Die Perser

Zwischen 2000 und 1600 v. Chr. teilten sich auf südrussischem Boden die Indoiraner in zwei Gruppen, die Inder und verwandte Stämme einerseits, die Perser und Verwandte andererseits. Die indische Gruppe wanderte zuerst aus den südrussischen Sitzen ab. Die bemalte Keramik aus Südosteuropa drang nach Susa und Mussian in Südpersien und nach Anau bei Aschabad am Nordrande Persiens vor. Kupfer und Bronzebeile und als Sinnbild das Hakenkreuz haben diesen Zug begleitet. Ausläufer der bemalten Keramik sind auch im Gebiete des Aralsees durch Funde festgestellt worden (Schuchardt, Alteuropa, 1926, S. 283). Hierdurch sind die ersten Indogermanenwellen südosteuropäischer Herkunft für Westasien angezeigt, denen - vorerst undeutlich - die stärkeren Wellen des Indoiranertums folgten.

Geschichtlich tauchen die aus Südrußland abgewanderten Iraner erst viel später als die Inder auf; die Perser, die einer medischen Einwandererwelle folgten, im Süden des Urmiasees (zwischen Urmia und Täbris in Aserbeidschan) erst um 900 v. Chr. In dieser Zeit werden sie als Parsawa von assyrischen Inschriften erwähnt. Einige Jahrzehnte später und so durch das ganze 9. Jahrhundert hindurch vermelden assyrische Inschriften auch hartnäckige Kämpfe mit den Medern, die ihre Herrschaft schon in Westiran befestigt hatten.

Den Einwanderungswegen der Meder folgend, rücken die Perser allmählich in Iran ein. Die Meder erscheinen als nächste Verwandte der Perser, als ein Bruderstamm der persischen Stämme. Sie sind schließlich im Persertum aufgegangen; doch hat sich im persischen Reiche jahrhundertelang noch ein besonderes medisches Stammesbewußtsein geregt. Herodotos (VII, 62) überliefert, die Meder hätten sich früher "Arier" genannt und seien so genannt worden. Sie haben sich also wie  Perser und Inder zur Herkunft aus einem  Ariertum der Vorzeit bekannt. Der Landschaftsname "Iran", früher "Eran", bedeutet "Arierland" und ist vielleicht sakischer ´Herkunft (Hüsing).

Von der "Urheimat der Arier" in der persischen Sage, einem Gebiet mit zehn Wintermonaten und nur zwei Sommermonaten ist berichtet worden. Die persische Sage kennt auch einen Götterberg im Norden (Just, Persische Geographie, Marburg 1870).

Auf mittel- bis nordwesteuropäische Zusammenhänge des Iranertums scheint auch der von den Persern bevorzugte Pferdeschlag zurückzuweisen. Abbildungen persischer Pferde aus Persepolis "zeigen Pferde von unzweifelhaft okzidentalem Aussehen" (Hilzheimer, Rassengeschichte der Haustiere, 1926, S. 133). In späterer Zeit bezogen die Perser gerne ihre Pferde aus den Zuchten Mediens und Armeniens, bis wohin vielleicht immer wieder Nachschübe abendländischer Pferdeschläge gelangten, später aber nicht mehr der kleine indogermanische Pferdeschlag, sondern ein großer, den Polybios (X, 6) erwähnt. Die iranischen Meder galten nach Hilzheimer (S. 133) als besonders pferdekundig. Die persischen Pferde sind jedenfalls nicht verwandt mit den Steppenpferden Südosteuropas und Westasiens, die vom sog. mongolischen Wildpferde abstammen, eher verwandt mit Kaltblütern des steinzeitlichen Nordwesteuropas. Bei einer Herkunft des Iranertums und des gesamten Indogermanentums aus Asien oder aus einem asiatisch-europäischen Steppengebiete müßte man bei den Iranern auch Pferde asiatischer herkunft erwarten.

