mutmaßliche Entführer von Natascha Kampusch hat nach der Flucht seines Opfers Selbstmord begangen. Er warf sich in Wien vor einen Schnellbahnzug. Zuvor hatte er einen Freund um Hilfe gebeten. Dieser holte ihn vom Donauzentrum im 22. wiener Gemeindebezirk ab, wohin er vor der Polizei geflüchtet war und ließ ihn in  Wien-Brigittenau aussteigen. Der Entführer war schon 1998 nach Nataschas  Verschwinden überprüft worden, weil er einen weißen Kastenwagen fuhr. Er brauche den Kombiwagen für Bauarbeiten in Strasshof, hatte der Entführer damals angegeben. Mangels weiterer Hinweise und etwaiger Vorstrafen gab es keine Hausdurchsuchung. Die Strasshofer Lokalbehörden waren jedoch seit 1999 mehrmals im Haus, weil es umgebaut werden sollte! Die Gemeinde teilte mit, der Mann habe in diesem Jahr einen Umbau des Dachstuhls beantragt. 1999 und 2004 ist der Wasserzähler ausgetauscht, 2001 seien die elektrischen Anlagen des Umbaus behördlich abgenommen worden.

Natascha sei in einen weißen Lieferwagen gezerrt worden, hatte eine Schülerin damals ausgesagt. Ein Mann habe sie in das neben dem Gehweg stehende Auto verbracht und eine weitere Person sei bereits am Steuer gesessen und weggefahren. Es gibt auch Berichte, wonach es weitere Zeugen gab, und zwar ein Ehepaar, das angab, das Mädchen sei in einem Auto mit einem Kennzeichen des Bezirkes Gänserndorf entführt worden...
Die österreichische Innenministerin Prokop (ÖVP) scheint den Fall mit absurden Aussagen gegenüber der Presse politisch ausschlachten und die Befreiung des Mädchens als Verdienst der Behörden hinstellen zu wollen, obwohl bei der Fahndung offensichtlich krasse Fehler gemacht wurden. Allerdings amtierte  zum Zeitpunkt der Entführung 1998 einen SPÖ-Innenminister in einer SPÖ-ÖVP Regierung. Ein Polizeiwachzimmer in Strasshof wurde damals aus Spargründen geschlossen. Es war auch nicht möglich, bei den ca. 20 Besitzern von weißen Kastenwagen im Bezirk Gänserndorf Hausdurchsuchungen durchzuführen. Dagegen gab es damals ohne weiteres bei völlig unbescholtenen Abonnenten des freiheitlichen Magazins " Aula " aus politischen Gründen in ganz Österreich Hausdurchsuchungen, die natürlich keinerlei Ergebnisse brachten (es wurden "rechtsradikale" Versender von Briefbomben bzw. Aufsteller von Sprengfallen gesucht, einen Attentäter spürte man später im linken Milieu auf und zwei linksradikale Duzfreunde des damaligen Innenministers wurden per Zufall als Sprengfallensteller entlarvt, nachdem sie sich nahe Ebergassing bei Wien irrtümlich in die Luft gesprengt hatten..).

Natascha ist am 23. 8. schreiend über die Straße in einen Nachbargarten geflüchtet, als sie das Auto ihres Peinigers reinigen mußte und dieser sich wegen eines Telephongespräches kurz entfernte... 

Der Entführer von Natascha Kampusch hatte eine Montagegrube in der Garage seines Hauses zum Verlies umgebaut - mit einem aufklappbaren Bett und einem Bücherregal. Der Entführer hatte das ganze Anwesen elektronisch gesichert. Zuletzt war er ihrer offenbar so sicher, dass er unvorsichtig wurde und die Flucht der Frau so überhaupt erst ermöglichte. Er wollte sich zumindest in den ersten Jahren von Natascha als "Gebieter" ansprechen lassen, was diese nach eigener Aussage abgelehnt haben will (sie sprach ihn angeblich als Wolfgang an). Laut dpa-Meldung vom 26. 8. hatte der Entführer gegenüber dem Mädchen anfangs auch behauptet, er verlange ein Lösegeld, das Nataschas Eltern nicht zahlen wollten.

