| 68 Prozent der Delegierten haben sich am 21. 4. 2005 auf dem außerordentlichen
Landesparteitag der FPÖ Oberösterreich in Ried für eine
"Eigenständigkeit" der Landespartei ausgesprochen. Sehr viel klarer
ist die Situation dadurch aber nicht geworden. Gibt es jetzt eine oder
zwei Freiheitliche Parteien in Oberösterreich? Sind jene, die gegen
die Eigenständigkeit gestimmt haben jetzt Mitglieder der einen FPÖ
oder gar keine mehr? Wem gehört die Landesgeschäftsstelle in
Linz und wer ist jetzt Landesparteiobmann?
Obwohl der interimistische Bundesparteiobmann den Parteitag für ungültig erklärte, hat er dann doch dort gesprochen und versuchte die Delegierten zur Ablehnung des Antrages auf Selbstständigkeit zu bewegen. Die knappe Entscheidung für eine "Eigenständigkeit" kam nicht zuletzt deswegen zustande, weil die bundestreuen Delegierten gar nicht zum Parteitag kamen, da dieser von der Bundes-FPÖ für ungültig erklärt wurde.... [23. April 2005] Maßnahmen gegen Abspaltung in Oberösterreich FPÖ-Interimsobmann Hilmar Kabas hat am 18. 4. 2005 den bisherigen Landesparteiobmann von Oberösterreich ,Günther Steinkellner, aus der Partei ausgeschlossen. Das gleiche Schicksal trifft seine Stellvertreter, den Nationalratsabgeordneten Max Walch sowie den Landtagsabgeordneten Josef Brunmair, dessen Frau Isolde Sprecherin des neuen BZÖ Oberösterreich ist. Als Grund wird von Kabas in einer Aussendung "Gefahr im Verzug" angegeben. Walch und Steinkellner vermuten hinter ihrem Rausschmiss einen "Aprilscherz". Steinkellner in einem Interview mit dem ORF Radio Oberösterreich: "Erstens handeln wir nach oberösterreichischem Landesstatut, das heißt, er kann mich gar nicht aus der Landesgruppe hinauswerfen. Das ist Entscheidung des Landesparteivorstandes in Oberösterreich. Zweitens kann nur das älteste Vorstandsmitglied des Landesvorstands den Parteiobmann und dessen Stellvertreter seines Amtes entheben, und das ist derzeit Manfred Bodingbauer", so Steinkellner. Mit den Geschäften des Landesparteiobmanns hat Kabas interimistisch ab sofort Werner Neubauer, Linzer Gemeinderat, FPÖ-Ortsgruppenobmann von Linz-Mitte und Mitglied des FPÖ-Bundesparteivorstandes, betraut. Neubauer gab umgehend bekannt, dass der für den 21. 4. 05 anberaumte außerordentliche Landesparteitag verschoben werde. Bei diesem wollte Steinkellner einen "unabhängigen Weg" der FPÖ Oberösterreich beschließen lassen. In der FPÖ-Zentrale in der Linzer Blütenstraße ist es am 18. 4. zu turbulenten Szenen gekommen. Der am neu ernannte Parteiobmann Werner Neubauer und Seniorenring-Obmann Karl Wimleitner sollten auf Anordnung Steinkellners des Büros verwiesen werden, sie weigerten sich aber, es zu verlassen, da das Büro Eigentum der Bundes-FPÖ ist. Steinkellner rief die Polizei zu Hilfe, die die Kontrahenten aufforderte, nach der Hausordnung zu handeln... [18. April 2005] |
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Wie der designierte FPÖ-Obmann Heinz Christian Strache am 8. 4. 2005 in Wien erklärte, müsse nun die finanzielle Lage geprüft werden. Zur Frage, ob die Folge dann eine Neugründung der Partei sein könnte, meinte der Wiener FPÖ-Chef: "Ich schließe nichts aus." Verantwortlich für die triste finanzielle Situation machte Strache die alte Parteiführung und dabei vor allem den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider. Diese habe die freiheitliche Familie in Schulden gestürzt, sei aber jetzt nicht bereit, die Schulden mitzunehmen. Er habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass das Wort Haiders nichts wert sei. Es sei für ihn "schäbig", dass Haider "die Familie" verlassen habe, die Schulden dort belasse und vielleicht auch noch das Familiensilber mitnehme. Die Schulden der Partei sollen sich auf rund drei Millionen Euro belaufen. Die Schulden der FPÖ werde das BZÖ nicht übernehmen, das stellte Haider in der jüngsten Ausgabe des "profil" klar. "Der FPÖ bleibt die Parteienfinanzierung erhalten, wir werden ihr auch die Parteiakademie überlassen. Das ist mehr als an Schulden da ist", so Haider. Strache kündigte auch am Rande der Vorstandssitzung am Abend des 8. 