Sehr geehrte Redaktionen !

Soweit Sie zur alten Schreibweise zurückkehren, danke ich Ihnen. Soweit Sie das noch nicht getan haben, möchte ich die tieferen Gründe dieser Reform darlegen:

Daß sie blutleer ist, sind wir von Kultusministerien gewohnt. In meiner, Jahrgang 1940, Schulzeit haben sie lebendigen Kindern und meist, jedenfalls bei Berufsbeginn noch, engagierten Lehrern den Bezug zur  Realität austreiben wollen mit konstruierten und auch erlogenen Doktrinen, und bei meinen Kindern ist es noch schlimmer. Nach dem Krieg gab es den ganz normalen Schulfrust, den schon Plato beklagt, aber heute bringen sich die SchülerInnen um oder haben mit 15 bereits Magengeschwüre.

Die Wurzel ist ein globales Bevölkerungsreduktionsprogramm, mit dem laut Max-Planck-Gesellschaft fünf Milliarden (das ist kein Schreibfehler, die Millionen-Reduzierungen waren die Dimension der beiden ersten Weltkriege, in dem unter US-Führung laufenden dritten hat man drei Nullen hinzugefügt) Menschen aus der Bilanz entfernt werden sollen.

Das hat man diktatorisch mit Beginn des 3. Jahrtausends nach Christus vom Zaum gebrochen, denn die Pax Americana nimmt Bezug auf die Pax Augustea nach den Blutbädern der römischen Kaiser, wobei George W. Bush sich als Nero versteht. Drei Tage vor dessen Todestag am 09. Juni hat sich Bush vom US-Kongreß ein Gesetz verabschieden lassen, wonach er in Holland militärisch einmarschieren kann, sollte der Internationale Strafgerichtshof ihn oder einen anderen US-Bürger wegen Völkermord anklagen – was unausweichlich ist, wenn auf der Erde Recht einkehren soll.

Zeitgleich haben die behördlichen Handlanger versucht, uns aus dem Zuhause im eigenen Kopf zu vertreiben, aus unserer Sprache. Mich können sie – Götz von Berlichingen. Zeitgleich auch laufen die Bemühungen, Gut und Böse und damit die Schuld aus dem Bewusstsein zu löschen und das Völkerrecht zur Legalisierung des Angriffskrieges zu verbiegen.

Unserer Tochter versuche ich es so zu vermitteln:

Zur Rechtschreib-Reform an eine 11-Jährige

In tiefem Schlafe lag ich schon,
da hört' ich einen Klageton,
erhebe mich und sehe steh'n
ein Zimmerpflänzchen, schlank und schön.
Es beugt zu mir den Blätterkranz
und wispert: "Schreib' mich bitte ganz !
Ich will gerupft nicht vor Euch steh'n
als "F-länzchen", sondern, bitte schön,
als "Pf-lanze" voll erblüht
und Schmuck in Deinem Haar beim Tanz,
sodaß Dein Schatz vor Freude glüht."

Drauf sprach Viviane: "Dat P lass' isch äwwer jrundsetzlich wech, weil misch dat zuviel Zeit kost' beim Schriewe."

"Dann," sprach das Pflänzchen,
"geh' ich nun.
Hab' nämlich Besseres zu tun,
als 'rumzustehen bei Banausen,
die mich orthographisch zausen."
Viviane harrt noch manche Nacht,
doch ward' kein Pflänzchen mehr gebracht.

CANTABAVIS,

bürgerlich Dr. Vogelsang.

Die Rechtschreibreform ist Teil der globalen Entmündigung wie die Ungeheuerlichkeit, daß einzelne EU-Länder, darunter natürlich wieder das Zwangskartell Deutschland, eine Verfassung akzeptieren sollen, über die sie nicht abstimmen dürfen.