Die Perser aus der Zeit der Landnahme empfanden einen rassischen Unterschied zwischen den Einheimischen und sich selbst. In der Awestadichtung (Jascht 13, 87) wird "die Familie der arischen Länder" von einem eigenen Urvater abgeleitet, vom arischen Urmenschen Gaja (Awesta, Heilige Bücher der Perser, 1910, S.242). In den Sagen vom Kampfe der Arier gegen die Diws, widergöttliche Wesen, scheinen Erinnerungen bewahrt vom Kampfe der Perser gegen Ureinwohner im Gebiete Irans (Spiegel, Eranische Altertumskunde, Bd, III, 1878 S. 186). Im Awesta scheinen Jascht 15, 12 und Jascht 19, 29 noch Erinnerungen an eine Eroberung des Landes und eine Vertreibung und Verknechtung von Ureinwohnern zu enthalten, wobei Züge der Urbevölkerung zu der Gestalt des Widergottes Angra Mainju (Ahriman) zusammengefaßt worden wären (Pietrement, Bulletin de la Societe d Anthropologie de Paris, III. Reihe, Bd. II, 1879, S. 408).

Modi weist nach, daß auch die Perser die Völker eingeteilt haben in Arier und Nichtarier, daß es aber zwischen den sich bildenden Ständen des frühen Persertums, in dessen unterstem Stande die nichtarische eingeborene Bevölkerung gesucht werden muß, nicht zu einem Eheverbot gekommen sei (J. Modi, "Was there Caste in ancient Iran", Journal of the Anthropoloigical Society of Bombay, Bd. 13, 1928, S. 816 ), nicht zu den Eheschranken, die bei anderen Völkern indogermanischer  Sprache bestanden. Daraus läßt sich schließen, daß entweder die Vorbevölkerung verhältnismäßig gering an Zahl war oder daß zunächst wenig Neigung zu gegenseitigen Mischehen bestand. 

Von Westen her drangen die Perser in Iran vor, nicht als Hirtenkrieger, sondern als Bauernkrieger. Das muß gegenüber unrichtigen Vorstellungen über das Wesen des Indogermanentums  betont werden. Die Iraner und so auch die Perser "vollführen Wanderungen mit der Absicht der günstigen Ansiedlung" wie sich ein Kenner des Iranertums ausgedrückt hat (Hertel, Yast, 14, 16, 17, 1931, S. 208), und zwar der vollbäuerlichen Ansiedlung. "Die Masse der Perser waren Bauern, die ihre Felder selbst bestellten." (E. Meyer, Geschichte des Altertums, Bd. III, S. 37). Wie andere Indogermanen, so führten auch die Iraner auf ihren Wanderungen ihre ganze bäuerliche Habe auf einfachen Wagen mit sich, die meist wohl von Ochsen, den Pflugochsen des Indogermanentums, gezogen wurden und als deren Räder ursprünglich kreisrunde Scheiben aus einem Baumstamm dienten. Die einwandernden Iraner, auf der Suche nach günstigem Ackerland, führten ihre Haustiere mit sich, Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen und Hunde. Auch die Perser genossen Pferdefleisch. 

Im 7. Jahrhundert v. Chr. dehnte sich die persische Herrschaft, die frühere medische zum Teil überlagernd, schon über den ganzen Westen Irans aus. Von diesem Westen aus erfolgte später die Gründung eines Großstaates, der über ganz Vorderasien bis nach Ägypten einerseits, nach Indien und Innerasien andererseits reichte. 