4. in Wien an, von den freiheitlichen Mandataren im Parlament ein klares Bekenntnis über ihre Parteizugehörigkeit bis Ende nächster Woche einzufordern. Durch die mutwillig herbeigeführte Parteispaltung von Haider, Haubner und Konsorten ist es dringend notwendig innerhalb der verbliebenen Nationalratsabgeordneten schnellstens eine Klärung herbeizuführen. All jene, die sich bisher zur orangenen Partei bekannt haben, können in weiterer Folge keine FPÖ-Mitglieder und damit auch nicht Mitglieder des freiheitlichen Parlamentsklubs sein. Dies stellt somit keine gesicherte Basis für die von Schüssel geführte Bundesregierung dar. Diejenigen, die sich der orangenen "Wohlfühlgruppe" von Haider und Co. unterwerfen wollen, sind aufgefordert, ihr Mandat zur Verfügung zu stellen. Alles andere ist ein Diebstahl von freiheitlichen Wählerstimmen und als solcher auch moralisch zu bewerten, so Strache. Ein "schlampiges" Verhältnis zur FPÖ ist für Strache nicht tolerierbar. Entweder ist man freiheitlich und trägt die Farbe "blau" auf seiner politischen Fahne oder eben nicht. Man kann jedenfalls nicht zwei Parteien dienen. Aus diesem Grund muss diese Frage schnellstens geklärt werden, da die FPÖ-Parteispitze sonst diese Klärung vornehmen muss. Der interimistische Obmann Hilmar Kabas werde die dementsprechenden Gespräche mit den Abgeordneten führen. Jene Abgeordnete, die sich nicht zur FPÖ bekennen, müssten seiner Meinung nach ihr Mandat abgeben. Das sei eine Frage des Anstandes. Sollte im freiheitlichen Klub eine Spaltung entstehen und damit die Regierungsarbeit blockiert werden, müsse der Kanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) selber entscheiden, wie mit einer solchen Situation umzugehen sei. Strache betonte, dass eine Doppelmitgliedschaft auch für die Wähler unverständlich sei. Man könne nicht gleichzeitig zwei Parteien angehören. Strache betonte weiters, dass eine Doppelmitgliedschaft nicht möglich sei und den Ausschluss aus der FPÖ bedeute. Ganz anders beurteilte die Situation am 8. 4. erwartungsgemäß Haider anlässlich des rechtswidrigen "Sonderparteitages" der FPÖ Kärnten in Klagenfurt. Er wies die Verantwortung für das Zerwürfnis der Freiheitlichen zurück. "Die alte Bundes-FPÖ hat sich an ihrer inneren Unzulänglichkeit aufgerieben", sagte Haider. In der Partei habe nur noch "Kleingeisterei, Zwietracht und Energieverschwendung im Kampf gegeneinander geherrscht", meinte Haider. "Wenn wir so miteinander umgehen, brauchen wir uns nicht zu wundern, dass keiner die FPÖ mehr will", fügte er hinzu. Beim Patriotentreffen der FPÖ in Grieskirchen (Oberösterreich) war indessen am Abend des 8. 4. klar, dass die Delegierten kein gutes Haar an der Abspaltung des BZÖ lassen würden. Dort nutzen die beiden Vertreter des rechten FPÖ-Flügels, Andreas Mölzer und Ewald Stadler, ihre Reden vor mehr als 800 Anwesenden für eine Abrechnung mit Haider. Von den anwesenden FPÖ-Anhängern wurden sie dafür mit Standing Ovations gefeiert. Mölzer amüsierte sich darüber, dass man ihn noch vor wenigen Wochen aus der Partei ausschließen habe wollen. Jetzt sei er es, der vor "freiheitlichen Tiefwurzlern" rede. "Das macht schon Freude", so der EU-Abgeordnete. Rechtswidriger Landesparteitag in Kärnten Der für den 8. 4. 2005 „per SMS“ vom ausgeschlossenen und damit seiner Funktionen enthobenen Kärntner Landesparteiobmann Strutz einberufene „Landesparteitag“ sei in keiner Weise in der Lage, Entscheidungen zu treffen und für die FPÖ-Landesgruppe zu sprechen. Dies stellte der interimistische FPÖ-Bundesparteiobmann Hilmar Kabas klar. „Ein rechtswirksamer Landesparteitag könnte überhaupt nur unter Einhaltung einer Ausschreibungsfrist von mindestens 4 Wochen (Paragraph 7 Absatz 5 der Satzungen der Landesgruppe Kärnten) und nur schriftlich bzw. durch Zeitungsinserat unter Angabe der Tagesordnung einberufen werden“, verwiese Kabas auf die Statuten der Kärntner FPÖ. Bei dem für heute einberufenen, sogenannten „Landesparteitag“ handle es sich daher um eine rein Privatversammlung ohne jegliche Beschlussfähigkeit. Der von ihm bestellte geschäftsführende Landesparteiobmann der FPÖ-Kärnten, Alois Huber, werde daher statutengemäß den nächsten Landesparteitag einberufen, kündigte Kabas weiter an.