Dem Sprechen und Schreiben geht ein Denkprozeß voran: wenn ich Rad fahre, hebe ich mein Fortbewegungsmittel hervor, wenn ich radfahre, mehr die Tätigkeit. Diese Sprachreform wollte die geistige Freiheit und Kreativität einschränken entsprechend dem US-Programm der totalen Ent-Individualisierung:

In YALE, der Brutstätte auch des Völkermörder-Clans der Familie Bush,  begann vor über 30 Jahren   unter Führung des Neuropsychiaters Dr. José Delgado das globale Bevölkerungs-Manipulationsprogramm. Delgado sagte damals: „ Die Menschheit hat nicht das Recht, ihr eigenes Bewußtsein zu entwickeln. Wir brauchen ein psychochirurgisches Programm, mit dem man unsere Gesellschaft politisch kontrollieren kann. Der Zweck ist die physikalische Kontrolle des Bewußtseins. Jeder, der von der vorgegebenen Norm abweicht, kann chirurgisch verändert werden." (Congressional Record Nr. 26, Vol.1118, 24. Februar 1974, zitiert nach Dr. Helmut Lammer: "Verdeckte Operationen"). Verstümmelnde neurochirurgische Eingriffe an Dissidenten werden in Europa z.Zt. nur in Schottland durchgeführt, sonst wird mit subtileren Methoden der geistigen Kasernierung gearbeitet wie der  Rechtschreibreform.

Zusammenfassend kann der Widerstand gegen die Sprachreform nicht entschieden genug sein, denn sie ist Teil der globalen Entmenschlichung.

Nehmen wir das Beispiel Pflanze – Flanze:

Pflanze onomatopöesiert das Dringen aus der Erde: die vor den Lippen gestaute Luft bricht eruptionsartig durch. Das kann man sich kaum ausdenken, das ist die vitale Tätigkeit des Geistes – und die soll behördlich gebrochen werden. „Flanze“ – man sieht sie dahinwelken. Nun sind die Täter nicht nur bösartig, sondern auch aufsässig. „Wie ist es dann mit fleur = die Blume im Französischen?“, sagen sie etwa. Dieses Phonem spielt eine ganz andere Note, die zarte Ästhetik der Blüte. Aus diesen geheimnisvollen Elementen entsteht Dichtung. Die möchte das behördliche Denkkartell offenbar nicht. Die Bücherverbrennungen der NS-Zeit sind nicht weit. Wie nahe sie sind, zeigt das Beispiel aus der EU-Menschenrechte-Charta, die keine ist:

U.a. wird unterschieden  zwischen den Rechten von Menschen und Personen.  In Art. 1 wird die Würde des Menschen für unantastbar erklärt, danach ist nur noch von Personenrechten die Rede. Nach Art 2. hat jede Person das Recht auf Leben.

Dazu muß man wissen, daß genau dieser Unterschied von der neonazistischen Nützlichkeitsethik (Gallionsfigur: der australische Neonazi Peter SINGER) gemacht wird. Person ist ein Mensch erst, wenn er Pläne hat. Daraus wird abgeleitet, daß ein neugeborenes Kind einer Schnecke gleichzusetzen ist, weil beide keine Pläne hätten. Daher sei es bei beiden Lebewesen belanglos, ob man sie tötet oder nicht. Darum ging es auch schon in der europäischen Bioethik-Konvention: ist jemand einwilligungsunfähig -seelisch krank oder kleines Kind-, kann er durch Willkürentscheidung fremdnützig beforscht werden. Kommt sie/er dabei zu Schaden oder zu Tode, ist das Sachbeschädigung.

Begründet wird das heuchlerisch damit, dass im Französischen l’homme männlich ist, also nicht für alle Menschen stehen könne. Daher dann also la personne. Die Lüge ist offenbar.

Diese Rechtschreibreform ist Ausgeburt einer global übergeschnappten Verwaltung, die zum Beispiel auch das Medizinstudium auf zwei Jahre verkürzen will. Der Heiler soll die Angaben des Patienten und seine Feststellungen ins Internet eingeben, der Therapieplan kommt aus dem Drucker.

Mit freundlichem Gruß
arzt11@web.de
Dr.med.Heinz Gerhard Vogelsang, 
Internist u. Arzt f. Naturheilverfahren. Homöopathie. Leydelstr. 35, D-47802 Krefeld. Tf. = Fax  00492151 563294. 
Bus 52 u. 60 ab Krefeld Hbf. bis Haltestelle Leydelstraße. http://www.homoeopathie-krefeld.de/ , 
email: arzt11@web.de  -  ALLE KASSEN - Schwerpunkt: Krankheiten, die durch anderweitige Therapie nicht hinreichend gebessert werden. Die von ÄrztInnen angewandte Homöopathie wird von den privaten  wie  auch gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
Mitglied von
INTERDIS (Interdisziplinäre Vereinigung kritischer Zukunftsplanung), Präsident:  Hans Kaegelmann, Internist, Schriftsteller und Philosoph, Pf.1168, D - 51556 Windeck/Sieg. Internet: http://www.interdis-wis.de/ - Christel.lenz@t-online.de -  Ehrenmitglied der deutschen Sektion Medizin ist Herr Prof. Dr. med. Rudolf GROSS, em. Ordinarius f. Innere Medizin der Universität Köln.