Bei ihrer Einwanderung bestanden bei den Persern wie bei den Indern noch die Verhältnisse des indogermanischen Geschlechterstaates, die sich zum Teil bei den Afghanen erhalten haben - etwa die Verhältnisse, die Tacitus bei den Germanen seiner Zeit beschreibt. Der indogermanische Geschlechterstaat baut sich auf über dem Zusammenhang der Sippen vaterrechtlicher Ordnung; der Keim des Staates war jeweils durch eine mit bestimmter Macht ausgestattete Körperschaft der Geschlechtsältesten gegeben, aus denen sich bei gemeinsamen Gefahren und zum Zwecke der Eroberung und Landnahme eines der bewährtesten Geschlechtshäupter als Stammesherzog mit beschränkter Macht erheben konnte. 
Die Familien standen unter Herrschaft der Familienväter die als patria potestas unter den Indogermanen am entschiedensten bei den Italikern ausgebildet ist. Der Volksverband baute sich von der Familie über die Sippe zum Geschlechterverband (persisch wis) aus; ein Geschlechterverband oder mehrere bildeten einen Stamm (persich mantu) und die Stämme zusammen das Volk. Das ist der gleiche Aufbau, der auch bei anderen  Indogermanen erscheint: von der Familie über das Geschlecht (griechisch genos, italisch gens) und den Geschlechterverband (phratria, curia, bei den Germanen "Hundertschaft") zum Stamme (phyle, tribus, bei den Germanen "Gau") und zum Gesamtvolke (populus) (Kuhlenbeck, Die Entwicklungsgeschichte de Römischen Rechts, 1913, S. 40).

In den frühesten Zeitabschnitten der Geschichte indogermanischer Völker ist die Zusammenfassung gemeinhin erst erst bis zu Stammeseinheiten ausgebildet; Stammesherzöge treten auf mit beschränkter macht, zunächst nur als Erste unter Gleichen, als Wortführer eines Adels, der durch die Geschlechterältesten und bewährtesten edlen Geschlechter vertreten wird. Der homerische Agamemmnon stellt einen solchen Stammesherzog indogermanischer Prägung dar. Innerhalb ihrer Stammesgenossen fühlen sich alle Familienväter als "Freie" und "Gleiche".

Alles indogermanische Recht und so auch das der Indoiraner entspringt dem Familienrecht. Der Hausvater selbst ist ursprünglich Richter und Priester. Glauben, Sitte und Recht sind noch eine Einheit, und im Glauben tief verwurzelt ist die Heiligkeit der Blutsbande und die Pflicht zur arterhaltenden, ja artsteigernden Fortpflanzung. Die Vorväter - bei den Römern die divi parentes - sind göttliche Ahnen, denen von ihren Nachkommen geopfert werden muß. Unselig erschien darum, wer kinderlos starb; die Ahnenverehrung riß mit ihm ab, das heilige Herdfeuer erlosch nach ihm. Darum war die Ehe ein heiligtum (Sakrament) und Ehelosigkeit bei allen Indogermanen verabscheut; mit Recht hat man sie als ein "zeugungs- und kinderfrohes Geschlecht" bezeichnet (Schrader Reallexikon der indogermanischen Altertumskunde, Kinderreichtum).
Gerade bei den Persern erscheinen solche altindogermanischen Anschauungen  der Sippenzucht besonders betont und im Mazdaismus zu besonderer leuchtkraft gesteigert. Tapferkeit und Kinderreichtum galt bei den Persern (nach Herodotos I, 35) als das Rühmlichste, und damit ist ja die Verpflichtung zu solcher Gattenwahl ausgesprochen, welche die Erzeugung tapferer kinder verbürgt. Wie die Ordnung der Zeugung  sich in indogermanischer Überlieferung als ein Teil der Weltordnung darstellt, kann man im Mazdaismus sehen.

Die Perser zur Zeit ihrer Reichsgründung

Die erste tiefer gehende Wandlung im rassischen Geschick und im Gesellschaftsaufbau der Iraner muß sich im Zeitabschnitt um 600 ergeben haben, als sich unter den Persern ein mächtiger Stammesherzog als ein "König der Könige" oder "Großkönig" über die anderen erhob. Die daraus folgende Zusammenfassung der persischen Volkskraft ermöglichte die Gründung eines persischen Reiches.

