Offener Brief zur serbischen Kundgebung vom 24. 2. 2008 auf dem Wiener Heldenplatz

FPÖ-Bundesparteiobmann HC Strache richtet am 23. 2. folgenden offenen Brief an alle Teilnehmer der serbischen Kundgebung vom 24. 2. 2008 auf dem Heldenplatz. Das Schreiben wurde auf der Kundgebung vorgelesen:

Sehr geehrte Damen und Herren !

Mit Bedauern nehme ich den Brief, den ich vom Präsidenten des Dachverbands serbischer Vereine in Österreich, Malisa Ilic, erhalten habe, zur Kenntnis, dass er bei der Kundgebung am Sonntag keine Teilnahme österreichischer Politiker wünscht, obwohl ich als vehementer Verfechter der Prinzipien des Völkerrechts und als Freund der patriotischen Serben sehr gerne mit meiner Anwesenheit ein Zeichen für meine Unterstützung der gerechten serbischen Sache gesetzt hätte. Ich hoffe aber, dies auch in Zukunft bei Veranstaltungen tun zu können.

Ich darf Ihnen jedenfalls meine volle Solidarität zusichern für Ihre Proteste gegen das internationale Unrecht, das Serbien in diesen Tagen zugefügt wird. Wenn die Willkür sich über alle Grenzen des Anstands und der Legalität hinwegsetzt, muss man seine Stimme laut erheben, um Gehör zu finden.

Die einseitige Unabhängigkeitserklärung des Kosovo ist völkerrechtswidrig, und sie ist ein Bruch der UNO-Resolution 1244, die zwar eine substantielle Autonomie, aber keine Unabhängigkeit dieser Region vorsieht. Das hindert aber leider auch die österreichische Bundesregierung nicht daran, diesen künstlichen, auf US-amerikanisches Geheiß geschaffenen Staat anzuerkennen und sich mitschuldig zu machen an diesem eklatanten Bruch des Völkerrechts.

Der Kosovo ist urserbisches Gebiet. Die Schlacht auf dem Amselfeld 1389 in der Nähe des heutigen Pristina, in der die Serben sich gegen den osmanischen Imperialismus zur Wehr gesetzt haben, ist eines der wichtigsten Ereignisse der serbischen und europäischen Geschichte.

Zudem war der albanische Nationalheld Georgi Kastriotti SKENDERBEG, der von 1403 bis 1468 lebte, in Wahrheit ein Serbe mit einer serbischen Mutter und einem serbischen Vater. Diese Tatsache kann man sowohl in der Encyclopaedia Britannica als auch in der französischen Enzyklopädie Larousse nachlesen, und so schreibt es auch der berühmte deutsche Historiker Karl Hopf in seinem Werk "Unpublizierte oder wenig bekannte griechische und römische Chroniken", erschienen in Berlin 1873.

In den ersten 1000 Jahren in der Geschichte gibt es außerdem keine Spur eines Nachweises von Albanern. Und die in Albanien liegende Stadt Skadar war der Königssitz des serbischen Königs Vukasin 1365.

Es gibt auch heute zwischen Österreich und Serbien keine Differenzen mehr, die historischen Konflikte sind samt und sonders beigelegt. Das sind Errungenschaften, die man nicht einfach so vom Tisch wischen darf.

Eine Anerkennung des Kosovo als eigener Staat ist nichts anderes als ein Anschlag auf die serbische Souveränität und auf die serbische Identität. Es stellt das Selbstverständnis des serbischen Staates in Frage. Offenbar will man das politische Faustrecht wieder salonfähig machen.

Und der österreichische Bundeskanzler und die Bundesregierung spielen hier unverständlicherweise mit und machen sich zum Anwalt Pristinas, anstatt die neutrale Tradition Österreichs, auf die wir zu recht stolz sein können, zu beherzigen und eine Vermittlerrolle einzunehmen.

Wien

Kundgebung am 24. 2. 2008 auf dem Wiener Heldenplatz. Interessant ist der bei serbischen Demonstranten oft zu sehende Schwur oder Gruß mit drei Fingern. Auch Schweizer Regierungsmitglieder werden so angelobt. Strache wurde das Zeigen dieses "Dreifingergrußes" vorgeworfen, da es sich um einen "Neonazigruß" handeln soll. 
Mitrovica

Ich darf in diesem Zusammenhang auch die klaren Worte des ehemaligen kanadischen Botschafters in Belgrad, James Bissett, zitieren. James Bissett hat gesagt:
"Sie haben unter der NATO-Besatzung fast die gesamte nichtalbanische Bevölkerung vertrieben, über 150 christliche Kirchen und Klöster zerstört. Die Unabhängigkeit des Kosovo wird den Traum eines 'Groß-Albanien' anheizen und den Balkan weiter destabilisieren."

Und weiter meint James Bissett:

"Die Unabhängigkeit des Kosovo bricht das Völkerrecht. Die Charta der Vereinten Nationen und die Schlussakte von Helsinki werden verletzt. Die territoriale Unversehrtheit, Souveränität und Unverletzbarkeit der Grenzen sind elementare Gesetzmäßigkeiten, die nicht nach Lust und Laune der NATO-Länder beiseite gewischt werden können. Diese Prinzipien zu ignorieren, bedeutet, die wesentlichen Grundsätze für die Beziehungen zwischen Staaten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu verletzen. Die USA zeigen ein perverses Interesse, für die albanische Seite auf dem Balkan einzutreten. Das ist bekannt. Wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien hier gehorsam folgen, enttäuscht mich aber sehr."

Aber die Meinung erfahrener und besonnener Diplomaten ist offenbar weder in Brüssel noch in Wien gefragt. Stattdessen unterwirft man sich freudig dem Willen Washingtons und redet gleichzeitig von einer eigenständigen europäischen Außenpolitik, obwohl man ganz offensichtlich am Gängelband der Amerikaner hängt.

Es ist auch völlig inakzeptabel, dass die EU die einseitige Loslösung des Kosovo aus dem serbischen Staatsverband auch noch logistisch und finanziell unterstützt und belohnt. Schließlich sind schon Milliarden Euro von Wiederaufbauhilfe in diese Region geflossen, ohne dass es wirklich etwas genützt hat.

Ohne Serbien ist der Kosovo wirtschaftlich nicht überlebensfähig, die EU-Gelder werden auch weiterhin in dunklen Kanälen versickern. Schließlich hat der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) schon 2005 den jetzigen Premier Thaci in der Nähe zum organisierten Verbrechen gesehen und wirft ihm Verbindungen zum Drogen- und Waffenhandel vor.

Die  FPÖ unter meiner Führung wird jedenfalls weiterhin entschieden für die Rechte Serbiens eintreten. Wir werden nicht schweigen und das Unrecht, das hier geschieht, auch weiterhin beim Namen nennen. Das betrachten wir als unsere Pflicht. Das Menschenrecht auf Heimat muss auch für die Serben Gültigkeit haben.

Ich darf Ihnen versichern, dass das serbische Volk in mir immer einen Freund haben wird, und dass ich immer ein offenes Ohr und ein ebenso offenes Herz für seine berechtigten Interessen haben werde. Ich stehe für das andere Österreich, das für das Selbstbestimmungsrecht der Serben und für alle Völker in Europa eintritt. Denn als patriotische Österreicher und Europäer tragen wir gemeinsam die Verantwortung für ein gerechtes Europa der Vaterländer.

Mit herzlichen Grüßen

 HC Strache

 

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