Natascha Kampusch war nach ihrer Flucht in polizeilicher Betreuung in einem Hotel bzw. Sanatorium untergebracht. Sie soll  in einigermaßen guter Verfassung gewesen sein. Ob sie sexuell missbraucht wurde, wollten die Ermittler zunächst nicht sagen, eine Polizisten, die Natascha als erste ausfragte machte aber entsprechende Andeutungen.
 
Natascha Interview

Als unauffälligen Einzelgänger, unbescholten und zurückgezogen beschreiben  Angehörige und die wenigen Freunde den  Entführer Natascha Kampuschs. Kontaktscheu sei er gewesen und ein   Technikfreak, haben die Ermittler zu  hören bekommen, heißt es vom Bundeskriminalamt. Er war nicht vorbestraft und nur wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen angezeigt worden. Offenbar habe der Mann nur 2 Freundschaften gepflegt - zu jenem Mann, den er auf seiner Flucht um Hilfe gebeten hatte, und einem zweiten, mit dem er in Wien eine Immobilien-Firma betrieben haben soll. Einer der Freunde soll Natascha ein Mal kurz gesehen haben. Beide waren sehr überrascht, als sie vom Doppelleben ihres Freundes erfuhren. Natascha soll mit ihrem Entführer sogar im südlichen Niederösterreich Schifahren gewesen sein. 

Nach gerichtsmedizinischer Untersuchung des Leichnams  Wolfgang Ps. fand am 8. 9. 2006 das Begräbnis südlich von Wien statt. Natascha Kampusch legte Wert darauf, sich im Institut für Gerichtsmedizin von Wolfgang P. zu verabschieden. Am Begräbnis selbst nahmen nur zwei Privatpersonen, die Mutter und die Schwester eines Bekannten, und acht Kriminalbeamte teil. 

[13. September 2006]

Ähnlich wie im Fall Natascha Kampusch hat in den USA ein Mitschüler ausgesagt, ein Junge sei in einem weißen Lieferwagen entführt worden. Dort nahm man die Aussage aber ernst und begann am 8. 1. 2007, dem Tag der Entführung, die Wohnungen sämtliche Besitzer von weißen Lieferwagen in der Umgebung zu durchsuchen. Nach vier Tagen hat die Polizei im US-Bundesstaat Missouri in einer Wohnung in Kirkwood nicht nur den seit drei Tagen vermissten 13-jährigen Ben, sondern auch den 15 Jahre alten Shawn, der vor viereinhalb Jahren verschwunden war, gefunden. Die Ermittler nahmen einen Verdächtigen fest. Die Mutter und der Stiefvater Shawns suchten monatelang nach ihrem Sohn und richteten unter anderem eine Web-Site dafür ein. Die Buben wurden zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht. Ein Kliniksprecher sagte, sie seien körperlich unversehrt. 

Auf einer Pressekonferenz am 13. 1. 2007 beschrieben die glücklichen Eltern ihre Erleichterung. Die beiden Opfer lächelten angesichts der Schilderungen, wurden aber angewiesen, keine Fragen zu beantworten. Der mutmaßliche Entführer, ein 41 Jahre alter Mann, wurde festgenommen. Nachbarn erklärten, der Verdächtige habe sein Leben lang in der Gegend gewohnt und habe auch Familie dort. Er habe Jobs in einer Pizzeria und bei einem Bestattungsunternehmen gehabt. Über den Jugendlichen, den sie bei ihm sahen, wunderten sie sich nicht.

"Ich dachte, das sei sein Sohn, der bei ihm lebt", erklärte der Vermieter der Erdgeschosswohnung, in dem der Mann lebte, Bill Romer. "Das Zimmer des Buben hatte nicht einmal Vorhänge vor den Fenstern." Ein Nachbar, Rick Butler, sagte, der Bursche habe nicht verängstigt gewirkt. Er habe die beiden einfach für Vater und Sohn gehalten. Vielleicht ist der Junge nur ausgerissen und es gefiel ihm dort besser als zuhause beim Stiefvater...(Auch Natascha hatte einen Stiefvater...)

