Staatsbesuche in Berlin

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat am 5. 7. 2001 in Berlin den österreichischen  Bundespräsidenten Thomas Klestil empfangen.
Klestil hielt sich zur Eröffnung der Botschaft seines Landes in Berlin auf. Im Mittelpunkt ihres Gesprächs stand die Osterweiterung der Europäischen Union, wie Schröder anschließend vor Journalisten erklärte. Beide Politiker befürworten die Osterweiterung und waren auch an der Inszenierung der EU - Sanktionen gegen die Wiener FPÖ-ÖVP Regierung beteiligt. Zum bundesdeutsch-österreichischen Verhältnis sagte Klestil: «Bilateral   haben wir keine Probleme.» 


Im Vorfeld der Botschaftseröffnung hatte die österreichische Außenministerin Benita Ferrero-Waldner(l.), die ebenfalls zu den Feierlichkeiten nach Berlin gekommen war, das Verhalten Schröders bei seinem Besuch in Wien im Mai diesen Jahres kritisiert. 

Ein weiterer Besucher in Berlin war der Ministerpräsident Israels, der ebenfalls am 5. 6. 2001 in Berlin weilte und mit Bundeskanzler Schröder zusammentraf. Schröder erklärte, daß Deutschland aufgrund seiner Geschichte besondere Verpflichtungen gegenüber Israel zu erfüllen habe. Vielleicht dachte der Kanzler dabei an die jüngste Forderung des Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, die neueste Entschädigung für Zwangsarbeiter von 10 Milliarden Mark sei nicht ausreichend und müsse umgehend weiter erhöht werden.


Ariel Sharon und Gerhard Schröder am 5. 7. 2001 in Berlin

Seinen ursprünglich vorgesehenen Besuch in Belgien mußte Sharon absagen, da ihm dort eine Verhaftung droht. Überlebende eines Massakers in palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon  haben am 18. 6. 2001 bei einem belgischen Gericht Klage gegen den israelischen Ministerpräsidenten eingereicht. In der Klageschrift werden Scharon Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Während der Belagerung Libanons durch die  israelische Invasionsarmee im Jahre 1982 war die mit Israel verbündete  Phalanx-Miliz in die beiden Flüchtlingslager eingedrungen und hatte dort, quasi unter den Augen Scharons, schätzungsweise 800 bis 1.000 palästinensische Zivilisten umgebracht. 


Proteste gegen den Besuch Sharons am 5. 7. 2001 in Berlin

Eine Untersuchungskommission in  Israel machte Scharon indirekt für das Massaker verantwortlich, woraufhin dieser zurücktrat. Eine Klägerin und Augenzeugin berichtete am Montag über das Massaker in den palästinensischen Flüchtlingscamps Sabra und Shatila. Suad Srur El Marai schilderte vor Journalisten, wie ihr Vater und ihre Schwester von dreizehn israelischen Soldaten niedergeschossen wurden. Anschließend sei sie von jedem der Soldaten vor den Augen ihres Vaters  vergewaltigt worden, sagte die heute 36-jährige Frau. Die israelische Regierung beschwerte sich unterdessen bei der britischen Rundfunk- und Fernsehanstalt BBC wegen eines TV-Beitrages über Scharon und dessen Rolle bei  den Massakern von 1982. Eine Sprecherin des Außenministeriums sprach von einem Versuch, Israel und seine führenden Politiker zu beschmutzen. In derSendung hatte ein Professor für internationales Recht an der Universität von Princeton erklärt, Scharon könne nach seiner Rechtsauffassung für seineMitwisserschaft an den Massakern angeklagt werden. Regierungssprecher Avi  Pazner nannte den Beitrag "blanken Unsinn". Den Autoren der Sendung wurde antiisraelische Voreingenommenheit vorgeworfen. Dagegen sagte der Anwalt der 23 palästinensischen und libanesischen Kläger: "Wir hoffen, daß Herr Scharon  vor Gericht gestellt und sich verteidigen wird." Rechtsgrundlage für die Klage ist ein Gesetz von 1993, das die belgische Justiz ermächtigt, Kriegsverbrechen unabhängig vom Ort des Geschehens und der Nationalität der  Täter zu ahnden. Der zuständige Richter muß entscheiden, ob die Klage  zuständig ist. Das belgische Gesetz für die Verfolgung von Kriegsverbrechen von Nichtbelgiern außerhalb Belgiens  wurde zu Beginn des Monats erstmals angewendet. Ein belgisches Gericht fand  vier Bürger Ruandas wegen Kriegsverbrechen im ruandischen Bürgerkrieg für  schuldig und verurteilte sie zu langjährigen Freiheitsstrafen.

:Auch die ägytische Anwaltskammer bereitet derzeit in einen  Prozeß gegen Ariel Sharon vor. Scharon soll für  "Kriegsverbrechen der israelischen Truppen in den besetzten  Palästinensergebieten" angeklagt werden. Der Vorsitzende der Kammer, Samih Aschhur, sagte, der Prozeß werde auf dem Gelände der Anwaltskammer in Kairo stattfinden. Man rechne mit der Teilnahme von Vertretern mehrerer arabischer Staaten und von Spezialisten für internationales Recht. 

Als nächster Besucher wird in Berlin Syriens Staatspräsident Assad erwartet. Bei dessen Besuch in Paris vor einigen Tagen protestierten jüdische Organisationen wegen angeblicher antisemitischer Äußerungen Assads beim  Papstbesuch in Damaskus.

[5. Juli 2001]

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