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Immer unverschämter werden die finanziellen Forderungen der EU
- Beitrittskandidaten. Bestärkt durch die Verzichtpolitiker in den
EU-Ländern, die auf Wunsch ihrer Lobbyisten eine bedingungslose Osterweiterung
zugunsten der Globalisierer erzwingen wollen, fordern die Beitrittskandidaten
eine volle finanzielle Unterstützung ihrer maroden Agrarwirtschaft.
Unterstützt werden diese Erpressungsversuche durch Äußerungen hoher EU-Bürokraten. So forderte der Parteigenosse Bundeskanzler Schröders (SP), "Erweiterungskommissar" Verheugen am 1. 7. 2002 in der FAZ die Bundesregierung und die übrigen EU-Nettozahler auf, sich nicht länger gegen die Direktzahlungen für die Bauern in den Bewerberstaaten zu sperren. Diese Beihilfen seien eindeutig Teil des EU-Regelwerks. Nach der Erweiterung könne es keine Zwei-Klassen-Agrarpolitik geben. Verheugen sprach sich im Grundsatz für eine Reform der Agrarpolitik aus, die aber Frankreich als Hauptnutznießer des gegenwärtigen Systems nicht überfordern dürfe. Die von der Union angestrebte nationale Mitfinanzierung der Direktbeihilfen hätte eine «heillose Zerrüttung des deutsch-französischen Verhältnisses» zur Folge, warnte Verheugen. Damit ließ er die Katze aus dem Sack und zeigte, was den Steuerzahlern nach einer Osterweiterung wirklich bevorsteht, nämlich ein Absinken auf das Armutsniveau der Ostblockländer. Österreichische Politiker haben zur Osterweiterung jedoch andere Ansichten, und als Retourkutsche für die EU-Sanktionen gegen Österreich werden die Eurokraten alsbald mehr davon zu hören bekommen. So sagte z. B. der Kärntner Landeshauptmann J. Haider im Gespräch mit dem "Corriere della Sera" am 26. 6. 2002, eine Umstrukturierung der EU-Institutionen sei notwendig und zeigte sich gegenüber der Osterweiterung kritisch. "Wir sind bereits Nettozahler, wir wollen uns keine Finanzierungen aufbürden, die der Reform im Finanzbereich und im Gesundheitswesen Geld entziehen würden", so Haider. Es sei nicht möglich, in so kurzer Zeit so viele Länder aufzunehmen. Vor allem sei es nötig, die Institutionen der Union zu reorganisieren. Im Gespräch mit dem Kommentator der renommierten Mailänder Tageszeitung, Sergio Romano, sprach sich Haider auch für die Streichung des Artikels 308 des Römischen Vertrags aus, der die progressive Übergabe souveräner Kompetenzen der Staaten an die EU-Bürokratie vorsieht. "Man muß die nationalen und regionalen Gegebenheiten respektieren. Man muß dessen eingedenk sein, daß Europa nicht Amerika ist und daß die 'McDonald's-Kultur' nichts für uns ist", sagte Haider. Bei dem "Europa-Forum" in Göttweig (Niederösterreich sagte
Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) am 30.
6. 2002, ohne die Benes-Dekrete mit Namen zu nennen, "an die Adresse der
Nachbarn, Brüssel und mancher bei uns, jemand, der den Dialog mit
den Nachbarn nicht führe, baut wieder Grenzen auf, baut Mißtrauen
auf und Vertrauen ab".
[1. Juli 2002]
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Das EU-Gipfeltreffen vom 14. und 15. 12. 2001 in Laeken (Flandern) war kein Erfolg für die Eurokraten. Erfreulich ist, daß über die angestrebt EU-Eingreiftruppe zur Unterstützung von NATO-Aggressionen keine Einigung erzielt wurde. Ebenso konnten sich die Regierungen nicht über den Sitz von 13 neuen Behörden der EU einigen. Berlusconi verhinderte eine Vergabe der Lebensmittelbehörde an Finnland, er wollte sie in Parma haben. Die Staats- und Regierungschefs haben in Laeken zwar Europas Reformen für die Zukunft diskutiert, die aktuellen Fragen aber meist vor sich hergeschoben. Neben dem Streit um den Sitz neuer EU-Behörden haben die Staats- und Regierungschefs der EU bei ihrem Treffen in Laeken nächsten, spanischen Ratspräsidentschaft auch einige ungeklärte Probleme in der Justiz- und Innenpolitik übrig gelassen. Das Paket zur Asylpolitik ist wieder aufgeschnürt: Die BRD hat erfreulicher Weise Vorschläge der EU-Kommission zur Liberalisierung der Asylpolitik in der Union abgelehnt. Die Kommission will die von der BRD praktizierte Drittstaatenregelung abschaffen, der zufolge ein Asylsuchender, der aus einem sicheren Drittstaat einreist, abgeschoben wird. Differenzen gibt es unter den 15 weiter wegen der unterschiedlichen lokalen Regelungen zum Familiennachzug. Brüssel soll bis Ende April neue Vorschläge unterbreiten.
Die Staats- und Regierungschefs begrüßten die jüngsten Fortschritte in der EU-Innen- und Justizpolitik: EU-Haftbefehl, gemeinsame Definition terroristischer Aktivitäten, Aufstellung einer Liste von Terrorgruppen. Ungelöst hingegen blieb die Frage einer gemeinsamen Grenzpolizei. Daß das Thema der "Mechanismen oder Dienste" zur gemeinsamen Kontrolle der Grenzen in die Schlussfolgerungen des Gipfels aufgenommen wurde, galt jedoch schon als Erfolg. Zum EU-Patent gab es auch in Laeken keine Entscheidung. Die Kommission will die Kosten für die Anmeldung eines europäischen Patents von derzeit 11.000 EURO halbieren. Erreicht werden soll dies über ein einfaches Sprachenregime. Die Aufzählung von Ländern, die angeblich 2004 der EU beitreten sollen hatte wohl nur deklamatorischen Wert. Gewalttätige, hauptsächlich aus der BRD angereiste Demonstranten lieferten sich an beiden Tagen des EU-Gipfels heftige Auseinandersetzungen mit der Brüsseler Polizei, schleuderten Brandsätze und warfen Fenster mehrerer Gebäude und Autos ein. 70 Personen wurden festgenommen. Mit der "Erklärung von Laeken" der Staats- und Regierungschefs waren aber zumindest die Vertreter der - friedlich protestierenden - Bürgerbewegungen am Ende recht zufrieden. Vor allem, weil der künftige EU-Reformkonvent erstmals auch Vertreter der Zivilgesellschaft - wie NGOs, Sozialverbände, Unis - in seine Arbeit einbinden soll. Auf die Anliegen speziell der Globalisierungskritiker hatte der belgische Premier und amtierende EU-Ratspräsident Guy Verhofstadt schon Ende Oktober auf einem extra einberufenen Kongreß einzugehen versucht. [16. Dezember 2001] |