[13. Januar 2007]

Missing
Im Fall der vermißten Madeleine McCann gehen die Ermittler mittlerweile davon aus, dass das kleine britische Mädchen in dem Zimmer gestorben sei, in dem sie mit ihren beiden Geschwistern geschlafen hatte. "Möglicherweise durch einen Unfall" sei "Maddie" gestorben, berichteten die portugiesischen Zeitungen "Jornal de Noticias" und "Correio da Manha" Anfang August 2007. Die Ermittler hätten erneut mit Hilfe von Leichenspürhunden das Zimmer, aus dem Maddie am 3. Mai 2007 verschwunden war, untersucht. Dabei hätten sie an einer der Wände "Blutspuren einer verstorbenen Person" entdeckt, die inzwischen jedoch entfernt worden seien. Damit die britischen Spezialhunde die Geruchsspuren einer Leiche erschnüffeln können, muss das Opfer mindestens zwei Stunden lang tot gewesen sein, erklärte einer der Polizeispezialisten dem "Correio da Manha". Die Ermittler glaubten deshalb, dass Maddie ermordet wurde oder tödlich verunglückte und ihre Leiche erst nach "zwei bis vier Stunden" aus dem Zimmer entfernt wurde. Weitere Tests sollten nun nachweisen, ob die Blutspuren von Maddie stammten. 

Die Blutspuren in der portugiesischen Ferienwohnung, aus der Madeleine vor mehr als 100 Tagen verschwand, stammen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht von dem kleinen Mädchen. Dennoch befürchten die Ermittler laut Londoner Zeitungsangaben vom Donnerstag, dass das vier Jahre alte Mädchen aus Großbritannien in der Wohnung umgekommen ist.

Neben den Blutresten hätten Detektive in dem Appartement in Portugal eine Rekordmenge von anderen Spuren entdeckt, die darauf hindeuteten, dass Madeleine tot sei, erklärte Polizeisprecher Olegário Sousa nach Angaben der Zeitung "Daily Mail". Zugleich habe Sousa die Bekanntgabe neuer offizieller Verdächtiger angekündigt.

Fall noch nicht gelöst. Die britische Boulevardzeitung "Daily Express" berichtete, die Polizei wisse bereits, wer Madeleine getötet habe. Dies wurde jedoch von Chefinspektor Olegário Sousa dementiert. Es seien Äußerungen von ihm nicht korrekt wiedergegeben worden, sagte er der portugiesischen Nachrichtenagentur "Lusa".

Nach Angaben der Londoner "Times" sind Experten des britischen Rechtsmedizinischen Dienstes zu der Auffassung gelangt, dass die in der Ferienwohnung in Praia da Luz entdeckten Blutreste von einem Mann stammten. Das Ergebnis der Blutanalyse gelte bisher nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 72 Prozent als zutreffend, berichtete die "Times" unter Berufung auf ein vierseitiges Zwischengutachten. Das Blut stamme wahrscheinlich von einem weißen Nordeuropäer.

Es sollen jedoch Blutspuren oder/und Haare Madeleins im Kofferraum eines Mietwagens entdeckt worden sein, den die McCanns nach dem Verschwinden Madeleins benutzt hatten. Es wird jetzt vermutet, dass Madeleine an einer Überdosis Schlaftabletten verstorben ist und die McCanns danach ihren Leichnam verschwinden ließen. Die Eltern, Kate und Gerry McCann, wurden nach stundenlangen Verhören am 7. und 8. 9. 2007 von der portugiesischen Polizei zur verdächtigen Personen erklärt und sind anschließend am 9. 9. 2007 nach England geflüchtet. 