[8. April 2005] Maßnahmen gegen FPÖ-Zerstörer Als erste Maßnahme gegen den Versuch Haiders u. Konsorten, die FPÖ zu zerstören, hat der FPÖ-Interimsparteiobmann Hilmar Kabas am 7. 4. 2005 die drei Hauptakteure der BZÖ-Aktion aus der Partei ausgeschlossen. Kabas begründete die Entscheidung damit, daß diese drei Personen - Landeshauptmann Jörg Haider, der Kärntner Landesparteiobmann Martin Strutz und Landtagsklubchef Kurt Scheuch - durch die Abspaltung die Einheit der FPÖ gefährdet hätten. „Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, auf Grund von Gefahr in Verzug für die FPÖ zu handeln“, erklärte Kabas. Die FPÖ-Statuten würden, so Kabas, klar regeln, daß ein Ausschluß durchgeführt werden könne, wenn ein Parteimitglied einer anderen politischen Partei angehört oder dessen Verhalten geeignet sei, das Ansehen oder den Zusammenhalt der Partei zu schädigen oder den Zielen der Partei Abbruch tue. Dies sei bei den drei Genannten der Fall. Mit den Geschäften des Landesparteiobmanns der FPÖ-Kärnten hat Kabas interimistisch ab sofort Alois Huber, den Sohn des Gründers der FPÖ-Kärnten, betraut. In einer ersten Reaktion erklärte Haider, er sei mit der Gründung des BZÖ ("Bündnis Zukunft Österreich") sowieso aus der FPÖ ausgetreten. Etwa vier Stunden später sagte er, der Ausschluß zeige, daß mit diesen Leuten kein Schulterschluß möglich sei. Andere BZÖ-Proponenten wollten offenbar gleichzeitig bei der FPÖ und dem BZÖ Mitglied bleiben, da man dadurch in den Genuß der Parteienförderung kommen könnte. Besonders die FPÖ-Parlamentsabgeordneten würden als BZÖ sofort die Parteienförderung verlieren, wie aus einer analogen Entscheidung aus dem Jahre 1993 bezüglich der damaligen Abspaltung "Liberales Forum" hervorgeht. Es dürften tatsächlich erst wenige FPÖ-Abgeordnete zum BZÖ übergetreten sein und die Regierungskoalition besteht jetzt tatsächlich aus drei Parteien, ÖVP, FPÖ und BZÖ. Nach Angabe des Obmannes der FPÖ-Wien H. C. Strache haben sich bereits acht der neun FPÖ-Landesgruppen mit überwältigender Mehrheit zum Verbleib bei der echten FPÖ bekannt. Auch im letzten noch offenen FPÖ-Bundesland Kärnten breite sich laut Strache "massiver Widerstand gegen die nunmehrige Haider-Stronach-BZÖ-Partei von tausenden Kärntner FPÖ-Freunden wie ein Lauffeuer aus. Gerade die Kärntner FPÖ-Basis gilt als zu ihrer FPÖ-Gesinnungsgemeinschaft treu stehende Gruppe. Mit einer beliebigen orangen Industrielobby-Partei können die echten Kärntner Freiheitlichen daher nichts anfangen..." Die Gruppe um Haider wollte am 8. 4. 2005 per Vorstandsbeschluß
die Kärntner FPÖ zu einer Unterorganisation des BZÖ erklären...
Aus einer Stellungnahme der FPÖ
vom 7. 4. 2005:
Vor der BZÖ-Abspaltung Haiders hatte dieser Strache das Amt eines geschäftsführenden FPÖ-Vorsitzenden angeboten und folgende Forderungen gestellt: Dass "der Eurofighter-Kauf nicht mehr thematisiert wird". - Dass "die FPÖ-Finanzschulden nicht weiter überprüft werden".
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Dass "die Wirtschaftsaktivitäten von Frank Stronach kein Thema mehr sein sollen, da dieser als Sponsor in Zukunft infrage käme". Haider soll gesagt haben: "Er steht uns viel näher, als du glaubst. Er unterstützt uns in Kärnten massiv. Peter Westenthaler und andere könnten als Überraschung wieder zurückkommen." Die FPÖ solle in Zukunft "jedem heftigen inhaltlichen Konflikt mit der ÖVP aus dem Wege gehen", "damit es zu einer gesicherten Koalitions-Neuauflage und Fortsetzung im Jahr 2006 kommen kann. Diese dritte Regierungsperiode sei mit Schüssel von Beginn an akkordiert gewesen." Haider habe darüber hinaus angeboten, Strache aus dem "Rechtsaußen-Eck" herauszuholen und habe Strache "zum wiederholten Male einen Posten als Staatssekretär und Minister angeboten". [7. April 2005] |