- PRESSEMITTEILUNG -

Rechtschreibreform:
Abschaffung bei Springer und Spiegel ist gut für die Sprache

Erlangen, 6. August 2004 ­ Die Entscheidung von Springer und Spiegel, die Rechtschreibreform aufzugeben, wird von der DEUTSCHEN SPRACHWELT herzlich begrüßt. "Heute ist ein Tag der Freude für die Sprachgemeinschaft", erklärte der Schriftleiter der Sprachzeitung, Thomas Paulwitz: "Die Vernunft siegt. Lesefreundlichkeit und Ausdruckskraft der deutschen Sprache werden durch diese mutige Verlegerentscheidung gestärkt." Jetzt müßten weitere Verlage nachziehen. Die Leser würden es ihnen danken. Die Kultusminister sollten nun endlich auf die weitere Verordnung der mißlungenen Reform an Schulen und Behörden verzichten.

Seit fünf Jahren müssen viele Zeitungsleser unter den Unsinnigkeiten und Unstimmigkeiten der Reform leiden. Bisher hatte es als einzige Tageszeitung die "Frankfurter Allgemeine" gewagt, wieder zum Bewährten zurückzukehren. Der "Spiegel" verriet am 2. August, daß sich weitere große Zeitschriften- und Zeitungsverlage überlegen, das Abenteuer Rechtschreibreform zu beenden. Die DEUTSCHE SPRACHWELT ermuntert alle Verlage, der Meinung von 77 Prozent der Deutschen zu folgen, die laut Emnid-Umfrage die Reform ablehnen. "Mit jeder Zeitung, die auf die anerkannte Schreibweise umstellt, rücken wir der Rechtschreibeinheit näher", glaubt Paulwitz. Die Zeitungsverlage könnten mit ihrem Mut den Ministerpräsidenten und Kultusministern die Entscheidung erleichtern, die Reform zurückzunehmen.

Jahrelanges Widerstehen und Argumentieren hätten sich gelohnt, so Paulwitz. Bei der Sprachzeitung ist man stolz auf den Erfolg des Widerstandes gegen die Rechtschreibreform, der bisweilen als Kampf gegen Windmühlen verspottet worden war. Die DEUTSCHE SPRACHWELT hat den Protest, den zahllose Bürgerinitiativen tragen, immer unterstützt. So verbreitete sie zum diesjährigen Welttag des Buches eine Resolution, in der sich zahlreiche Prominente wie der Schriftsteller Siegfried Lenz, der Schauspieler Manfred Krug oder Altbundespräsident Walter Scheel für die Rücknahme der Reform aussprachen. Die Sprachzeitung erneuert außerdem ihren Aufruf, über den zu Jahresanfang zahlreiche Zeitungen berichteten und in dem sie fordert, im 175. Geburtsjahr Konrad Dudens das Rechtschreibchaos zu beenden. Ein wichtiger Schritt zur Wiedervereinigung der Schriftsprache ist getan. Der "Vater der Rechtschreibung" würde sich freuen.

Zur Pressemitteilung: http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/
pm-2004-08-06.shtml
Resolution für die Rechtschreibeinheit: http://www.deutsche-sprachwelt.de/archiv/resolution.shtml
Weitere Mitteilungen zur Rechtschreibreform: http://www.deutsche-sprachwelt.de/
berichte/pm-2004-07-28.shtml http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/
pm-2004-04-22.shtml
http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/
pm-2004-03-06.shtml
http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/
pm-2004-01-02.shtml

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80.000 Lesern (Leserbefragung 2002) die größte deutsche Sprachzeitung. Sie erscheint vierteljährlich und ist Sprachrohr und Plattform einer ständig wachsenden Bürgerbewegung, die sich um die deutsche Sprache sorgt und für ein neues Sprachbewußtsein eintritt. Die DEUTSCHE SPRACHWELT kämpft für die Erhaltung einer lebendigen deutschen Sprache.