[7. September 2007]
 


 
Entführungsfälle in den letzten Jahren:

2006
Im Februar kehrt die 13-jährige Stephanie aus Dresden nach Hause zurück. Ein Mann hatte sie verschleppt und vier Wochen lang missbraucht. Erst als ein Passant einen Zettel mit ihrem geschriebenen Hilferuf an einer Mülltonne findet, kann sie von der Polizei befreit werden.

2006
Zehn Jahre dauerte das Martyrium von Tanya Kach aus Pittsburgh (USA). Ein Wachmann ihrer Schule hatte die damals 14-jährige Mädchen in seinem Haus gefangen gehalten. Das Mädchen konnte sich schließlich selbst befreien.

1997
Nach einem Hausbrand in Philadelphia (USA) gehen die Behörden davon aus, dass ein damals zehn Tage altes Mädchen in den Flammen ums Leben gekommen ist. Sechs Jahre später entdeckt die Mutter ihre totgeglaubte Tochter bei einem Kindergeburtstag. Das Mädchen war von der Brandstifterin entführt worden.

1996
Sabine Dardenne ist auf dem Weg zur Schule, als der belgische Kinderschänder Marc Dutroux und ein Komplize die damals 12-Jährige vom Fahrrad reißen. Sie muss bis zu ihrer Befreiung 80 Tage im Keller des Dutroux-Hauses in Marcinelle ausharren.

1991
In Dessau in Sachsen-Anhalt verschwindet der drei Monate alte Wilbert. Erst zwei Jahre später können die Eltern ihr einziges Kind wieder in die Arme schließen. Der Junge hatte zwei Jahre ganz normal bei einer fremden Familie in Duisburg gelebt.

1990
Unbekannte entführen die 14 Monate alte Crystal Anzaldi aus San Diego (Kalifornien). Sieben Jahre später wird das Mädchen nach einer Anzeige wegen Kindesmisshandlung bei einer 35-Jährigen in Puerto Rico gefunden.

1981
Ein zwölfjähriges Mädchen aus Kalifornien wird von einem Arbeiter entführt. Er soll das Kind in seinem Haus mehrfach sexuell missbraucht haben, bevor er es fünf Monate später zu den Eltern zurückschickt.

1980
Der fünfjährige Timothy White wird in den USA entführt. Wenige Wochen später bringt ihn der 14-jährige Steven Stayner zur Polizei. Dabei stellt sich heraus, dass beide Jungen von einem 48-Jährigen gekidnappt worden sind - Steven bereits 1972.

1979
Aus einem Ferienbungalow auf Sardinien verschwindet die 15-jährige Annabelle Schild mit ihren Eltern. Der Vater wird nach 15 Tagen freigelassen, die Mutter nach einer Lösegeldzahlung im Januar 1980. Im März kommt auch Annabelle nach einem Appell des Papstes frei.

1978
Ein vier Monate altes Mädchen wird aus einem Kinderheim im US-Bundesstaat Indiana entführt und von seinen "neuen Eltern" - einem Baptisten-Priester und seiner Frau - 20 Jahre lang gequält und missbraucht. Erst 1997 entdecken Ärzte zufällig die schweren Misshandlungen und alarmieren die Polizei.
 
 

Inzest im Kellerverlies

Am 19. 4. 2008 wurde ein 19-jähriges Mädchen mit einer rätselhaften Krankheit ins Landesklinikum Amstetten gebracht. Bei sich hatte sie einen Brief ihrer Mutter, die seit Jahren als abgängig gemeldet ist, mit der Bitte um Hilfe für die kranke Tochter.

Eine Woche später wurden die Mutter Elisabeth F. und deren 73-jähriger Vater Josef F. beim Krankenhaus in Amstetten aufgegriffen und auf die Polizeiinspektion gebracht.

Zuerst wollte die Mutter, die einen verstörten psychischen und auffälligen physischen Eindruck machte, nicht aussagen, berichtet die Polizei. Erst nach einem vertraulichen Gespräch und der Zusicherung, dass es zu keinem Kontakt zum Vater mehr kommt, war sie zu einer Aussage bereit.

