Menschenrechte für Affen

Die Spanische Regierung will Menschenaffen als "genetischen Gefährten des Menschen" gewisse Grundrechte einräumen.

Die Regierungspartei der Sozialisten brachte im Parlament eine entsprechende Initiative ein. Der Vorschlag sieht vor, dass Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Zwergschimpansen aufgrund ihrer Verwandtschaft mit dem Menschen bestimmte Grundrechte erhalten.

Drei Rechte sollen den Menschenaffen zugesprochen werden: Das Recht auf Leben (Schutz ihrer Lebensräume, Tötung nur zur Selbstverteidigung), das Recht auf Freiheit (keine Haltung im Zoo oder im Zirkus) und das Recht auf körperliche Unversehrtheit (kein Einsatz mehr in Labortests).

Die Sozialisten von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero machten sich mit dem Vorstoß die Forderungen des internationalen "Projekts Menschenaffen" zu Eigen, das vor acht Jahren gegründet wurde und laut Angaben von Wissenschaftern an 70 Universitäten unterstützt wird. "Wenn Spanien die Vorschläge annimmt, wäre es nach Neuseeland weltweit das zweite Land, das unseren Empfehlungen folgt", sagt Pedro Pozas, der Generalsekretär des Projekts in Spanien.

Heftige Kritik kam dagegen u. a. von der katholischen Kirche: Der Erzbischof von Pamplona, Fernando Sebastian, meinte in Anspielung auf die von den Sozialisten unterstützte Abtreibung, die Regierung wolle den Affen Rechte einräumen, die sie ungeborenen Kindern versage.

Die Chefin der spanischen Sektion von Amnesty International, Delia Padrón, meinte: "Es ist erstaunlich, dass Affen Menschenrechte zugesprochen werden sollen, obwohl noch nicht einmal alle Menschen diese Rechte besitzen."

Umweltministerin Cristina Narbona unterstützt die Initiative, stellte aber klar: "Es geht um gewisse Grundrechte, nicht darum, Affen alle Menschenrechte zuzuerkennen. Dies ist ein Missverständnis, das durch eine falsche Übersetzung aufgekommen ist."

Ein Kommentator der Zeitung El Mundo schrieb: "Wir sollten uns in Spanien beim Tierschutz um näher liegende Probleme kümmern wie zum Beispiel um die Frage des Stierkampfs." In einer Umfrage sprachen sich 77 Prozent der Leser gegen das Vorhaben aus. 

Für den Abgeordneten Francisco Garrido, der das Vorhaben im Parlament vorgelegt hat, sind die Menschenaffen "genetische Gefährten der Menschheit". "Die Menschenaffen besitzen eine Selbstkontrolle und einen Sinn für Vergangenheit und Zukunft", betonte der Parlamentarier. "Sie trauern über den Tod von Angehörigen, sie teilen sich die Nahrung, sie gehen feste Beziehungen ein und erlernen die Benutzung von Werkzeugen. Sie sind keine Menschen, aber sie gehören zu unserer Familie."

[2. Mai 2006]

http://www.greatapeproject.org/ 


 
Schimpansen sind auch Menschen

Nachdem im Kampf gegen den Rassismus bekanntlich die unterschiedlichen menschlichen Rassen abgeschafft wurden bzw. nach Lehre der Antirassisten nie existierten, soll jetzt der Begriff vom Menschen weiter korrigiert werden. In vielen Schulen der USA wird auf Wunsch christlicher Fundamentalisten schon seit langem die Evolutionstheorie für falsch erklärt. Jetzt soll es eine weitere Neuerung auf dem Gebiete der Anthropologie geben. Nach Ansicht eines amerikanischen Forscherteams sollen Schimpansen statt als Affen- künftig als Menschenart eingestuft werden. Schimpansen seien enger mit Menschen verwandt als mit Gorillas oder anderen Menschenaffen, schreiben die Wissenschaftler in einem am 20. 5. 2003 veröffentlichten Bericht. Deshalb sollten sie künftig der Gattung «Homo» zugerechnet werden, die bislang für den Menschen reserviert ist, fordern Morris Goodman und seine Mitarbeiter von der Universität Wayne in Detroit.

Die enge genetische Verwandtschaft zwischen Schimpansen und Menschen, deren Erbgut zu 99,4 Prozent identisch ist, ist seit langem bekannt. Die Forderung Goodmans könnte aber die Debatte über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier, etwa über Experimente an Menschenaffen, neu entfachen. «Wir Menschen sind nur leicht umgebaute, Schimpansen-ähnliche Affen», sagt Goodman. Genau diese Interpretation ist allerdings umstritten, weil sie die Einzigartigkeit des Menschen in Frage stellt. Gerade in den USA, wo schon der Unterricht über die Evolution in einigen Staaten als heikles Thema gilt, könnte Goodmans Vorschlag für Zündstoff sorgen.

Goodman hofft dennoch, dass er Mitstreiter für seine Idee gewinnen kann. «Wenn sich genug Leute dafür einsetzen, könnte es ein Symposium darüber geben, ob dieser Vorschlag vernünftig ist», sagt Goodman.

[20. Mai 2003] 

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