Schriftleitung: Thomas Paulwitz
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Einheit der deutschen Rechtschreibung in Gefahr

Der frühere Kultusminister von Rheinland-Pfalz, Georg Gölter (CDU), hält die von Unions-Ministerpräsidenten geforderte Rücknahme der Rechtschreibreform für nicht verantwortbar. Ein solcher Schritt sei von der Sache her nicht zu rechtfertigen, sagte der rheinland-pfälzische CDU-Landtagsabgeordnete am 28. Juli 2004 im Fernsehen des Südwestrundfunks. Gölter war von 1981 bis 1991 Kultusminister in Mainz und gilt als einer der Väter der Rechtschreibreform.

Der CDU-Politiker sagte zu dem Vorstoß einiger Unions-Regierungschefs: «Das sieht sehr nach Sommertheater aus und nach einem Stück Populismus.» Gölter wirft der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ) vor, sie habe die Rechtschreibreform von Anfang an verhindern wollen. Das Blatt spreche Politiker an und berichte ständig über dieses Thema.

Allerdings sieht auch Gölter «ein paar Punkte, die dringend der Korrektur bedürfen». In Details habe sich die Reform «ein bißchen verheddert». Jetzt wäre es aber vernünftig, nicht hektisch zu reagieren. Die Reform sollte in Kraft gesetzt werden. Nach zehn Jahren sollte man überprüfen,. ob es wirklich eine Reihe von Punkten gebe, die der Korrektur bedürfen.

[28. Juli 2004]

__________________

Vertrag oder Absichtserklärung? Über die Rechtschreibreform gibt es keinen völkerrechtlich bindenden Vertrag

Richtigstellung der DEUTSCHEN SPRACHWELT

In der derzeit heftig geführten Diskussion um die mißlungene Rechtschreibreform hat sich der Irrtum ausgebreitet, daß ein Staatsvertrag bestehe, der die teilnehmenden Staaten verpflichte, die Rechtschreibreform umzusetzen. Die DEUTSCHE SPRACHWELT weist darauf hin, daß diese Auffassung falsch ist. Vielmehr besteht lediglich eine Absichtserklärung, die vor acht Jahren von Vertretern mehrerer Staaten unterzeichnet worden ist. Eine Absichtserklärung ist etwas völlig anderes als ein Staatsvertrag. Sie kann jederzeit aufgegeben werden. Mit dem Scheitern der Rechtschreibkommission ist die Absichtserklärung hinfällig. Außerdem haben die Kultusminister mit der geplanten Gründung eines "Rats für deutsche Rechtschreibung" die Grundlage der Absichtserklärung bereits verlassen. Für eine Rückkehr zur bewährten Rechtschreibung gibt es keinen staatsrechtlichen Hinderungsgrund. 

Thomas Paulwitz 
Schriftleiter der DEUTSCHEN SPRACHWELT
schriftleitung@deutsche-sprachwelt.de

Den vollständigen Text der Richtigstellung finden Sie hier:

http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/
pm-2004-07-28.shtml


 
Deutsch als EU-Arbeitssprache verankern: Gegen Arroganz und für Selbstbewußtsein

Erlangen (dsw) ­ Nach der soeben gescheiterten Verabschiedung einer europäischen Verfassung fordert die Zeitung DEUTSCHE SPRACHWELT eine eindringlichere Debatte über Deutsch als Arbeitssprache in der erweiterten Europäischen Union (EU). Aufgrund der bevorstehenden EU-Osterweiterung im Mai und der Europawahlen im Juni sei Eile geboten. In der morgen erscheinenden neuesten Ausgabe der Sprachzeitung treten der SPD-Spitzenkandidat für die Europawahlen, Martin Schulz, und der CDU-Bundestagsabgeodnete Olav Gutting für eine Stärkung der deutschen Sprache auf europäischer Ebene ein.

In einem Gespräch mit der DEUTSCHEN SPRACHWELT beklagt Martin Schulz, der Vorsitzende der SPD-Abgeordneten im Europaparlament, "die augenfällige Arroganz der europäischen Funktionseliten gegenüber nicht Englisch oder Französisch sprechenden Parlamentariern". Deutsch sei die Sprache, die "von der größten Einzelgruppe in der EU" gesprochen werde: "Deswegen gebührt ihr auch die entsprechende Stellung innerhalb der europäischen Institutionen." Olav Gutting (CDU) fordert in der DEUTSCHEN SPRACHWELT dazu auf, Deutsch als EU-Arbeitssprache zu stärken: "Wir sollten genügend Selbstbewußtsein haben, um unsere Interessen offensiv zu vertreten. Mit Leisetreterei kommen wir in Brüssel nicht weiter." Der Wettbewerbsvorteil, den die Verbreitung der deutschen Sprache in Osteuropa bringe, müsse genutzt werden.

