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Während es die Linkspolitiker in den meisten EU - Ländern fertigbringen, Gesetze zur Einführung des Euro und der EU - Osterweiterung gegen den Willen der eigenen Bevölkerung durchzupeitschen, erhielten die Eurokraten jetzt einen gehörigen Dämpfer aus Irland. Die Iren haben den EU-Vertrag von Nizza in einem Referendum am 7. 6. 2001 abgelehnt und die angestrebte EU-Reform damit vorerst blockiert. Nach dem am Freitag veröffentlichten Ergebnis nach Auszählung aller Stimmen stimmten 54 Prozent der Wähler (ca. 530000) mit Nein und nur 46 Prozent (450000) mit Ja.
Meinungsumfragen hatten vor dem am Donnerstag abgehaltenen Volksbefragung ein knappes Ja vorausgesagt, doch die Wahlbeteiligung lag wider Erwarten bei nur 33,7 Prozent. Der Vertrag, der die Grundlage für die Osterweiterung der Union schaffen soll, liegt nun erst einmal auf Eis, da sämtliche 15 EU-Staaten zustimmen müssen. Die irische Regierung von Ministerpräsident Bertie Ahern äußerte sich «enttäuscht». Sowohl die Regierung als auch die beiden größten Oppositionsparteien hatten sich für den Vertrag ausgesprochen. Dagegen waren die Grünen, die IRA-nahe Republikaner-Partei Sinn Fein , die Sozialisten und einige katholische Gruppen. Aherns Stellvertreterin Mary Harney teilte mit: «Das heutige Ergebnis des Referendums zeigt, daß in der Bevölkerung berechtigte Sorgen über die künftige Richtung der Europäischen Union existieren. Die Mehrheit der Wähler hat sich entschieden, diese Sorgen in dem Referendum zum Vertrag von Nizza auszudrücken. Das Volk hat seine Entscheidung getroffen, und wir müssen das respektieren.» Irland ist eigentlich einer der EU-freundlichsten Mitgliedsstaaten und hat in den vergangenen Jahrzehnten enorm von den Milliardensubventionen aus Brüssel profitiert. Doch gerade deshalb befürchten viele Iren nun, dass ihr Land künftig keine Gelder mehr aus dem Struktur- und Regionalfonds der Union bekommen wird, sondern stattdessen selbst für neue Mitgliedsstaaten aus Osteuropa zahlen muss. Außerdem sagen die Nizza-Gegner, Irland könne durch den Vertrag verpflichtet werden, Soldaten für die schnelle Eingreiftruppe der EU bereitzustellen. Dies würde Irlands Neutralität gefährden, kritisieren sie. Sinn Fein-Präsident Gerry Adams warnte außerdem davor, dass der Vertrag die Grundlage für einen europäischen Superstaat schaffe. Die Iren, die so lange unter dem Joch der Briten gelitten hätten, wollten aber eine unabhängige Nation bleiben.
Der Vertrag von Nizza sieht eine Reihe von konstitutionellen Veränderungen der EU vor, mit denen die Voraussetzungen für die Osterweiterung geschaffen werden sollen. Dazu gehören eine Neudefinition des nationalen Vetos und eine Ausweitung der Fragen, über die mit qualifizierter Mehrheit entschieden werden kann. Der Vertrag ändert auch die Stimmengewichtung im Ministerrat. Unerhört ist die Äußerung des sozialistischen "Erweiterungskommissars" Verheugen, der nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses meinte, eine so wichtige Entscheidung wie die Osterweiterung könne nicht durch eine Volksabstimmung verzögert werden. Ähnlich äuß3erten sich auch Prodi, Persson und Schröder. Daraus ersieht man, was die Bürokraten der EU von der Bevölkerung halten, nämlich garnichts, und Volksabstimmungen werden deswegen in den meisten Ländern von den Eurokraten aus gutem Grund verhindert. Wie berechtigt die Sorgen vor einer noch stärkeren Ausländerüberflutung durch die Osterweiterung sind, beweist eine IMAS - Umfrage vom Mai 2001. Mehr als ein Drittel der ungarischen Arbeitnehmer würde nach dem EU-Beitritt ihres Landes die Möglichkeit nutzen, um in einem anderen Staat der Europäischen Union zu arbeiten. 45 Prozent der Polen und 26 Prozent der Tschechen bejahten dieselbe Frage. Das ergab eine im Mai erstellte Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts Imas in den drei EU-Beitrittsländern, die zeitgleich zur Regionalkonferenz in Wien am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Umfrage war nicht von der Regierung in Auftrag gegeben worden. Gefragt wurde auch nach den "Wunschländern" für einen solchen Job: Das Nachbarland Österreich nannten dabei 24 Prozent der Ungarn. 41 Prozent der Polen dagegen würden nach dem EU-Beitritt gern in Deutschland arbeiten, ebenso wie 37 Prozent der Befragten in Tschechien. Österreich rangiert hier weiter hinten - 15 Prozent der Tschechen zieht es ins Nachbarland, sieben Prozent der Polen würden sich Österreich als Arbeitsplatz aussuchen. In den letzten Tagen konnte der Sozialistische Ministerpräsident Schwedens noch zahlreiche EU - Regierungen überzeugen, daß Übergangsfristen für den Arbeitsmarkt nicht nötig seien. Selbstverständlich lehnen auch die Beitrittskandidaten diese Fristen ab. Von einer Wiedergutmachung und Rückgabe des Vermögens an die ca. 18 Millionen vertriebenen Deutschen wollen sie natürlich sowieso nichts wissen. Eine Antwort darauf kann nur eine Verhinderung der Osterweiterung sein. Es wird Zeit, daß auch die FPÖ wieder ihre Pläne zu einer Volksabstimmung über die Osterweiterung aktiviert, um die es in letzter Zeit ziemlich still geworden war. [8. Juni 2001] |