In diesem sich ausdehnenden Reiche gab es nun unterworfene rassenfremde Schichten, und das aus dem Bauernkriegertum der frühen Perser, aus dem sich der höchste Adel der edleren Geschlechter  mit größerem Grundbesitz erhoben hatte, entstanden bei der Entfaltung des wachsenden Staatswesens  neue Schichtungen und Abstufungen, getrennte Stände, so besonders nach Entstehung eines persischen Städtewesens.

Aus dem frühpersischen Schrifttum geht hervor, daß zunächst nur folgende Stände sich bildeten: 1. Priester, 2. Adelskrieger, 3. Bauern, diese - wahrscheinlich durch Schichtungen auf Grund verschiedener Veranlagung und Eignung  und durch verschidenes Geschick in verschiedener Umwelt - aus dem arischen Persertum selbst. Später entstand eine Schichtung in 1. Priester, 2. Adelskrieger, 3. Bauern, 4. Handwerker, wobei die Nachkommen der voriranischen unterworfenen Bevölkerung wahrscheinlich in der Hauptsache dem vierten Stande angehörten (J. Modi, "Was there Caste in ancient Iran", Journal of the Anthropoloigical Society of Bombay, Bd. 13, 1928, S. 818 ). Die Entstehung eines gesonderten Priestertums wird ähnlich zu beurteilen sein wie die indische Erscheinung des Brahmanismus. Die Trennung des iranischen Ariertums in einen Kriegsadel und freie Bauern mag in Iran zu ähnlichen Folgen wie in anderen Indogermanenvölkern geführt haben, zum Absinken kleinbäuerlicher Geschlechter in die Schicht der unterworfenen vorindogermanischen Bevölkerung, d. h. in die Schicht ohne überlieferte Gebote indogermanisch-vaterrechtlicher Rassenzucht. Solche Vorgänge lassen sich auch in Hellas, z. B. in Attika im Zeitalter Solons und Kleisthenes, verfolgen nach Trennung des eingewanderten Hellenentums in eupatridischen Adel und freie Bauern. 

Unter Kurusch II. (griechisch Kyros), Großkönig seit 560 v. Chr. begann die Entwicklung des persischen Reiches zur Großmacht: Ganz Iran, Babylonien, Kleinasien werden unterworfen, Gebiete also, die größtenteils ziemlich dicht bevölkert waren, der Rasse nach Menschen von überwiegend vorderasiatischer, bald überwiegend orientalischer Rasse oder von Rassengemischen dieser beiden Menschenschläge. Das völkische Selbstgefühl und die kriegerische Kraft des Persertums wurden zur Zeit der Errichtung ihres Großreichs gehoben durch den Mazdaismus, den das Herrscherhaus des Hachamanisch- Nachkommen, der Achaimeniden (wie die Hellenen es benannten), besonders lebhaft ergriff und beförderte.

Der Mazdaismus

Die Gesittung (Kultur) des frühen Persertums und damit auch das meiste Geistesgut, das im Mazdaismus wirksam wurde, bieten ein besonders gutes Beispiel für die Gestaltung eines Volkstums und eines Glaubens aus dem Geist der nordischen Rasse. Wenn man sich frägt, wie eine Glaubensgestaltung aus nordischem Wesen beschaffen sein müsse, so werden der persische Mazdaismus, die homerische Frömmigkeit der Hellenen und die germanische Frömmigkeit (Kummer: Mitgards Untergang, 1927) mit ihren Grundzügen und besonders ihren gemeinsamen Zügen die Antwort im wesentlichen erteilen können. Frühes Persertum, frühes Hellenentum und Germanentum enthalten als Geistesschöpfungen alles wesentlische, worin die nordische Rassenseele, jeweils zu einzelnen Volkstümern abgewandelt, sich in möglichster Reinheit arteigen ausgedrückt hat. Auch aus diesem Grunde soll hier einiges über den Mazdaismus ausgeführt werden. Die rassenkundlichen zeugnisse dafür, daß man das Persertum zur Zeit der Achaimeniden und der Ausbreitung des Mazdaismus der Rasse nach als überwiegend nordisch ansehen darf, sollen später zusammengestellt werden. 