"Deutsch muß in der Europäischen Union Arbeits- und Veröffentlichungssprache sein" lautet eine wichtige sprachpolitische Forderung der DEUTSCHEN SPRACHWELT. Sie unterstützt deswegen die Unterschriftenaktion "Deutsch: gleichrangig in der EU", die seit dem Tag der deutschen Sprache läuft. Hintergrundbeiträge zur Stellung der deutschen Sprache in Europa, das Gespräch mit Schulz und der Beitrag von Gutting sind in der neuesten Ausgabe vom 20. Dezember und im Netz unter http://www.deutsche-sprachwelt.de zu finden.

Zum Gespräch mit dem SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/euro/schulz.shtml

Zum Beitrag des CDU-Bundestagsabgeordneten Gutting http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/euro/gutting.shtml

Zur Pressemitteilung http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/
pm-2003-12-19.shtml
 

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Schriftleitung: Thomas Paulwitz DEUTSCHE SPRACHWELT
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Deutsch als Wissenschaftssprache

"Klosterneuburger Entschließung³ des Netzwerks Deutsche Sprache / Ergänzung der zehn sprachpolitischen Forderungen der DEUTSCHEN SPRACHWELT

Erlangen - "Laßt uns unsere Muttersprache auch auf dem Gebiet der Wissenschaften bewahren und fördern!³ Mit diesem eindringlichen Appell wendet sich heute das Netzwerk Deutsche Sprache in seiner Klosterneuburger Entschließung an die Öffentlichkeit. Die DEUTSCHE SPRACHWELT unterstützt den Aufruf zur Förderung von Deutsch als Wissenschaftssprache. Die darin aufgestellten Forderungen gehen in die sprachpolitischen Forderungen der DEUTSCHEN SPRACHWELT ein. Im Netzwerk Deutsche Sprache haben sich einige Sprachvereine aus dem deutschen Sprachraum zusammengeschlossen, auch aus Österreich, Südtirol und der Schweiz.

"Die Wissenschaftsmedien im deutschen Sprachraum sollen wieder verstärkt Platz schaffen für deutschsprachige Veröffentlichungen diverser Fach- und Spezialgebiete³, heißt es in der Entschließung. Politiker und Wissenschaftler werden dazu aufgerufen, "den freien Zugang zur Bildung für alle nicht mutwillig der unbedachten Bevorzugung einer Fremdsprache zu opfern³. Das Englische sei als Grundlage der Fachsprachen und der Wissenschaft im eigenen Sprachraum weniger gut geeignet. In einer Fremdsprache sei es noch schwerer, wissenschaftlich-technische Materien zu verstehen. Die Entschließung des Netzwerks weist damit in eine andere Richtung als die Diskussion um die angebliche Äußerung des seinerzeitigen Kulturstaatsministers Julian Nida-Rümelin, Deutsch sei als Wissenschaftssprache tot.

Die Klosterneuburger Entschließung wurde auf der diesjährigen Netzwerktagung in Klosterneuburg bei Wien vorbereitet. Der Schriftleiter der DEUTSCHEN SPRACHWELT, Thomas Paulwitz, wirkte bei der Ausarbeitung des Textes mit. Auf der Netzwerktagung stellte Paulwitz außerdem die Leistungen von Christian Thomasius vor. Dieser Verteter der frühen Aufklärung legte Ende des 17. Jahrhunderts, als Latein noch die Wissenschaften beherrschte, den Grundstein für den Aufstieg der Wissenschaftssprache Deutsch. Vor 300 Jahren trat Thomasius für etwas ein, das heute mit der Vorherrschaft des Englischen verloren zu gehen droht: den freien Zugang zur Bildung, die Vermeidung einer vom Volk weit entfernten akademischen Gesellschaft, die bessere Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen nicht nur für Fachleute, sondern für alle Interessierten. Voraussetzung damals und heute: die Förderung von Deutsch als Wissenschaftssprache.

