Sogar Hormonpillen für Ausländer gratis
Das Interview von Thomas Prinzhorn in den Stuttgarter
Nachrichten vom 22. September 1999:StN: Herr Prinzhorn, würden Sie in eine ÖVP-dominierte
Regierung eintreten?P: Das glaube ich nicht. Es steht nach den Umfragen auch gar
nicht zur Diskussion. Die ÖVP scheint nicht mehr in Tritt zu
kommen. Sie hatte Jahrzehnte Zeit, dieses Land zu verändern.
Die einzige Alternative wäre eine FPÖ-ÖVP-Regierung unter
FPÖ-Führung.
Da sind wir sehr offen. Die Ausgrenzungspolitik überlassen wir
den anderen. Wohin das geführt hat, wird das Wahlergebnis
am 3. Oktober zeigen.StN: Trotzdem rechnen Sie nach wie vor mit einer großen
Koalition, oder?P: Ja, denn dieses Land ist aufgeteilt zwischen den großen
Parteien. Rot und Schwarz werden ihre Machtprivilegien erst
aufgeben, wenn sie gemeinsam unter 50 Prozent liegen. Davon
sind sie noch ein paar Prozente entfernt.StN: Was ist der Hauptimpuls Ihrer Wähler?
P.: Weg mit der großen Koalition. In ihr werden die Interessen
der Staatswirtschaft mit den bürgerlichen Interessen
zusammengebunden. Die jetzige Koalition wurde durch
Apparate institutionalisiert: Zwangsmitgliedschaften in
Kammern, rote und schwarze Banken. Diese riesige Bürokratie
führt letztlich dazu, dass wir unsere sozialen Errungenschaften
nicht mehr finanzieren können.StN: Österreich steht mit seinen Wirtschaftsdaten aber gut da.
P: Wir stehen wegen einiger Wirtschaftsdaten im Tourismus relativ
gut da. Aber wir haben im Haushalt riesige Defizite.StN: Treiben Ihnen nicht auch Fremdenfeindlichkeit, Sozialneid
und die Abneigung gegen moderne Kunst die Wähler zu?P: Wir sind für moderne Kultur, wir sind nur gegen das Monopol
der staatlichen Kulturförderung. Als Jörg Haider
Landeshauptmann in Kärnten wurde, hieß es: Alle Künstler
werden auswandern. Das Umgekehrte ist der Fall.StN: Und die Fremdenfeindlichkeit?
P: Wir sind nicht fremdenfeindlich. Wir sagen nur offen, dass
wir das EU-Land mit der höchsten Ausländerquote sind. Wir
wollen die Schranken so lange dicht machen, bis die
Arbeitslosigkeit wieder auf ein vernünftiges Maß kommt.StN: Aber in Sachen Arbeit steht Österreich doch prächtig da!
P: Glauben Sie nicht der Statistik! Die ist bereinigt. Wir sind das
Land mit den meisten Frührentnern Europas, wir schicken
Lehrlinge auf Kurse ohne jede Berufsrelevanz, nur damit sie
nicht in der Statistik auftauchen. Wir sind eben ¸¸sehr kreative
Buchhalter'', wie der Finanzminister lachend zu sagen pflegt.StN: Haider hat gesagt, dass der berühmte Kinderscheck, den
er in Kärnten einführen will, nicht für Ausländer gelten soll.P: Mit unserer Kinderpolitik wollten wir ein Signal setzen.
Asylanten und Ausländer haben eine ganze Reihe von
Vorteilen. Sie bekommen zum Beispiel Medikamente zur
Hormonbehandlung vom Sozialamt gratis, um ihre
Fruchtbarkeit zu steigern. Inländern wird das nur sehr selten
gewährt.StN: Was haben die EU-Partner von einer Regierung mit der
FPÖ zu erwarten?P: Wir sind eine Europa-Partei und stehen für ein Europa der
Regionen, nicht für ein Europa der Zentralbürokratie.Fragen von N. Mappes-Niediek, Wien