Gegen Ende des 7. oder zu Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. - also lange vor den Glaubensstiftern, vor Buddha und den großen israelitischen Propheten - ertstand aus ostiranischen Geschlecht ein Mann namens Spitama, der später den Zunamen Zarathuschtra (th wie englisches th gesprochen) erhielt (aus Zarathuschtra entstand später Zoroaster und italienisch Sarastro, bekannt aus der Zauberflöte).

Von Zarathuschtra ( Zarathustra) ging eine Umbildung und Klärung der überlieferten indoiranischen Götterlehre aus, die bald persischen Glauben wesentlich vom indischen abhob. Die indischen dewas (zu latein deus, zu germanisch. Tyr-Ziu), in Indien Gottheiten, wurden in Persien zu diws, teufelähnlichen Gestalten, an deren Stelle, nachdem Persien zum Islam gezwungen worden wr, islamische scheitan (=Satans-) Gestalten traten. Die Vielheit der indischen asuras, böswilliger Schädlingsgottheiten, entsprach schließlich in Persien nur noch eine Gestalt, und sie wurde durch Zarathuschtra nahezu zum Eingott erhoben: Ahura Mazda, der größte Ahura. 

Gemeinsam blieben Indern und Iranern die Gottheit Mithra, die im Mazdaismus zurücktritt und soma, persisch haoma, ursprünglich das Rauschgetränk für Götter und Menschen, vergleichbar dem Nektar der Hellenen, dem Met der Germanen. 

Der Mazdaismus Zarathuschtras ist die erste Glaubensstiftung, die dem ganzen Weltlauf und der Staatsordnung, sowie der Lebensführung der Menschen eine sittliche Bedeutung beimißt, den Menschen selbst in das Weltgeschehen als Mitwirkenden mitten hineinstellt zu der Entscheidung für oder wider Gott. Der Mazdaismus stellt überhaupt die erste bewußte Heilsordnung und Gotteslehre dar und hat damit geradezu schon Züge einer gewissen Gottesgelehrtheit, einer Theologie. Eben hierin darf man gegenüber der geringeren Bewußtheit des Frommseins, der unmittelbaren Frömmigkeit des Hellenen oder Germanen, gegenüber dem Fehlen "theologischer" Neigungen bei Hellenen und Germanen, einen Einfluß der vorderasiatischen Rassenseele suchen, der die "geoffenbarten" Glaubensinhalte und die Aufstellung von Glaubenssätzen teuer sind. Gerade von diesen "theologischen" Bestandteilen des Mazdaismus, aber auch von anderen, sind tiefgreifende Einflüsse ausgegangen auf Judentum und Christentum.

Dem Indogermanentum fremd sind die dem ursprünglichen weniger, dem späteren mehr anhaftenden Einwirkungen des Erlösungsgedankens. Der Erlösungsgedanke gehört besonders der vorderasiatischen Rassenseele an, der Clauß darum die Bezeichnung "Erlösungstypus" gegeben hat (Clauß, Rasse und Seele, 3. Aufl. 1933). Dieser Gedanke regt sich aber auch deutlich überall da, wo die ostbaltische Rasse vorwiegt oder beigemischt ist. Vom Morgenlande und von Osteuropa sind dem Abendlande immer wieder neue Ausgestaltungen des Erlösungsgedankens zugekommen. Den späteren Mazdaismus hat der Gedanke der Erlösung und die Vorstellung eines Heilands (persisch saoschjant) stark durchsetzt. Reitzenstein hat aber nachgewiesen, daß der Erlösungsgedanke sich in der persischen Frömmigkeit erst geregt hat durch fremden Einfluß, erst nachdem die Perser nach Babylonien und Syrien, also in Gebiete überwiegend vorderasiatischer Rasse, vorgedrungen waren (Reitzenstein, Das iranische Erlösungsmysterium).
Einwirkungen vorderasiatischen Geistes, durchaus begreiflich in Iran, können aber dem ursprünglichen Mazdaismus doch nicht die wesentlichen Kennzeichen eines Glaubens nordischer Artung nehmen.