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 < Wissenschaft
 
Mit großer Aufmerksamkeit beobachten die Sprachvereine die Abwertung unserer Muttersprache im Bildungswesen, im Hochschulbereich und in der Forschung.

Englisch gilt heute als die „internationale Wissenschaftssprache“, damit meint man die Sprache, in der alle Forscher kommunizieren und veröffentlichen müssen.

Wenn auch die internationale Veröffentlichungs- und Konferenzkommunikation sinnvollerweise in der jeweiligen international üblichen Verständigungssprache stattfinden sollte, so haben doch Denken, Arbeiten, Diskutieren, kreatives Forschen – auch international – keine Chance, wenn ihre Grundlage, die differenzierte, logische und hoch assoziative Muttersprache – Quell unserer Denkstruktur und unseres Weltwissens – aufgegeben wird.

Wir stellen daher folgende Forderungen:

    * Die Wissenschaftsmedien im deutschen Sprachraum sollen wieder verstärkt Platz schaffen für deutschsprachige Veröffentlichungen diverser Fach- und Spezialgebiete.
    * Gleichzeitig sollen die deutschsprachigen, von den öffentlichen Mitteln ihrer Länder finanzierten Forscher zumindest anwendungsorientierte Forschungsergebnisse nicht nur auf englisch, sondern wieder vermehrt auch auf deutsch publizieren, um z. B. dem Mittelstand, Hauptträger unserer Innovation und nicht zuletzt der Beschäftigung, den Zugang zu ihren Ergebnissen zu erleichtern.
    * An die Politiker und Wissenschaftler appellieren wir, die Muttersprache im akademischen Bereich – und damit den freien Zugang zur Bildung für alle – nicht mutwillig der unbedachten Bevorzugung einer Fremdsprache zu opfern, die als Grundlage der Fachsprachen und der Wissenschaft im eigenen Sprachraum weniger gut geeignet ist. Es ist oft schwer genug, wissenschaftlich-technische Materien zu verstehen – wie viel schwerer ist es, dies noch dazu in einer Fremdsprache zu tun.
* Das Argument, dann müsse man eben die Fremdsprache noch ausschließlicher erlernen, führt letztlich zur Aufgabe unserer Muttersprache und Kultur und zwingt uns auf Jahrzehnte in politische und ökonomische Unterlegenheit (und auch Abhängigkeit) gegenüber dem englischsprachigen Raum.

Zusammengefaßt lautet unser Appell:
Laßt uns unsere Muttersprache auch auf dem Gebiet der Wissenschaften bewahren und fördern!

< Wissenschaft
 
Zehn sprachpolitische Forderungen

1. Deutsch muß im öffentlichen Raum die vorrangige Sprache sein:

a. Jede öffentlich angebrachte Aufschrift, Anzeige oder Mitteilung, die der Unterrichtung der Öffentlichkeit dient, muß in deutscher Sprache abgefaßt sein.
b. Deutsch ist die Standardsprache des öffentlichen Dienstes und der Behörden. Sie darf keine fremdsprachigen Ausdrücke oder Begriffe enthalten, wenn ein deutscher Ausdruck oder Begriff mit dem gleichen Sinn vorhanden ist.
c. Dienstleister wie Bahn, Post und Kommunikationsanbieter sind dazu verpflichtet, ihre Kunden auf deutsch anzusprechen.
d. Jeder Teilnehmer an Veranstaltungen, Anhörungen oder Tagungen in Deutschland hat das Recht, sich in deutscher Sprache zu äußern.
e. Bei der Synchronisierung fremdsprachiger Filme dürfen keine schwerwiegenden Übersetzungsfehler vorkommen. Das gilt auch für sprachliche Wendungen.
f. Der Rundfunk muß die deutsche Sprache pflegen. Mindestens zwei Drittel der dort gesungenen Musik müssen auf deutsch vorgetragen werden.
g. Werbung und Beschreibung von Gütern, Erzeugnissen oder Dienstleistungen haben in deutscher Sprache zu erfolgen. Das gilt auch für Gebrauchsanweisungen, Bedienungsanleitungen, Gewährleistungsbedingungen, Rechnungen und Quittungen.
h. Landesweite öffentliche Aktionen sind unter deutschen Titeln zu veranstalten.

Überblick

2. Die Unterrichtssprache in Schulen und Hochschulen ist Deutsch. Nur bei der Fremdsprachenlehre gibt es Ausnahmen. Deutsch muß nationale Wissenschaftssprache sein und als solche besonders gefördert werden.