Seit dem 29.8.1984 ist die Frau als abgängig gemeldet. Einen Monat später traf ein angeblicher Brief bei ihren Eltern ein. Man solle ihr nicht nachforschen, hieß es darin. Tatsächlich soll die Frau am 28.8.1984 von ihrem Vater in einen Keller gelockt, betäubt, mit Handschellen gefesselt und in einen Raum gesperrt worden sein.

Seit ihrem sechzehnten Lebensjahr soll sie immer wieder von ihrem Vater sexuell missbraucht worden sein (Gerüchten zufolge seit ihrem elften Lebensjahr, es sind dazu aber keine Aussagen des Opfers bzw. des mutmaßlichen Täters bekannt). Diesem Missbrauch in der 24-jährigen Gefangenschaft sollen sieben Kinder entstammen, berichtete die Sicherheitsdirektion NÖ.

Amstetten

Alle Kinder sollen im Kellerverlies im Haus des Vaters zur Welt gekommen sein. Ein Kind starb einige Tage nach der Geburt, drei der Kinder wurden nach Behauptung des Vaters von der Mutter, seiner Tochter, im Haus "abgelegt" und hatten einen handschriftlichen Brief der Mutter bei sich, den der Vater den Behörden vorzeigte um sie dann offiziell in Pflege zu nehmen. Der Vater behauptete, die Tochter garnicht gesehen zu haben und gab an, sie bei einer Sekte zu vermuten. In Wirklichkeit war sie im Kellerverlies des Vaters eingesperrt. Dieses befand sich unter einer Garage und konnte nur elektronisch mit einem Code geöffnet werden, der nur dem Vater bekannt war. Die "Pflegekinder" Lisa (15), Monika (14) und Alexander (12) besuchten sogar die örtliche Schule, während Kerstin (19), Stefan (18) und Felix (5) im Verlies festgehalten und den Behörden nicht gemeldet wurden, darunter die Neunzehnjährige, die wegen einer durch den Inzest zutagegetretenen schweren Erbkrankheit von der angeblich abgängigen Mutter mit einem handschriftlichen Brief im Haus des Josef F. angeblich abgelegt und von dort mit der Rettung in das Krankenhaus Amstetten gebracht wurde. 

In ihrem Verlies konnte die Mutter die Fernsehberichte von ihrer 19-jährigen kranken Tochter Kerstin und entsprechende Appelle verfolgen und überredete daraufhin ihren Vater, gemeinsam in das Krankenhaus zu gehen. Dort wurden sie dann wegen des plötzlichen Auftauchens der angeblich Abgängigen von der Polizei festgenommen und im Polizeirevier befragt, worauf die ganze Affäre aufflog. Die Ehefrau des 73jährigen behauptet, von den Vorgängen nichts bemerkt zu haben. Der Verdächtige Josef F. hatte außer den sieben Kindern mit seiner Tochter vorher schon sieben Kinder mit seiner Ehefrau Rosemarie gezeugt. 

Josef F. wollte die Affäre von sich aus beenden und ließ schon einige Wochen vor seiner Festnahme von seiner Tochter einen Brief schreiben, worin sie die baldige Rückkehr mit ihren drei Kindern nach Amstetten ankündigte. Dieser Brief wurde den Behörden gezeigt und beim Polizeiverhör wurde zunächst auch die plötzlich Rückkehr von Elisabeth behauptet. Im Laufe der Einvernahme gab jedoch die Einzelheiten der Gefangenschaft bekannt, woraufhin Josef F. verhaftet wurde. Am 1. 5. wurde bekannt, dass Josef F. den Eingeschlossenen auch gedroht habe, sie mit eingeleitetem Gas im Kellerverlies zu töten. 

Am 5. 5. wurde bekannt, dass sich der US-Geheimdienst CIA für die Gefangenen interessiert, da man deren unterirdischen Erfahrungen für das Überleben eines Atomkrieges auswerten könnte.

[5. Mai 2008]

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