Unmittelbar aus altindogermanischem Geistesgute stammt Zarathuschtras Verehrung einer göttlichen Ordnung der Welt: einer Ordnung, die bei den Indern als ritam erscheint, über die Warunawacht, bei den Persern als rtam (artam) und als ascha (= Heil oder Recht oder Ordnung); das Wort ritam erscheint dem Wortstamm nach und im Zusammenhang mit ähnlichen Glaubensvorstellungen bei den Römern als ritus. Dieser Gedanke einer "sinnvollen Ordnung",  wie ihn W. Schultz gefaßt hat, tritt im Hellenentum als der Kosmosgedanke hervor und läßt sich auch in der Midgardvorstellung der Germanen wieder erkennen. Die nordische Rasse hat sich ihrem ganzen Wesen entsprechend in allen Frühzeiten der großen Geschichtsvölker indogermanischer Sprache als eine "weltordnende Rasse" erwiesen, hinwegstrebend vom Chaos und hinstrebend zum Kosmos: Familie, Staat, Recht, Gottesdienst, Jahreslauf und Geistesleben und sittliche Werte, alles ist bezogen auf die "sinnvolle Ordnung" der Welt, und eine solche Vorstellung der Weltordnung findet sich im Völkerleben der Erde nur bei den Indogermanen.

 Zarathuschtra geht bewußt von dieser indogermanischen Vorstellung aus; man hat im Mazdaismus einmal die "sittlich höchste Auffassung der Welt" sehen wollen (Reallexikon der indogermanischen Altertumskunde, Bd. III, 1926, S. 652) und dem kann man durchaus zustimmen, wenn einem bei solchem Urteil bewußt bleibt, daß man offenbar nicht von einer "sittlichhöchsten" auffassung schlechthin sprechen darf - denn jedes Volk und jede Rasse empfinden das sittlich Höchste wieder anders -, sondern eine Auffassung in solcher Weise immer nur werten kann vom Geiste einer bestimmten Artung aus. Die Behauptung gilt also innerhalb der Grenzen nordisch indogermanischer Artung. Im Mazdaismus wird die "Welt" wie bei Fichte erblickt als "das versinnlichte Materiale unserer Pflicht"; nur ist diese ganze Weltordnung bei Zarathuschtra viel naturvertrauter als bei Fichte, dem das Naturgefühl der Indogermanen nicht zuteil geworden war. Die echten Zarathuschtraworte im persischen Awesta, die für die Betrachtung dieses Buches - das ja immer bemüht ist, die lebensgesetzliche (biologische) Auswirkung solcher Lehren zu erfassen - bedeutsam sind, finden sich besonders in den Gathagesängen, den Awesta-Abschnitten 28-34, 43-51 und 53:

In der Welt und im Gewissen der Menschen geht ein fortwährender Kampf  vor sich zwischen dem Guten Geiste Ahura Mazda und dem Bösen Geiste Angra Mainju (zwischen Ormuzd und Ahriman in späterer persischer Sprachform) gelegentlich ist diese Vorstellung auch so gefaßt, als ob Ahura Mazda über diesem Kampfe zweier Mächte stehe; dann ist der im Kampfe liegende Ahura Mazda der Gute Geist, soweit er sich durch das sittliche Streben der Menschen im Leben verwirklichen kann.
In seiner Auffassung vom Sittlichen geht Zarathuschtra vom Völkisch-Persischen aus, von angestammten iranischen Überlieferungen: was die Edelsten im Persertum, die besten Verleiblichungen persischen Geistes, als gut und ertüchtigend anerkannt haben, bildet die Grundlage sittlichen Wertens im Mazdaismus; was edlem persischen Wesen zuwider ist und was persische Kraft schwächen würde, das ist für den Mazdaismus das Schlechte, das sittlich Verwerfliche (Geyer: Bildungswerte aus Osten und Orient, Wien, 1919). Perser wie Hellenen stehen in Glaubensdingen ganz auf eigenen Füßen, soviel inhaltliche Vorstellungen vorhellenischer und morgenländischer Herkunft die Hellenen auch für ihren homerischen Glauben umbildend aufgenommen haben mögen. Das Verpflichtend-Völkische und das Völkisch-Verbindende wurde im Mazdaismus von den Persern der Frühzeit empfunden und konnte gerade wegen der arteigenen Gestaltung dieses Glaubens lebhaft empfunden werden. Herodotos (I, 132) hat aufgezeichnet: "Wer ein Opfer darbringt, darf nicht für sich allein um Heil beten, sondern er bittet um Wohlergehen für alle Perser und für den König, denn in allen Persern ist er selbst mit einbegriffen:" - Es leuchtet ein, daß eine solche Ablehnung individualistischen Denkens allein schon zur Erhaltung der arischen Geschlechter des Persertums beigetragen hätte, wenn nicht der Mazdaismus wie jeder Glaube indogermanischer Herkunft schon ein Glaube der Lebenserhaltung, ja der Lebenssteigerung gewesen wäre. Der "sinnvollen Ordnung" entsprach eine Ordnung der Zeugungen, deren Sinnbild das heilige Herdfeuer war, das im Hause eines jeden indogermanischen Familienvaters brannte, dieses Herdfeuer selbst wieder ein Kennzeichen der ursprünglichen Seßhaftigkeit und Bäuerlichkeit des Indogermanentums. 

Im Wesen Ahura Mazdas als eines Gottes der Weltordnung lag für das fernere Geschick des Persertums auch eine gewisse Gefahr: war Ahura Mazda der Hüter der ganzen sinnvoll geordneten Welt, so konnte er leicht zu einem Gotte werden, der weit über das arische Persertum hinausgriff. Hiermit war eine großartige "theologische" Wendung gegeben, die zum umfassenden Allgotte für alle Völker der Erde. Dieses Beispiel des Persertums zusammen mit anderen "theologisch" erscheinenden oder auslegbaren mazdaistischen Lehren hat im ganzen Morgenlande ringsum zündend gewirkt, indem es die Glaubensvorstellungen von der Stammesgottlehre (Henotheismus) zur Eingottlehre (Monotheismus) hinlenkte. Für das Persertum selbst war mit solchen Vorstellungen eine völkische Gefahr verbunden: Ahura Mazda wurde schließlich zum Allerweltsgott des Großreichs der Achaimeniden mit seinen verschiedenen Völkern, Sprachen und Rassengemischen, ein ""imperialistisch" begriffener Reichsgott des sich weithin zerstreuenden persischen Adels, der den Achaimeniden ihre Statthalter, die Satrapen (Schatrapa) und ihre Heerführer und hohen Beamten stellte. 
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Hans F. K. Günther
Gereuth, September 1933
 

Weitere Werke von Hans F. K. Günther:

Lebensgeschichte des hellenischen Volkes, 314 Seiten, 1965, Verlag Franz v. Bebenburg, Pähl

Lebensgeschichte des römischen Volkes, 339 Seiten, 1966, Verlag Franz v. Bebenburg, Pähl

Rassenkunde des deutschen Volkes, 510 Seiten, 2002, Verlag D. Bohlinger, Viöl

Platon als Hüter des Lebens, 84 Seiten, Verlag Franz v. Bebenburg, Pähl

Formen und Urgeschichte der Ehe, 1951, Verlag Musterschmidt, Göttingen

Le Mariage: Ses Formes, Son Origine, 1952, Verlag Payot, Paris

Gattenwahl zu ehelichem Glück..., 1951, Verlag F. Lehmann, München

Die Nordische Rasse bei den Indogermanen Asiens, 247 Seiten, 1982, ISBN 3-88202-309-0, Verlag Hohe Warte, Pähl
 

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