Für Schulen gilt:

a. Die Beherrschung der deutschen Sprache und die Kenntnis zweier weiterer Sprachen gehören zu den grundlegenden Zielsetzungen des Unterrichts.
b. Der Deutschunterricht hat den höchsten Stellenwert und darf zum Beispiel nicht zugunsten von Fremdsprachen beschnitten werden. Auf keinen Fall darf Englisch die Unterrichtssprache im Geschichtsunterricht sein!
c. Der Musikunterricht dient auch der Pflege und Kenntnis deutscher Lieder. Das Singen darf nicht von fremdsprachigen Liedern (wie Gospels) beherrscht werden.
d. Kinder müssen ausreichend Deutsch beherrschen, um in Regelklassen aufgenommen zu werden; andernfalls müssen sie in gesonderte Sprachlernklassen.

Der Wissenschaftsbetrieb richtet sich an den Klosterneuburger Forderungen aus:

a. Die Wissenschaftsmedien im deutschen Sprachraum sollen wieder verstärkt Platz schaffen für deutschsprachige Veröffentlichungen diverser Fach- und Spezialgebiete.
b. Gleichzeitig sollen die deutschsprachigen, von den öffentlichen Mitteln ihrer Länder finanzierten Forscher zumindest anwendungsorientierte Forschungsergebnisse nicht nur auf englisch, sondern wieder vermehrt auch auf deutsch publizieren, um z. B. dem Mittelstand, Hauptträger unserer Innovation und nicht zuletzt der Beschäftigung, den Zugang zu ihren Ergebnissen zu erleichtern.
c. An die Politiker und Wissenschaftler appellieren wir, die Muttersprache im akademischen Bereich – und damit den freien Zugang zur Bildung für alle – nicht mutwillig der unbedachten Bevorzugung einer Fremdsprache zu opfern, die als Grundlage der Fachsprachen und der Wissenschaft im eigenen Sprachraum weniger gut geeignet ist. Es ist oft schwer genug, wissenschaftlich-technische Materien zu verstehen – wie viel schwerer ist es, dies noch dazu in einer Fremdsprache zu tun.

Überblick

3. Die deutsche Rechtschreibung muß einheitlich geregelt sein. Die Regelung folgt der Entwicklung durch die Sprachgemeinschaft. Die Ergebnisse werden in eine verbindliche Wörterliste aufgenommen.

4. Deutsch muß in der Europäischen Union Arbeits- und Veröffentlichungssprache sein.

5. Die deutschen Mundarten als Quell der Standardsprache und die deutsche Schrift als kulturelles Erbe sind besonders zu schützen.

6. Die Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift ist die Voraussetzung für Einbürgerung und langfristigen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland und in der Republik Österreich.

Überblick

7. Die Familie muß gefördert werden, damit Eltern mehr Zeit für die (Sprach-)Erziehung ihrer Kinder haben. Kinder sollen in einem gesicherten sozialen Umfeld aufwachsen. So wird nachgewiesenermaßen (Pisa) die Lesefähigkeit gestärkt.

8. Die deutsche Sprache muß auch im Ausland gefördert werden:

a. durch die Unterstützung deutscher Minderheiten.
b. durch die Förderung von Deutsch als Fremdsprache.

9. Die deutsche Sprache ist vor politischem Mißbrauch zu schützen, soweit das möglich ist, zum Beispiel mit Hilfe von öffentlichen Ermahnungen. Ein unabhängiger Ältestenrat ähnlich dem Deutschen Presserat sammelt und veröffentlicht mit gebotener Sachlichkeit Verschleierungen, Verharmlosungen und Beschönigungen peinlicher Sachverhalte, die von allgemeinem Interesse sind.

10. Ein neuer Deutscher Sprachrat, zusammengesetzt aus unabhängigen Sachverständigen, ausgewiesenen Kennern und bewanderten Sprachanwendern, betreut die Erfüllung dieser Forderungen. Auch die Sprachvereine können Vertreter entsenden. Der Sprachrat spricht Empfehlungen aus und hilft dabei, das bereits bestehende Sprachenrecht in einem neuen Sprachgesetzbuch zusammenzufassen. Außerdem erarbeitet er Übersetzungslisten für neue Fachausdrücke und gibt ein deutsches Wörterbuch heraus.

< Wissenschaft